Garten-Blog

Der Sand in Nachbars Garten ...

Eine Kindheit ohne Sandkasten ist kaum vorstellbar, findet die Mutter und setzt sich für den Bau eines selbigen ein. Doch dem Sohn ist das Engagement egal – der sändelet lieber anderswo.

Buddeln und dreckelen nach Herzenslust: Im Sandkasten werden Kinderträume wahr.
Bilder: Sandra Weber

Kaum war mein Schwangerschaftstest positiv, ging es los: «Wir brauchen einen Sandkasten!», sagte ich zu meinem Mann. Ich dachte nicht erst an den Wickeltisch, das Bettchen, die Fläschchen. Denn: Eine Kindheit ohne Sandkasten? Ist keine. Wo sonst soll man versuchen, sich bis nach Australien zu graben?

Wo sonst darf man mantschen und pantschen und so richtig herrlich dreckig werden? Wo sonst macht man erste physikalische Experimente, indem man ausprobiert, was passiert, wenn man Wasser, Sand, Geisseblüemli und Weggli mischt? Und dieses dann seinem Nächsten über den Kopf kippt? Wo sonst schliesst man Freundschaften fürs Leben?

Loch buddeln, Sand rein, fertig? Leider nein.

Die Haus- und Gartengemeinschaft zeigte sich bezüglich meines Vorhabens eher skeptisch. «Wir können ja so eine kleine Plastikwanne aufstellen», meinte mein Mann. Ich hatte eher an eine naturnahe Sandgrube gedacht, die mit Steinen und Holzstücken ergänzt pädagogisch hochwertige Erfahrungen ermöglichen würde. Mein Vater, erklärter Fan von Rosenbeeten und gepflegtem englischem Rasen, wurde bei dieser Ankündigung bleich. Sandkästen habe es doch auf jedem Spielplatz, meinte er. Das in der Zwischenzeit geborene Kind erzählte auch so einiges, aber nicht in unserer Sprache, ein Glück, denn bestimmt wollte es sich auch noch einmischen.

Für 40 cm Sandkastentiefe braucht es genug Zeit, Kraft und sehr, sehr viele Schubkarrengänge. Oder man holt die Profis mit dem Bagger zu Hilfe.

Als ich den Bau aussteckte, hagelte es Einsprachen. Zu nahe an der Strasse, meinte meine Mutter. Zu klein, meinte mein Mann. Zu gross, meinte mein Vater. In geschlossener Formation marschierten wir zur nächsten Kinderkrippe und vermassen vergleichshalber den dortigen Sandkasten. «Wir möchten ja schon noch mehr Kinder», sagte ich kleinlaut, als das Ergebnis feststand. «Zwei Dutzend?» fragte mein Vater ungläubig.

Laangweilig! Wo ist der nächste Spielplatz?

Schaue ich nun aus dem Fenster, sehe ich einen sehr grossen Sandkasten. Er ist leer. Denn kaum decken wir ihn ab, begibt sich unser Sohn mit seinem Puppenwagen zum Gartentor und kräht: «Spiilpatz!» – wo er sich dann übrigens gern ausgiebig im Sand verlustiert. Schon für Zweijährige ist der Sand ennet dem Zaun eben weisser.

So war das eigentlich gedacht: Das Kind ist im Sandhaufen pädagogisch wertvoll beschäftigt und Mama kann die Füsse hochlegen.

Bloss macht das Sändele ganz allein einfach keinen Spass.

Der einzige, der zur Zeit wirklich enthusiastisch und vor allem vor Ort Berge und Tunnels baut, ist mein Mann. Trotzdem liege ich meiner Familie nun in den Ohren, wir bräuchten dringend einen Wasseranschluss neben dem Sandkasten. Sand und Wasser – welches Kind kann dieser Kombination schon widerstehen?

Sandra Weber

Erstellt: 05.06.2015, 18:23 Uhr

Warum ein Sandkasten?

Sandkästen faszinieren Kinder, Mädchen und Jungen; von wenigen Monaten bis über das Kindergartenalter hinaus, und fördern dabei verschiedene kognitive, motorische und soziale Kompetenzen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Der Sandkasten kann Ort für eine Verkehrslandschaft sein, wo Autos, Bagger und Züge verkehren, er kann aber auch Bäckerei, Zoo, Ritterburg oder Märchenschloss sein, Schauplatz einer archäologischen Ausgrabung, wo Dinosaurierfossilien zum Vorschein kommen, oder der Platz, wo Piraten einen Schatz vergraben haben.

Tipps zum Bau von Sandkästen


  • Wenn möglich einen Platz wählen, der morgens sonnig und nachmittags schattig ist. Ansonsten Sonnensegel montieren. Ausserdem: Kind VOR dem Sändele mit Sonnenschutz einreiben. Sand und Crème – keine angenehme Kombination.



  • Den Sandkasten nicht unter Büschen und Bäumen anlegen, da beim Graben die Wurzeln beschädigt werden. Ausserdem ist die Arbeit sehr mühsam, wenn der Boden stark durchwurzelt ist. Falls es nicht anders geht, an einem solchen Ort besser eine Sandkiste auf den Boden stellen.



  • Im Idealfall ist ein Sandkasten 40 bis 50 cm tief, sagt der erfahrene Spielplatz- und Gartenbauer Stefan Nänni von Grünwerk Winterthur. Damit sich der Sand nicht mit dem Erdreich vermischt, wird der Kasten mit einem Vlies ausgekleidet.



  • Ideal ist ein breiter, flacher Rand, auf dem Kinder (und Eltern) sitzen können, der aber auch als Arbeits- und Verkaufsfläche für die Sandkuchenbäckerei dient.



  • Unbedingt für eine gute Sandkastenabdeckung sorgen, damit der Spielplatz weder zum Katzenklo noch zur Wildbienennistzone wird.



  • Der Kauf von speziellem Spielsand lohnt sich. Er ist zwar etwas teurer, aber angenehmer für Hände und Füsse und pappt optimal zusammen, nur so ist der Bau von Tunnels und Sandkuchen überhaupt möglich.



  • Sandkastenspielsachen gibt’s wie Sand am Meer. Eigentlich braucht man aber nur ein paar Schaufeln, Giesskannen und Eimer verschiedener Grössen, etwa der Marke Spielstabil. Deren Produkte werden in Deutschland hergestellt, sind frei von Schadstoffen wie PVC, Phtalate und BPA und absolut unverwüstlich (10 Jahre Garantie). Mit Steinen, Blüten und Blättern können Sandkuchen dekoriert werden, Bretter und Äste kommen beim Bau von Burgen und Tunnels zum Einsatz.



  • Im Idealfall ist eine den Kindern frei zugängliche Wasserquelle in der Nähe, denn Wasser macht das Spiel im Sandkasten erst wirklich zum Genuss. Ausserdem können dort sandige Arme und Beine abgewaschen werden.


Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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