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ErtapptBentley oder Benz?

Zwei St. Galler wollen einen jungen Küsnachter um ein Auto erleichtern. Der Plan geht gründlich schief.

Kurioses aus der Welt der Justiz.
Kurioses aus der Welt der Justiz.
Olivier Samter

Sie ist kaufmännische Angestellte und Model, er arbeitet in der Reinigungsbranche. Sie sind jung und zeigen sich in den sozialen Medien als ausgehfreudig und mit Vorliebe für prächtige Autos. Eines Tages fassen die beiden St. Galler den Plan, ein teures Auto zu klauen und dieses weiterzuverkaufen. Wem soll man dieses stehlen? Ihre Wahl fällt auf einen jungen Küsnachter, der an der HSG studiert hat. Er protzt auf Facebook mit absurd teuren Fahrzeugen.

Für die beiden stellt sich Mitte März 2019 nur noch die Frage: Bentley oder Benz? Der Brite (knapp 200’000 Franken Neuwert) macht das Rennen vor dem Geländewagen von Mercedes-Benz (ab 100’000 Franken). Wenige Tage später entwenden die Beschuldigten den Bentley vor dem Wohnhaus des Opfers in Küsnacht und fahren nach Hause. Die 25-Jährige geht eiskalt zum St. Galler Strassenverkehrsamt und löst den Wagen auf ihren Namen ein.

Am nächsten Tag bietet ihr Komplize einer seriösen Garage den Bentley für 110’000 Franken an. Er wäre besser zu einem fragwürdigeren Käufer gegangen. Die Besitzer der Garage erfahren nämlich, dass das Auto als gestohlen gemeldet wurde. Das Geschäft platzt. Der Komplize fährt den Bentley zurück an die Goldküste, wo er ihn kleinlaut der Kantonspolizei übergibt.

Welche Konsequenzen die Aktion für ihn hat, ist nicht bekannt, es läuft ein separates Verfahren. Die 25-Jährige wurde kürzlich per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 100-mal 100 Franken verurteilt. Während diese für die Ersttäterin mit einer Probezeit von zwei Jahren belegt wird, muss die junge Frau eine Busse von 2000 Franken bezahlen. Nachdem die beiden aufgeflogen waren, sass sie zudem ganze 17 Tage in Haft. Eine erstaunlich lange Zeit für eine dumme Tat.