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Training unter ­Nationalflagge

Lautes Gebrülle und Poltern im Kraftraum setzen Olympia-Sportler Fabio Wyss in Sydney in Erstaunen. Beeindruckt ist er vom australischen Nationalstolz - selbst wenn er auch bloss mal ein Vorwand für eine weitere Grillparty ist.

Im Leistungszentrum in Sydney, in welchem wir Kanuten trainieren, sind auch Athleten aus anderen Sportarten am Werk. Dies ist durchaus eine Bereicherung in unserem Trainingsalltag. Als ich eines ­Tages –nichts Böses ahnend – ins Krafttraining gehen wollte, hörte ich schon von draussen lautes Gebrülle und das heftige Poltern von schweren Hantelstangen, die auf den Boden knallten. Das Rätsel war schnell geklärt, die australische Rugby-Nationalmannschaft war am Trainieren. Über 20 stämmige Athleten feuerten sich gegenseitig an, als ­gehe es um Leben und Tod. Sie belagerten die eine Hälfte der Krafthalle, die etwa die Grösse einer Turnhalle hat. Trotz der immensen Grösse des Raumes schafften es die Jungs, dass die Luft darin richtig stickig wurde und sich die Fenster beschlugen. Diejenigen Athleten, die gerade nicht am Trainieren waren, sassen auf anderen Geräten herum, um zu pausieren. Unglücklicherweise waren es oft die Geräte, die ich zum Trainieren brauchte. So musste ich die grossgewachsenen, grimmig wirkenden Kraftpakete jeweils bitten, mir Platz zu machen. Dies war glücklicherweise kein Problem, und sie entfernten sich jeweils anständig. Trotz des höflichen Verhaltens verspürte ich überhaupt kein Verlangen, um gegen die Jungs eine Partie Rugby zu spielen.

Der Respekt beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. So wurden wir Kanuten wegen einiger Kraftübungen von ihnen auch schon als Verrückte bezeichnet. Zudem waren wir auch die einzigen Sportler, die am Aus­tra­lia Day trainierten. Der aus­tra­lische Nationalstolz wirkt irgendwie sympathisch und sogar ein bisschen ansteckend. Meine kleine Auswahl an Australienutensilien zog ich auf jeden Fall auch an fürs Training. Mit dem Durchschnitts-Australier konnte ich aber nicht mithalten. Unser Juniorenteam machte aber bei weitem die eindrücklichste Gattung. Geschlossen wurde Natio­nalmannschaftskleidung getragen, und als ob dies nicht genug wäre, befestigte die Junio­rentrainerin noch eine grosse Australienflagge auf ihrem Motor­boot. Es wirkte beinahe heroisch, als diese grosse Trainingsgruppe um 6.15 Uhr früh durch Nebelschwaden über das Wasser glitt.

Sehr angenehm für mich ­waren die unzähligen Barbecues, die an jeder erdenklichen Ecke des Landes stattfanden – vorzugsweise an den unendlichen Stränden. Meine australischen Freunde erklärten mir, dass der Sinn des Nationalfeiertages auch hauptsächlich darin besteht, einen weiteren Grund zu haben, um den Grill anzuwerfen und dabei ein paar ­Biere zu trinken. Für uns Kanuten war natürlich schon früh wieder Schluss. Der nächste Tag star­tete nämlich wieder um 6.15 Uhr auf dem Wasser – diesmal ­ohne Australienflagge auf dem Begleit­boot.

Erstellt: 04.02.2016, 10:55 Uhr

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Der 26-jährige Kanute Fabio Wyss (KC Rapperswil-Jona) berichtet ­ jeden zweiten Donnerstag aus Australien über seine Vorbereitungen auf die Olympiasaison.

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