Zum Hauptinhalt springen

Grossbrand in Lager auf LesbosBern will 20 Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

Mehrere Länder und Regionen wollen den Migranten aus dem abgebrannten Lager helfen. Nordrhein-Westfalen will 1000 Flüchtlinge aufnehmen, die Niederlande winken ab.

Kinder stehen neben abgebrannten Containerhäusern im Flüchtlingslager Moria auf der ägäischen Insel Lesbos. (9. September 2020)
Kinder stehen neben abgebrannten Containerhäusern im Flüchtlingslager Moria auf der ägäischen Insel Lesbos. (9. September 2020)
Foto: Petros Giannakouris (Keyston)

Nach den schweren Bränden im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos will die Stadt Bern 20 Flüchtlinge aufnehmen. Das gab der Gemeinderat am Mittwoch bekannt. «Der Gemeinderat ist bestürzt über die Brände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland», heisst es in der Medienmitteilung. «Er fordert die Bundesbehörden auf, die Direktaufnahme von Flüchtlingen jetzt zuzulassen.» Dazu erkläre sich der Berner Gemeinderat bereit, «in einem ersten Schritt einer Gruppe von zwanzig Menschen aus Moria Zuflucht in Bern zu gewähren».

Der Gemeinderat sei überzeugt, dass die Schweiz rasch Unterstützung leisten müsse. Er habe die Bundesbehörden schon mehrmals aufgefordert, bei der Bewältigung der humanitären Not in den Flüchtlingslagern mehr Verantwortung zu übernehmen.

Er begründet sein Engagement damit, dass die Bevölkerung und die politisch Verantwortlichen vieler Städte der Überzeugung seien, dass die Schweiz mehr tun könne gegen die humanitäre Krise an den Grenzen Europas. Angesichts des aktuellen Dramas auf der Insel Lesbos ist der Gemeinderat der Ansicht, dass nicht mehr länger zugewartet werden dürfe und eine rasch Direktaufnahme von Flüchtlingen erfolgen müsse.

Hier geht es zu unserer Analyse: Die Tragödie von Moria war absehbar – und hier zu unserem Kommentar: Ein trauriges Symbol für Europas Scheitern

Die Grünen fordern derweil, «ein grosszügiges Flüchtlingskontingent aus Moria» aufzunehmen. Wie Balthasar Glättli auf Twitter schreibt, haben die Grünen dazu einen Vorstoss eingereicht.

Nordrhein-Westfalen: 1000 Flüchtlinge

Auch andere Länder und Regionen erklären derzeit ihre Bereitschaft, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. So kündigt Nordrhein-Westfalen die Aufnahme von 1000 Flüchtlingen an, wie deutsche Medien berichten.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet sagt dazu: «Wenn man sich jetzt vorstellt, dass keiner in der Nacht mehr ein Dach über dem Kopf hat, dass 12'000 Menschen, Familien, Kinder, jetzt ohne jeden Schutz leben, dann ist klar, dass Hilfe Europas jetzt nötig ist», erklärte Laschet.

Norwegen: 50 Flüchtlinge

Nach dem Drama von Moria hat auch die norwegische Regierung beschlossen, 50 Personen aus dem Lager aufzunehmen, vorzugsweise Familien mit Kindern. Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte, die Entscheidung sei gefallen, als man am Morgen die Bilder von dem Feuer gesehen habe.

Die Regierungsparteien in Norwegen hatten bereits im Mai entschieden, 50 Asylbewerber aus dem Lager auf der Insel Lesbos zu holen – vorausgesetzt acht bis zehn andere Länder tun dasselbe. Angesichts des Brandes wolle man nun nicht länger warten, sagte Solberg: «In der Situation und dem Chaos, das jetzt herrscht, müssen wir einfach in Gang kommen.»

Niederlande: Keine Aufnahme

Die Niederlande wollen keine Flüchtlinge aus dem Flüchtlingslager Moria aufnehmen. «Die Niederlande haben immer den Standpunkt vertreten, dass wir keine Menschen übernehmen», sagte die Staatssekretärin im Justizministerium, Ankie Broekers-Knol, dem TV-Sender RTL Nieuws am Mittwoch.

Den Haag hatte Griechenland zuvor humanitäre Hilfe zugesagt. «Aber Flüchtlinge zu übernehmen, wie Deutschland das tun will, da ist die Antwort: nein.»

Frankreich: «Beteiligung an Solidarität»

Mittlerweile hat auch Frankreich seine Unterstützung angeboten. Das Land sei bereit, sich an der Solidarität zu beteiligen, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch in Paris nach einer Sitzung des Ministerrats. «Frankreich hat sich nie seiner Verantwortung entzogen», so Attal. Nähere Angaben zu der möglichen Unterstützung machte er zunächst nicht.

Auf der griechischen Insel spiele sich ein «humanitäres Drama» ab, sagte Attal. Der französische Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, Clément Beaune, habe sich bereits mit seinem griechischen Amtskollegen ausgetauscht. Beaune habe sich dabei nach den Bedürfnissen der griechische Behörden erkundigt, um ein Hilfsangebot machen zu können.

EU-Kommission: Hilfe für unbegleitete Kinder

Auch die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hat angesichts des Dramas von Moria schnelle Hilfe versprochen. Sie sei in Kontakt mit dem griechischen Minister und den lokalen Behörden, schrieb die Schwedin am Mittwoch auf Twitter. Dabei habe sie zugestimmt, den unverzüglichen Transfer und die Unterbringung der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen aufs Festland zu finanzieren. «Die Sicherheit und der Schutz aller Menschen in Moria hat Priorität.»

Zudem drückte Johansson ihr Mitgefühl mit den Menschen auf der Insel Lesbos und insbesondere mit den Migranten sowie den Arbeitern in dem Flüchtlingslager Moria aus.

Am Mittwochnachmittag präzisierte Johansson, dass die 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen noch am selben Tag aufs Festland gebracht werden sollten. Zudem werde ein Schiff gebracht, auf dem besonders verletzliche Migranten – etwa Schwangere und Kinder – untergebracht werden sollten. Man sei bereit, Griechenland auch anderweitig zu helfen, warte derzeit aber auf Ansagen, welche Hilfe gebraucht werde.

Zugleich betonte Johansson, dass die griechischen Behörden für die griechischen Lager verantwortlich seien. Sie sei froh, dass es in den vergangenen Monaten gelungen sei, Tausende Menschen aus den Camps umzusiedeln. Andernfalls hätte das Ergebnis des Feuers viel schrecklicher ausfallen können.

Moria ist das grösste Flüchtlingslager Griechenlands und Europas. Es ist seit Jahren heillos überfüllt, zuletzt leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12’600 Flüchtlinge und Migranten – bei einer Kapazität von gerade mal 2800 Plätzen.

red/sda/dpa/

127 Kommentare
    magdalena dubler

    mein vorschlag: im november 2020 die konzern-verantwortungs-initiative annehmen um künftig lebensräume und menschen zu schützen und somit für die zukunft verantwortung zu übernehmen.ausserdem ein nein zu den 6 kampfjetmilliarden. mit dem eingesparten geld in integration und caritative einrichtungen im in und ausland investieren...

Mehr zum thema