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Wettlauf nach Corona-ImpfstoffBill Gates fordert Geld von den Wirtschaftsmächten

Die Suche nach einem Corona-Impfstoff verschlingt viel Geld. Der Milliardär hat eigene Pläne. Doch auch europäische Forscher mischen an vorderster Front mit.

Der Milliardär stellt Forderungen an die Mächtigen: Bill Gates setzt sich mit seiner Stiftung für die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs ein. Bild: Jack Taylor/Getty Images
Der Milliardär stellt Forderungen an die Mächtigen: Bill Gates setzt sich mit seiner Stiftung für die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs ein. Bild: Jack Taylor/Getty Images

Die weltweite Suche nach einem Corona-Impfstoff ruft immer mehr Politiker und bekannte Persönlichkeiten auf den Plan. So gibt sich etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen optimistisch. Sie hofft, dass schon Ende des Jahres ein Impfstoff entwickelt sein könnte. Der britische Experte und Regierungsberater Jeremy Farrar erwartet sogar schon bis Herbst einen Impfstoff.

Ziemlich zuversichtlich zeigt sich auch Microsoft-Gründer Bill Gates, der sich seit Jahren für eine bessere Gesundheitsversorgung in der Welt engagiert. Er nannte einen Zeitraum von 18 Monaten, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Normalerweise dauere allein die Entwicklung fünf Jahre, sagte Gates der ARD (lesen Sie auch, wie der Microsoft-Gründer schon vor fünf Jahren vergeblich vor einer Pandemie warnte).

Mit der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 ist ein Wettbewerb zwischen Biotech-Firmen und Forschungsinstituten weltweit entbrannt, um einen wirksamen Impfstoff herstellen. Dennoch rechnen die wenigsten Experten damit, dass es noch in diesem Jahr einen gut wirksamen, sorgsam abgesicherten und in immensen Mengen verfügbaren Impfstoff geben kann.

Europäer lassen hoffen

Nach den Worten von der Leyens sitzen zwei der vielversprechendsten Forscherteams in Europa. «Sie planen, schon bald mit den klinischen Tests zu beginnen», sagte die Politikerin der «Bild am Sonntag». Dann folgten mehrere Schritte bis zu einer Zulassung und Massenproduktion. «Ich hoffe, dass sie gegen Ende des Jahres einen Impfstoff entwickelt haben.»

Der britische Experte Farrar weist darauf hin, dass es viel Zeit brauchen wird, bis der Wirkstoff massenhaft zur Verfügung steht. Denn nach der Entwicklung müsse die Produktion für die Impfung vieler Millionen Menschen hochgefahren werden, wie er der BBC sagte. «Ich würde hoffen, dass wir das in zwölf Monaten schaffen, aber das ist an sich schon ein beispielloser Ehrgeiz.» Farrar, der auch die Regierung in London berät, äusserte die Befürchtung, dass Grossbritannien das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land werden könnte.

Bill Gates braucht zwei Milliarden Dollar

International bemüht sich die Impfstoff-Allianz CEPI (»Coalition for Epidemic Preparedness Innovations») um die Entwicklung eines Impfstoffes. Zu den Mitbegründern der Allianz gehört die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Bill Gates schrieb in einem Beitrag für die «Welt am Sonntag», die CEPI sei dabei, mindestens acht mögliche Impfstoffe zu entwickeln. Damit in 18 Monaten auch mindestens einer von ihnen anwendungsbereit sei, benötige die Koalition aber mindestens zwei Milliarden Dollar, sagte Gates.

Gates rief vor allem die G20-Wirtschaftsmächte zu mehr finanziellen Beiträgen auf. Er mahnte zugleich, eine Covid-19-Schutzimpfung müsse als «globales öffentliches Gut» eingestuft werden und daher für alle bezahlbar und zugänglich sein.

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Seit Jahren warnt Multimilliardär Bill Gates vor einer Pandemie - und bereitet sich auf die Ankunft der Viren vor wie auf einen Krieg. Von ihm kann man viel lernen.

Gates befürchtet, dass Ansteckungsrate und Zahl der Todesopfer in ärmeren Ländern wegen schlechterer Gesundheitssysteme und geringerer Isolationsmöglichkeiten höher sein werden als in Industrieländern. «Noch ist die Anzahl der Infizierten in den Entwicklungsländern relativ niedrig, aber nach allem, was wir bisher erlebt haben, ist es wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten dort die Epizentren der Epidemie liegen werden», sagte Gates am Sonntag in den ARD-»Tagesthemen».

Weltweit fordern Politiker, dass Wissen und Forschung geteilt werden, um schneller zu Impfstoff und Therapien zu gelangen, und auch, dass die ärmsten Länder dazu Zugang haben.

Schnelle Entwicklung bis im Frühling 2021

Erste experimentelle Kandidaten für einen Impfstoff gibt es bereits – kleine klinische Studien an Menschen damit laufen vereinzelt schon oder werden demnächst beginnen. Die Zulassung und die klinische Prüfung sind üblicherweise langwierig. Gemeinhin werden für die Entwicklung von Impfstoffen etwa 15 Jahre veranschlagt. Bei Sars-CoV-2 soll es viel schneller gehen. Dafür wird vor allem auf biotechnologische Verfahren gesetzt, bei denen nicht wie üblich die Viren selbst zur Herstellung eines Impfstoffes benötigt werden, sondern nur deren genetische Information.

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut, das für Impfstoffe zuständig ist, erwartet erste klinischen Prüfungen in Deutschland im Sommer bis Herbst. Der Präsident des Instituts hält es für möglich, dass dann 2021 grössere klinische Prüfungen mit Tausenden oder vielleicht Zehntausenden Probanden beginnen könnten. Man dürfe die Abläufe aber nicht zu sehr beschleunigen, hatte er im März gesagt. Denn es brauche verträgliche, sichere Impfstoffe. Auch Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin rechnen mit einem Impfstoff allerfrühestens nächsten Frühling.