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Superfund in TansaniaBergarbeiter gräbt Riesenedelsteine aus

Die armdicken Tansanit-Kristalle sind mehrere Millionen Dollar wert. Der Vater von 30 Kindern will mit dem Geld eine Party feiern. Und eine Schule bauen.

Saniniu Laizer präsentiert stolz die beiden Tansanit-Kristalle.
Saniniu Laizer präsentiert stolz die beiden Tansanit-Kristalle.
Foto: Tanzania Ministry of Minerals/Reuters

Etwa 45 US-Dollar beträgt das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen in Tansania. Diese Zahl nur zur Verdeutlichung, wie sich Saniniu Laizer nun fühlen dürfte. Der Mann hat 30 Kinder und verdient wie viele Landsleute sein Geld als Bergarbeiter und Edelsteinsucher – und entweder hatte er eine Menge Glück oder er beherrscht seinen Job wirklich sehr gut. Laizer hat die beiden grössten Tansanit-Edelsteine in der Geschichte des Landes gefunden. Die Kristalle in Unterarmgrösse wiegen zusammen mehr als 14 Kilogramm und sind 3,35 Millionen US-Dollar wert.

Das muss gefeiert werden, findet der frisch gebackene Millionär Laizer, und will erst einmal eine grosse Party schmeissen. Seinen neu gewonnenen Reichtum – die Regierung hat ihm die Kristalle bereits abgekauft – will er aber auch zum langfristigen Wohl seines Landes einsetzen. «Ich möchte ein Einkaufszentrum und eine Schule in der Nähe meiner Heimat bauen», zitiert der Guardian Laizer. «Viele arme Menschen hier in der Gegend können es sich nicht leisten, ihre Kinder in die Schule zu bringen.» Er selbst sei nie zur Schule gegangen.

Tansanit kann in dieser Reinheit nur in einem kleinen Landstrich im Nordosten Tansanias gefunden werden. Es ist eine leicht blau schimmernde Art des Minerals Zoisit. Weil Zoisit aber ähnlich klingt wie das englische Wort für Suizid, suicide, beschloss man beim Juwelier Tiffany, den Edelstein einfach nach seinem Herkunftsort zu benennen.

Aber zurück zum glücklichen Finder. Der durfte die Riesenkristalle nicht nur bereits im tansanischen Fernsehen vorführen, er hat auch schon einen Anruf von Präsident John Magufuli bekommen. Der Corona-Leugner regiert das Land zunehmend mit harter Hand und wertet den Fund als Beweis für den Reichtum Tansanias. Was Rohstoffvorkommen wie Edelsteine, Gold, Erz oder Erdgas betrifft, hat er damit gewiss recht. Nur kommt der theoretische Reichtum des Landes bei vielen seiner Bürger kaum an. Durch die Corona-Pandemie ist zuletzt auch der wichtige Tourismussektor stark eingebrochen.

Umso wichtiger ist der Bergbau für das Land. Damit die nicht bei einer der grossen Firmen beschäftigten Edelstein-und Goldsucher wie Saniniu Laizer ihre Funde leichter in Bares umwandeln können, hat die Regierung zuletzt Zentren eingerichtet, wo die Männer Gold und Kristalle an die Behörden verkaufen können. Damit soll auch der illegale Handel und Schmuggel unterbunden werden.

sz.de/mkoh/afis

11 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    30 Kinder! Lesen und schreiben kann er nicht aber dafür kann er etwas anderes offenbar sehr gut. Hat schon Fürstin Gloria in der Talkshow von Michel Friedmann 2001 gesagt.