DownUnder

Trainieren, Essen, Schlafen

Kanute Fabio Wyss führt bei seinen Olympia-Vorbereitungen Down Under ein scheinbar eintöniges Leben. Überflutete Strassen bringen den Radfahrer nicht aus der Ruhe - nass wird er in seinem Sport ja sowieso.

Das neue Jahr hat für mich bis jetzt vor ­allem aus drei Dingen bestanden: Trainieren, Essen und Schlafen. Das hört sich vielleicht etwas eintönig an. Wenn man aber an einem so wunderschönen Flecken Erde in einer hochkarätigen Trainingsgruppe mitpaddeln kann – und das sogar bei sommerlichen Tempe­raturen –, dann steht man ­ fast jeden Morgen mit einem ­Lächeln auf. Sogar wenn der ­Wecker schon um 5.30 Uhr klingelt, wie dies bei mir leider fast jeden Morgen der Fall ist.

Letzte Woche wurde dieses Bild etwas getrübt, denn es regnete in Sydney drei Tage lang ununterbrochen. Was in der Schweiz etwas ganz Normales wäre, hat hier an der Südost­küste Australiens Seltenheitswert. Dies zeigt sich nur schon dar­an, dass nach dem zweiten Tag mehrere Strassen aufgrund von Überflutungen gesperrt wurden. Als Kanute ist das allerdings halb so wild. Mein Rad­weg stand zeitweise zwar auch bis zu 40 cm unter Wasser, da ich aber schon zu Hause meine Paddel­sachen anzog, war dies kein Pro­blem. Früher oder später wird man in diesem Sport sowieso immer nass. Bald kehrte das australische Sommerwetter zurück. Und letz­tes Wochenende bestritt ich – bei herrlichen äusseren Bedingungen – meine erste Regatta am anderen ­Ende der Welt. Auf der Olympiastrecke von Sydney wurden die Staatsmeisterschaften von New ­South ­Wales ausgetragen. Dieser Bundesstaat hat ähnlich viele Einwohner wie die Schweiz. Die Kanu­szene hier ist aber um einiges grösser und ­ vor allem die Leistungsdichte deutlich höher.

Ich star­tete über alle Distanzen von 200 m, 500 m, 1000 m bis zu den 5000 m. Dieses Programm war heftiger, als ich es erwar­tet hatte. Der Grund lag dar­in, dass man sich in den Vor­läufen oder Semifinals nicht wirklich schonen konnte, um sich für die nächste ­Runde zu qualifizieren. Das beste Resultat gelang mir über die 5000 m, die ich gewann. Über die 500 m wurde ich Dritter. Die 200 m sind schon seit je zu kurz für mich, aber der 11. Rang ist durchaus akzeptabel.

Über die olympischen 1000 m, meiner Hauptdisziplin, war die Ausgangslage etwas härter. Über diese Distanz startete das gesamte australische Nationalteam, weil die Selektion für die Olympischen Spiele hier schon voll im Gang ist. Mein Ziel vom A-Final verpasste ich zwar knapp, doch mit Rang 10 bewies ich, dass ich nahe dran bin. Es war alles in allem ein sehr erfahrungsreiches, aber auch hartes Wochenende. Mein Körper muss sich offensichtlich noch daran gewöhnen, mitten im Schweizer Winter an Regatten teilzunehmen. Trotz regenerativen Massnahmen fühlten sich meine Muskeln die letzten Tage immer noch leer an. Denn ab Montag hiess es für mich wieder: Trainieren, Essen und Schlafen.

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Erstellt: 21.01.2016, 11:52 Uhr

DownUnder

Der 26-jährige Kanute Fabio Wyss (KC Rapperswil-Jona) berichtet ­ jeden zweiten Donnerstag aus Australien über seine Vorbereitungen auf die Olympiasaison.

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