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«Hochmut kommt vor dem Fall»

Der Kanute Fabio Wyss versuchte sich als Wellenreiter - mit einem Kajak, eine knifflige Angelegenheit.

Nach dem Wettkampf in Adelaide erlaubte ich mir ein paar Tage Abwechslung und besuchte Freunde in Queensland. Um paddeltechnisch nicht einzurosten, konnte ich einige Surfski-Einheiten absolvieren. Mit ergänzendem Surfen und Schwimmen waren dann diese für Erholung gedachten vier Tage äusserst aktiv.

Das Highlight war einmal mehr das Surfskipaddeln auf dem Meer. Dass auf dem rauen Ozean meistens mehr los ist als auf der spiegelglatten Lagune, wo das Training mit den Rennbooten vollzogen wird, dürfte klar sein. So war es auch im schönen Noosa. Es hatte dort richtig schöne Brecher zum Surfen. Das Gefühl, so eine Welle in einem kippligen Kajak zu reiten, ist einmalig. Die Geschwindigkeit ist extrem hoch, doch je nach Grösse der Welle ist eine Kenterung fast unausweichlich. Ich schaffte es aber lange Zeit, ohne zu kippen. Was auch besser war, denn der Strand war weit entfernt und das Boot nur ausgeliehen. Trotzdem möchte man immer grössere und schnellere Wellen erwischen.

Bei meinem letzten Training an der Sunshine Coast war etwas weniger los als auch schon und nach etwas mehr als einer Stunde entschied ich mich, noch eine letzte gute Welle zu erwischen und dann zurück zum Strand zu paddeln. Ich ging nahe zu einem Felsen, wo die Brandung deutlich grösser war. Als ich dort war, schien aber irgendwie Flaute zu sein. Ich schaute ins Meer hinaus auf der Suche nach etwas Grossem. Da sah ich diese Welle, wobei ich mir nicht sicher war, ob ich nicht besser verschwinden sollte. Sie war die grösste, die ich je gesurft hätte. Ich entschied mich, es durchzuziehen. Ansonsten hätte ich es bereut, da war ich mir sicher. Als sie näherkam und sich noch weiter aufbaute, fiel mir dieser schöne Spruch ein: «Hochmut kommt vor dem Fall». Aber flüchten konnte ich nicht mehr, also versuchte ich Tempo aufzunehmen und sie zu surfen. Ich merkte, wie sie mich mitnahm und ich schneller wurde denn je. Dieses Gefühl hielt nicht für lange, denn die Welle war zu gross und zu steil für ein Kajak. Ich hörte noch, wie die Welle zu brechen anfing, und sah, wie ich mit der Bootsspitze eintauchte und es mich überschlug.

Nach einem langen Tauchgang schnappte ich nach Luft und sah, dass zum Glück mein Boot ganz in der Nähe war. Schnell stieg ich ein und machte mich aus dem Staub. Wer diesen Blog regelmässig liest, weiss, dass ich das mit dem Einsteigen ja bereits ausgiebig geübt habe. In mehr oder weniger weiser Vor­aussicht hatte ich diesmal auf Sonnenbrille und Hut verzichtet. So gab es auch nichts, was ich bei meinem Tauchgang hätte verlieren können. Dafür hatte ich diesmal einen Sonnenstich inklusive Sonnenbrand. Wenn man von den Wellen richtig durchgewaschen wird, nützt leider auch Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 nicht mehr viel. ()

Erstellt: 04.03.2016, 11:19 Uhr

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Der 26-jährige Kanute Fabio Wyss (KC Rapperswil-Jona) berichtet jeden zweiten Donnerstag aus Australien über seine Vorbereitungen auf die Olympiasaison.

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