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Gedanken zu WeihnachtenBesinnliche Feiertage

Was bedeuten die behördlichen Einschränkungen für die Weihnachtstage? Gedanken dazu von Berthold W. Haerter, reformierter Pfarrer aus Oberrieden.

Berthold W. Haerter, Pfarrer in Oberrieden.
Berthold W. Haerter, Pfarrer in Oberrieden.
Foto: PD

Hat Ihnen dieses Jahr schon jemand besinnliche Feiertage gewünscht? Mir nicht. Dabei meinte ein Freund letzthin trocken: «Dieses Jahr haben die Leute endlich besinnliche Weihnachten, denn sie werden durch keinerlei Familienfeiern gestresst.» Besinnen heisst nachdenken, einkehren, wahrnehmen und auch grübeln. Es ist eine innere Einkehr und häufig auf etwas ausgerichtet.

In den Briefen des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer bemerke ich, dass er erst mit der Einsamkeit der Gefangenschaft zu einem tiefen persönlichen Nachdenken über Weihnachten gezwungen wird. Wir werden mit den behördlichen Einschränkungen auch aufgefordert, Weihnachten mit mehr Frei-Zeit zu feiern. Darüber können wir frustriert sein. Ich kann mich aber auch wirklich besinnen, mich in der Ruhe meinen Gedanken gegenüber öffnen und zum Beispiel darüber nachdenken, warum wir Weihnachten feiern.

Jede und jeder wird sich dabei an die Geburt Jesu erinnern. Vielleicht kommt Ihnen die eine und andere Passage aus den Weihnachtsgeschichten in den Sinn. Es sind schöne Erzählungen von Matthäus und Lukas. Es ist Weltliteratur, aber es sind keine Reportagen.

Wie und warum sind diese entstanden? Geburtslegenden entstehen, wenn über die Kindheit berühmter Menschen geforscht und nachgedacht wird. Bei Jesus war das nicht anders. Die ersten Christen fragten sich: Wie und warum ist Jesus geboren? Sie lasen in ihren heiligen Schriften und schlussfolgerten: Jesus ist als Nachkomme von König David in Betlehem geboren! Er ist von Gott in die Welt geschickt worden, also muss Gott sein Vater sein! Einfache Menschen erzählten, wie sie durch Engel von der Geburt gehört hatten, und Ausländer wurden durch eine Sternkonstellation auf ihn aufmerksam. Also gibt es bei Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen. Er sagt zu jeder und jedem bedingungslos Ja!

Ich überlege, welche Auswirkungen diese Geschichten auf unsere Weihnachten heute haben. Gott zeigt sich in einem Kind, welches Hoffnung und Freude verbreitet. So wird Weihnachten zum Fest der Freude! Jesus wird in eine Kleinstfamilie geboren, so wird Weihnachten zum Familienfest! Trotzdem kommen Personen von aussen hinzu, welche die Geburt mitfeiern. So ist Weihnachten auch das Fest, an dem man sich trifft!

Genau das ist in diesem Jahr nicht möglich. Aber ist das Grund, traurig zu sein, oder bietet es die Möglichkeit, uns auf Weihnachtserinnerungen zu besinnen? Ich erinnere mich an das Singen im Kinderchor. Wir zogen damals von Haus zu Haus. In der DDR waren es vor allem ältere Menschen, die als Flüchtlinge aus dem Osten alles verloren hatten. In einem Zimmer wohnend und von einer schmalen Rente lebend, freuten sie sich über das Singen von uns Kindern besonders. Das Hören alter und neuer Weihnachtslieder machte sie glücklich. Fallen Ihnen Weihnachtslieder ein, die sie gern hören oder singen?

Zum Schluss frage ich mich: Warum nennt man Weihnachten das Fest der Liebe? Gott zeigt mit Jesu Lebensweg seine Liebe zu dir und mir. Auch darüber lohnt es sich nachzudenken. Ich wünsche Ihnen besinnliche Feiertage.