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Engagierte SängerinBeyoncés neuer Song ist ein politisches Statement

Die Unruhen wegen rassistischer Polizeigewalt haben längst ihren eigenen Soundtrack. Nun hat auch der R&B-Star Beyoncé Knowles einen Protestsong veröffentlicht.

Die Sängerin Beyoncé äussert sich immer wieder pointiert zu politischen Themen. Jetzt erschien von ihr ein Song zu den Protesten gegen rassistische Polizeigewalt.
Die Sängerin Beyoncé äussert sich immer wieder pointiert zu politischen Themen. Jetzt erschien von ihr ein Song zu den Protesten gegen rassistische Polizeigewalt.
Foto: Mario Anzuoni  (Reuters)

Pop-Superstar Beyoncé Knowles hat sich in die Debatte über Rassismus und Polizeigewalt eingeschaltet. Am vergangenen Freitag hat sie mit «Black Parade» einen Protestsong vorgelegt. Das Lied soll Schwarze dazu ermutigen, auf ihre Herkunft und Kultur stolz zu sein. Zudem fordert die Sängerin einen neuen Marsch auf Washington («Need another march/Need peace and reparation for my people»). Über 200’000 Menschen haben sich 1963 vor dem Denkmal des ersten amerikanischen Präsidentenin Washington versammelt, um für Gleichberechtigung der Schwarzen zu demonstrieren. Martin Luther King hielt damals seine historische Rede «I Have A Dream».

Die 24-fache Grammy-Gewinnerin Beyoncé hatte schon kurz nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen weissen Polizisten in Minneapolis Ende Mai Gerechtigkeit für Afroamerikaner gefordert und Rassismus scharf verurteilt. Die Pop-Ikonen Mariah Carey und Barbra Streisand folgten ihrem Beispiel.

Dass Beyoncés neue Single ausgerechnet am Freitag erschien, ist dabei kein Zufall. Der 19. Juni ist in den USA Gedenktag für die Befreiung der Sklaven. Vor 155 Jahren wurde an diesem Datum das Ende der gestzlich erlaubten Sklaverei in den Südstaaten beschlossen. Im Bundesstaat Texas ist der Juneteenth seit 1980 ein gesetzlicher Feiertag. Vor dem Hintergrund landesweiter Proteste wegen Floyds Tod unter dem Banner der Bewegung Black Lives Matter gedachten am Freitag in den USA viele Tausende Menschen des Endes der Sklaverei.

Schon eine ganze Reihe von Musikerinnen und Musikern hat sich in den letzten Wochen und Monaten mit den Protesten gegen Rassismus auseinandergesetzt. Darunter sind der Rapper LL Cool J, aber auch die Jazzmusiker von Irreversible Entaglements und der Saxophonist Kamasi Washington. Die R&B-Sängerin Teyana Taylor, setzte für ihr neues Werk «The Album» bewusst auf eine Veröffentlichung am 19. Juni.

Unterstützung erfährt die Bewegung von Black Lives Matter aber auch von weissen Musikern. So hat Jeff Tweedy von der Folkrock-Band Wilco. eine gross Aktion gestartet. Der Grammy-Gewinner kündigte an, fünf Prozent seiner Songwriter-Einkünfte an Organisationen zu geben, die sich um Gerechtigkeit für Schwarze und die «Black Community» kümmern.

«Die moderne Musikindustrie ist fast komplett auf der Kunst von Schwarzen aufgebaut. Der Wohlstand, der schwarzen Künstlern gebührt hätte, ist gestohlen worden», schrieb der Sänger, Gitarrist und Produzent (Norah Jones, Mavis Staples). Tweedy schlug zudem eine Reparations-Initiative vor, «um das Business zu verändern – und die Welt, in der wir leben».

sda/cam

2 Kommentare
    Burkard Markus

    "Die moderne Musikindustrie ist fast komplett auf der Kunst von Schwarzen aufgebaut." Ups. Ach wirklich? Den Jazz, als eine der zentralen treibenden Kräfte gäbe es ohne die in der "weissen" Musiklehre etablierte Harmonielehre einschliesslich der gleichstufigen (temperierte) Stimmung nach Werckmeister gar nicht. Erst dieser Entwicklungschritt macht es möglich, über alle Skalen hinweg frei improvisieren zu können, was Jazzer ja sehr gerne tun. Im übrigen: Vorwiegend auf Instrumenten, die im wesentlichen von Weissen in "good old Europe" erschaffen wurden, ohne diese, eben die moderne Musik, von der hier Frau Beyoncé Knowles spricht, gar nicht gespielt werden könnte. Es gibt keinen relevanten Instrumentenbau, weder in Afrika noch Südamerika, aus vielfältigen Gründen, allen vorab setzen klimatische Bedingungen diesem eine gewisse Grenze. Der Jazz, dessen Geburtsort ja New Orleans ist, genauer: Bourbon Street, ist nicht gerade der freundlichste Ort für den Instrumentenbau: Zu heiss, zu feucht. Die Musikgeschichte ist sehr komplex. Auf der rhytmischen Seite ist der Beitrag der Afro-Latin-Welt an der Musikentwicklung stark. Im übrigen: Prince (ich nenn ihn "the great Prince" in Anlehnung an die Worte von Ian Anderson`s (von Jethro Tull) "the great Bach") wollte mal von Beyoncé Knowles "wissen", wieviel sie denn von Musik versteht, und war diesbezüglich ziemlich ernüchtert.