Garten-Blog

Rasen? Nein danke!

Eine Wiese muss nicht schön sein - aber pflegeleicht und unverwüstlich.

Speziell mit Kindern ist eine Wiese im Garten von Vorteil. Bilder: Sandra Weber

Von mir aus bräuchten wir keine. Ich wäre mit Blumen, ein paar Beeren und Gemüse vollauf zufrieden. Aber da ist ja noch das Kind, der Mann, die Eltern. Und die wollen nun mal eine Wiese haben. Zum Tschutten, zum Grillieren, zum Sünnele oder schlicht, weil er pflegeleicht ist. Ich muss zugeben, dass so eine Wiese ein paar Vorteile hat. Zum Beispiel bringt sie als ruhige grüne Fläche Blütenstauden erst so richtig zur Geltung. Darum ist der Rasen auch das Markenzeichen englischer Gärten. Während sich dort aber stramm und diszipliniert Grashalm an Grashalm reiht, muss man die Gräser in unserer Wiese mit der Lupe suchen. Wenn ich nur eine Woche nicht zum Mähen komme, erblüht sofort ein bunter, moosunterlegter Teppich aus Gänseblümchen, Günsel, Löwenzahn, Gundermann, Habichtskraut und jeder Menge Klee.

Will man eigentlich nicht, kriegt man aber trotzdem: Blümchen aller Art...

Nun habe ich ja gar nichts gegen Bienen. Im Gegenteil. Sie machen Honig und führen zwischen Varroa-Milben und Pflanzenschutzmitteln wahrlich kein leichtes Leben. Darum habe ich extra zahlreiche bienenfreundliche Stauden gepflanzt. Leider bevorzugen die Damen den Klee. Längerfristig wird es ein Ding der Unmöglichkeit, die nähere Bekanntschaft zwischen ihnen und Sohnemann zu verhindern, was für beide unschön werden wird. Nicht mal Mähen nützt: Der schlaue Klee bildet seine Blüten daraufhin einfach knapp über dem Boden, wo er vor der Klinge geschützt ist.

Die Blumen ziehen Bienen an.

Trotzdem möchte ich keinen englischen Rasen. Für die lokale Tierwelt gleicht ein solcher einer Wüste. Und von wegen pflegeleicht: regelmässiges Mähen, Düngen, Wässern und Vertikutieren sind Pflicht. Das entsprechende Equipment würde einen Kellerausbau unumgänglich machen. Zudem hätten sowohl Rasen als auch Gärtnerin Mühe, die uns bevorstehenden Wasserschlachten, Seifenblasenorgien, Dreiradrennen, Mini-Grümpis und leckenden Töffli zu verkraften. Auf unserem jetzigen Flickenteppich lässt mich alles kalt. Der Göttergatte legt den süttigheissen Grilldeckel in der Wiese ab? Kein Problem. Der Herr Papa deponiert während der Reparatur seines Oldtimers ölverschmierte Ersatzteile auf der Grünfläche? Kratzt mich nicht. Sohnemann pieselt zwischen Planschbecken und Sandhaufen auf den Boden? Pff.

Linoleum unter den Gartenböden: Unsere Wiese.

Unsere Wiese ist quasi der Linoleum unter den Gartenböden: Nicht sehr schön, aber pflegeleicht und garantiert unverwüstlich.

Sandra Weber

Erstellt: 03.07.2015, 18:13 Uhr

Die grüne Matte

Tipps zur Rasenpflege

Wer keinen Flickenteppich, sondern eine schöne, grüne Matte möchte, muss etwas mehr tun, als nur mähen.


  • Idealerweise wird der Rasen etwa einmal pro Woche auf 3 – 4 cm Höhe gemäht, damit er stets genug Licht bekommt. Die Klinge muss regelmässig geschliffen und gereinigt werden. Stumpfe Klingen verletzen die Blätter und fördern so das Pilzwachstum. Nie grössere Mengen Rasenschnitt auf den Kompost geben, sondern mit Häcksel und anderen trockenen Gartenabfällen mischen.

  • Im Frühling sollte der Rasen nach dem ersten Schnitt vertikutiert werden. Dabei wird mit einem scharfzinkigen Rechen oder einem speziellen Vertikutiergerät abgestorbenes Gras und Moos aus dem Rasen entfernt. So gelangen Wasser und Nährstoffe wieder besser zu den Wurzeln und der Luftaustausch im Boden wird verbessert. Vertikutiergeräte können unter anderem bei Grossverteilern wie OBI gemietet werden.

  • Oft weist Mooswuchs auf Staunässe und eine Verdichtung des Bodens hin. In diesem Fall kann zusätzlich aerifiziert werden. Mit dem Aerifiziergerät werden 5 bis 9 cm tiefe Erdzapfen aus dem Boden gestochen, die dabei entstehenden Löcher anschliessend mit Sand, manchmal zusätzlich mit Rasensamen und Dünger aufgefüllt. Wie das Vertikutieren trägt auch das Aerifizieren zu einer besseren Sauerstoff- und Wasserversorgung des Rasens bei. Ausserdem fördert es eine tiefere Wurzelbildung. Auch Aerifizierer können gemietet werden.

  • Im Frühling und im Spätsommer ist das Rasenwachstum am stärksten. Dann sollte etwas organischer, stickstoffhaltiger Langzeitdünger ausgebracht werden, etwa von Andermatt Biogarten. Wird der Rasen wenig genutzt, reicht eine Düngergabe im April, nach dem ersten Mähen und Vertikutieren. Eine oft genutzte Spielwiese kann etwas mehr Dünger brauchen: Ende April, im Juni und nochmal im August. Dünger auf trockenen Rasen ausbringen, anschliessend wässern.

  • Während längeren Trockenperioden sollte der Rasen gewässert werden, am besten am frühen Morgen.

  • Wo der Boden ohnehin nicht regelmässig betreten wird, kann auch ein Teil der Wiese zu Gunsten der lokalen Tierwelt, insbesondere Schmetterlingen und ihren Raupen, stehen bleiben. Wer neu ansät, kann auch eine standortgerechte Wildblumenmischung einstreuen. Oder die Rasenfläche wird in Wildstaudenbeete umgewandelt.

  • Verzichten Sie auf jeden Fall auf den Einsatz von Herbiziden. Verwenden Sie, wenn Sie keine Wildkräuter im Rasen tolerieren, einen Unkrautstecher. Wenn der Rasen schon stark von Klee und anderen Wildkräutern durchdrungen ist, lohnt es sich, ihn ganz neu anzulegen. Beachten Sie die oben erwähnten Pflegemassnahmen, welche alle dazu beitragen, dass das Gras kräftig wächst und Unkräuter gar nicht erst aufkommen.



Siehe auch Link

Sandra Weber hat zwei grosse Leidenschaften: Schreiben und Schaufeln. Im Gartenblog erzählt die Journalistin und Mutter von zwei kleinen Söhnen schonungslos ehrlich, selbstkritisch und mit viel Humor von Lust und Frust in Edens Vorort. Grüner Daumen? Im besten Fall kleiner grüner Finger. Dafür bewirtschaftet sie mit viel Geduld, Wagemut und Leidenschaft ihren Garten im Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Winterthur. Und sie hat ein grosses Herz für alles was grünt und blüht, kreucht und fleucht.

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