Frühlingsputz für Körper, Keller und Garten

Der Frühling kommt. Da lockt ein Neuanfang. Doch nicht nur der Körper will entschlackt und entgiftet werden, auch der Keller ruft – seit 30 Jahren. Oder doch zuerst in den Garten?

Statt zum Znacht wollte sich eine Freundin von mir kürzlich lieber im Kino treffen: Sie mache gerade eine Saftkur. Zum Entschlacken und Entgiften, Detox, du weisst schon. Hab ich schon hinter mir, sagte ich. Drei Tage Cola und Kamillentee.

Detox macht man mit Kindern regelmässig. Nämlich in Form der Magen-Darm-Grippe.

Detox hab ich, seit ich Mami bin, nicht mehr nötig. Wir haben jetzt Magen-Darm-Grippe. Das Gute dabei ist: Der Frühlingsputz beschränkt sich nicht auf den eigenen Körper. Haben zwei Erwachsene und zwei Kinder «entschlackt», ist es ratsam, sich anschliessend die Wohnung vorzunehmen. Gründlich. Und da ich gerade so im Schwung bin, widme ich mich endlich mal dem Keller.

Denn der muss im wahrsten Sinne des Wortes entgiftet werden, lagert doch dort nebst einem unüberschaubar gewordenen Dickicht an Gartengeräten, Velo, Werk- und Spielzeugen auch die gesamte Pest- und Herbizidsammlung der letzten dreissig Jahre.

Das Ergebnis der Entgiftungsaktion: Eine ganze Kiste voller Sondermüll.

In den 80ern hatte man ja noch eine ganz unverkrampfte Einstellung zu dem Thema. Denke ich an meine Kindheit zurück, bildeten die orangen Tagetes stets einen schönen Kontrast zum Blau der Schneckenkörner. Auch wie mein Vater jeweils mit dem Spritzgerät den Chriesibaum einnebelte, ist mir in lebhafter Erinnerung.

Beim Entrümpeln stosse ich zudem auf ein Pulver, das laut Packung nicht nur Pilzkrankheiten, sondern auch Blattläusen, Erdflöhen, Kohlweisslingen und Kartoffelkäfern den Garaus macht. Sozusagen die eierlegende Wollmilchkampfsau unter den Pflanzenschutzmitteln. Daneben ein Mittel zur «Rasenpflege», welches verspricht, sich alle «breitblättrigen Unkräuter» vorzuknöpfen: Gundelrebe, Brunelle, Wegerich, Ehrenpreis – Pflanzen, die heute wieder als Wild- und Heilkräuter geschätzt werden.

Eine ganze Kiste füllt sich mit solchen Breitbandkillern. Ich fühle mich ganz beschwingt, als sie weg ist. Leider nur solange, bis ich das nächste Mal den Keller betrete. Der ist jetzt zwar entgiftet. Aber noch längst nicht entschlackt. Und wie jedes Frühjahr nehm ich mir vor, ihn ENDLICH aufzuräumen.

Jetzt muss der Kompost verteilt werden. Der Keller kann warten.

Aber erst ruft der Garten zum Frühlingsputz. Die Sonne scheint gerade so schön. Nur schnell ein bisschen jäten. Die alten Stauden abschneiden. Den Topf neu bepflanzen. Nebenbei Sohnemanns Sand-Gugelhopf kosten. Söhnchen ist auch schon wieder unzufrieden. Und der Ehemann will Znacht. Der Keller muss warten. Aber nicht weitere 30 Jahre. Versprochen.

Gift im Garten – Tipps zur Entsorgung

  • Jährlich werden in der Schweiz allein in privaten Gärten noch immer über hundert Tonnen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die darin enthaltenen Chemikalien reichern sich über die Jahre im Boden an und gelangen ins Trinkwasser. Auch im Fettgewebe von Menschen und Tieren sowie in der Muttermilch konnten giftige Stoffe nachgewiesen werden.
  • Pflanzenschutzmittel und andere giftige Sonderabfälle können bei der Verkaufsstelle oder gegen Gebühr bei der Sonderabfallsammelstelle Riet in Winterthur oder der KEZO Hinwil abgegeben werden. Zudem wird jede Gemeinde mindestens einmal im Jahr vom «Sonderabfallmobil» besucht, wo ebenfalls giftige Abfälle entsorgt werden können (bis 20 kg pro Person und Jahr gratis).

Weitere Infos dazu finden Sie unter www.sonderabfall.zh.ch

Gift im Garten – Tipps zur Vermeidung

  • Robuste, krankheitsresistente, dem Standort angepasste Pflanzen und Sorten wählen. Starke Pflanzen werden weniger von Schädlingen und Krankheiten befallen.
  • Mit Unterschlupfmöglichkeiten und Wildstauden ein nützlingsfreundliches Umfeld schaffen: Vögel, Igel, Blindschleichen, Florfliegen, Marienkäfer, Raubmilben und Co. helfen, pflanzenschädigende Viecher in Schach zu halten.
  • Bei Problemen zuerst mit Hausmitteln probieren: Selbst angesetzte Pflanzenjauchen (etwa aus Brennnesseln, Beinwell oder Schachtelhalm) helfen gegen Läuse und andere Pflanzenschädlinge und wirken stärkend und vorbeugend gegen Blattkrankheiten. Auch die richtige Zusammenstellung von Pflanzen in einem Beet kann helfen, Übeltäter abzuwehren. So schützen etwa Tagetes und Ringelblumen Kartoffeln vor Nematoden und parasitären Pilzen.

Statt Gift spritzen: Ringelblumen schützen Kartoffeln vor Nematoden und parasitären Pilzen und Tomaten vor weissen Fliegen. Zudem fördern sie das Wachstum von Erbsen. Am besten gleich in alle Gemüsebeete säen!

Erstellt: 06.04.2016, 16:47 Uhr

Weitere Tipps und Anlaufstellen


  • Wenn Mittel gekauft werden, dann solche, die für den Bio-Landbau zugelassen sind. Bezug zum Beispiel über www.biogarten.ch

  • Wer Wege und Plätze wildkrautfrei halten will, greift statt zu Gift (welches auf Wegen und Plätzen ohnehin verboten ist) zum Beispiel zu einem Gerät, welches mittels Infrarotstrahlen unerwünschten Bewuchs abtötet. Die Hitze dringt nicht mehr als 1 bis 2 mm in die Erde ein und schont so die wichtigen Mikroorganismen im Boden. Mehr Informationen unter www.giftzwerg.ch

  • Bioterra Merkblatt «Pflanzen helfen Pflanzen», zu beziehen aufwww.bioterra.ch

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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