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Wie in der Ovo-Werbung

Kaum hat sich der Kanute Fabio Wyss in Australien eingelebt, muss er sich auf dem Meer durch hohe Wellenberge kämpfen.

Nach einer Woche Akklimatisation war ich vor meinem ersten Tag am nationalen Institut des Sports von Sydney etwas angespannt. Diesen Winter trainiere ich dort mit australischen Nationalkaderathleten. Den Trainer kannte ich davor nur vom Sehen. So wusste ich, dass ich einen guten ersten Eindruck hinterlassen muss, wenn es eine angenehme Zusammenarbeit werden sollte.

Typisch schweizerisch stand ich zehn Minuten zu früh vor der Krafttrainingshalle bereit. Als fünf Minuten nach der abgemachten Zeit noch niemand aufgetaucht war, wurde ich langsam nervös. Ich war mir keineswegs sicher, ob es überhaupt das richtige Gebäude war, denn das Trainingszentrum ist von der Grösse her vergleichbar mit demjenigen von Tenero. Trainer Tim Jacobs traf dann doch noch ein und begrüsste mich mit: «Hi Fab!». Als ob ich nicht schon ein halbes Dutzend Spitznamen hätte, erhielt ich von ihm einen weiteren – und das Eis war gebrochen.

Die erste Woche war sehr intensiv, und ich spürte noch etwas den Jetlag. Mit Murray Stewart, dem Olympiasieger im Kajak-Vierer, habe ich einen echten Gradmesser. Er ist der aktuell schnellste Australier. Ihn zu fordern, benötigt einen enormen Kraftakt. Es ist genau das, was ich suchte für diesen so wichtigen Trainingswinter!

Als Abschluss der Trainingswoche stand ein Surfski-Rennen über 25 km an. Surfski ist quasi Kajakfahren auf dem Meer – eine sehr beliebte Sportart in Australien. Ich bin zwar in meinem Leben erst dreimal in so einem Boot gesessen, aber ich traute mir diese Herausforderung zu. Dies war ein Fehler.

Die Wellen auf dem Meer waren die grössten, die ich jemals gesehen habe. Das Rennen führte mit rund 1000 m Abstand der Küste entlang. Im Falle einer Kenterung müsste man entweder sehr lange schwimmen oder wieder ins Boot einsteigen. Ein Rettungsboot sah ich unterwegs genau einmal. Trotzdem gab ich mein Bestes und dachte, ein Top-10-Platz bei den knapp 300 Startern müsste machbar sein. Noch eine Fehleinschätzung. Ich musste feststellen, dass physische Fähigkeiten bei dem Wellengang eine untergeordnete Rolle spielen und ich keine Ahnung vom Surfen dieser Wellen habe. So wurde ich regelmässig von ambitionierten Senioren überholt. Zudem kenterte ich am wohl dümmsten Ort. Das Ufer bestand dort nämlich aus einer einzigen, riesigen Felswand. Also probierte ich wieder ins Boot einzusteigen – probierte und probierte. Mir kam dabei die Ovomaltine-Werbung in den Sinn. Schliesslich konnte ich das Rennen fortsetzen und kam unversehrt ins Ziel. Dort empfing mich Jacobs mit den Worten: «Wir hätten nicht gedacht, dass du es ins Ziel schaffst bei deiner ersten Teilnahme.» Entsprechend froh war ich, wieder in mein geliebtes Regatta-Kajak zurückzukehren.

Fabio Wyss

Erstellt: 24.12.2015, 10:41 Uhr

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Der 26-jährige Kanute Fabio Wyss (KC Rapperswil-Jona) berichtet jeden zweiten Donnerstag aus Australien über seine Vorbereitungen auf die Olympiasaison.

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