Garten-Blog

Asche über mein Haupt

Wenn Pflanzen plötzlich sprechen und sich über die Arbeit der Gärtner beschweren könnten, wäre die Bilanz des letzten Jahres vermutlich keine gute. Warum der Vorsatz fürs 2016 trotzdem lautet «weiter so im Text».

Die einzige Variante, wie sich der Hitzesommer 2015 hochschwanger aushalten liess: Beine hochlagern und zwischendurch im Planschbecken abkühlen. Bild: Sandra Weber

Eigentlich sollte man mir das Sorgerecht entziehen. Zumindest, wenn die Art und Weise, wie ich meinen Garten behandle, Rückschlüsse auf mein fürsorgerisches Talent zuliesse.

Früher glaubte man ja, dass Tiere in der Zeit zwischen den Jahren, den sogenannten Raunächten, sprechen konnten, damit sie Gelegenheit hatten, sich über ihre Meister zu beschweren. Oh weh, was hätten wohl die Tiere und Pflanzen in meinem Garten über mich erzählt?

Zeigt erste Anzeichen der Vernachlässigung: Der Gemüsegarten. Bild: Sandra Weber

Der Rasen: «Ich bin dieses Jahr fast erstickt im Moos und wie oft sie mich gemäht hat, kann man an einer Hand abzählen!» Die Stauden: «Uns liess sie um ein Haar verdursten! Erst wenn unsere Blätter lampig waren, hat sie zum Schlauch gegriffen.» Der Rasen: «Ich wurde dafür ersäuft! Ständig hat sie das Planschbecken auf mir entleert!» Die Kartoffeln: «Uns hat man vergessen zu ernten!» Die Bohnen: «Uns auch!» Die Kletterrose: «Und bei mir hat sie nicht mal bemerkt, dass ich dieses Jahr das erste Mal geblüht habe.» Die Arbeit wird mit wachsendem Bauch beschwerlicher – trotz tatkräftiger Hilfe. Bild: Sandra Weber

Ja, ich gebe es zu. Ich war eine schreckliche Gärtnerin letztes Jahr. Einzig Ameisen, Blattläuse und Schnecken dürften sich lobend über mich geäussert haben. Die Fenstersimse blieben ungeschmückt, der Komposthaufen ungewendet und die Bohnenstangen, die ein Herbststurm ins Staudenbeet schleuderte, liegen noch immer da. Vor allem aber blieben meine hochfliegenden Pläne allesamt in der Schublade. Ich habe kein neues Beet angelegt, weder Bäume noch Sträucher gepflanzt, geschweige denn einen Schwimmteich gegraben. Stattdessen verbrachte ich die Gartensaison Glace und Wassermelone essend in Sohnemanns Planschbecken.

Zum Glück gedeiht manches auch ohne menschliches Zutun. Bild: Sandra Weber

Ich bekenne mich also schuldig, möchte aber mildernde Umstände geltend machen. Hochschwanger zu sein war im Hitzesommer 2015 schlicht nicht anders auszuhalten. Ausserdem lässt sich ein durstiges Staudenbeet leichter ignorieren, als ein hungriger Zweijähriger. Und Wasser stört in der Wiese auch weniger als in den Beinen.

Fürs neue Gartenjahr nehme ich mir vor, einfach mal den Garten zu geniessen. Bild: Benedikt Dittli

Gerne würde ich diesen Text nun reumütig und mit einer ganzen Reihe neuer Vorhaben schliessen, insbesondere, wenn ich einen Blick in die derzeit eintreffenden Saatgutkataloge werfe. Aber Sie wissen ja wie es ist mit guten Vorsätzen. Für 2016 werde ich mir darum einfach mal vornehmen, den Garten zu geniessen. Und zu schauen, dass ich wenigstens die zwei Kinder unbeschadet durchs Jahr bringe.

Sandra Weber

Erstellt: 14.01.2016, 15:54 Uhr

Inspirationen fürs neue Gartenjahr

Falls Sie bereits Pläne fürs neue Gartenjahr schmieden, empfehle ich das Stöbern in Saatgutkatalogen. Nebst den Klassikern findet man bei folgenden Anbietern auch alte und seltene Gemüse- und Blumensorten in Bio-Qualität. Warum nicht mal Kerbelrübe, Erdbeerspinat oder Haferwurzeln ausprobieren?

gartenshop.sativa-rheinau.ch
www.zollinger-samen.ch
www.arthasamen.ch

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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