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Knall im Stadtrat von WinterthurFDP nominiert Hofer, GLP greift an

Die FDP-Stadträtin Barbara Günthard-Maier gibt ihr Amt Ende September ab. Ihre Partei will den Sitz mit Fraktionspräsident Urs Hofer verteidigen. Auch die GLP stellt Anspruch.

Barbara Günthard-Maier tritt per Ende September 2020 zurück, sie wechselt zum Bund.
Barbara Günthard-Maier tritt per Ende September 2020 zurück, sie wechselt zum Bund.
Enzo Lopardo

Die freisinnige Stadträtin Barbara Günthard-Maier wird Ende September 2020 von ihrem Amt zurücktreten. Sie werde eine «neue berufliche Herausforderung annehmen», sagte sie an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch. Ab Oktober 2020 wird Günthard-Maier in der Kommunikation des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten das «Team Text» und im Turnus das dortige Newsdesk leiten. Der Stadtrat bedauert in einer Medienmitteilung den Entscheid.

Nur zwei Stunden nach dem Rücktritt von Günthard-Maier machte die FDP bekannt, wer den frei werdenden Sitz verteidigen soll. Die Partei nominiert dafür ihren Fraktionspräsidenten Urs Hofer, wie sie anlässlich einer Medienkonferenz im Internet bekannt gab. Hofer ist seit 2013 Mitglied des Gemeinderates Winterthur.

Als Stadtratskandidat der FDP nominiert: Urs Hofer, Gemeinderat seit 2013. Bild: Johanna Bossart
Als Stadtratskandidat der FDP nominiert: Urs Hofer, Gemeinderat seit 2013. Bild: Johanna Bossart
LAB

Anspruch auf den Sitz im Stadtrat stellen auch die Grünliberalen. «Die Zeit ist reif, dass die GLP als prägende Partei im Stadtrat vertreten ist», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Mit einer Wählerstärke von knapp 15 Prozent sei der Anspruch «mehr als ausgewiesen». Ihre Kandidatin oder ihren Kandiaten will die GLP mit einem Nominationsverfahren und einer Findungskommission bestimmen.

«Meine Aufgabe ist erfüllt»

Günthard-Maier war seit August 2012 Mitglied des Stadtrates von Winterthur. Sie leitete das Departement Sicherheit und Umwelt. Davor sass sie von 2006 bis 2012 für die FDP im Grossen Gemeinderat.

Für die Ersatzwahl visiert der Stadtrat den 23. August 2020 an. Dann soll der erste Wahlgang stattfinden, sofern nicht die Corona-Krise eine Verschiebung auf später nötig macht. Ein allfälliger zweiter Wahlgang ist für den 27. September vorgesehen.

Nach 14 Jahren als Politikerin in Winterthur sei ihre Aufgabe erfüllt, sagte Günthard-Maier vor den Medien. Als Stadträtin sei es ihr wichtig gewesen, für die Bevölkerung möglichst viel zu erreichen: für die Sicherheit, für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, Umwelt und Klima und für die Stadt als Ganzes. «Nun ist es Zeit, neuen Kräften Platz zu machen.»

Während ihrer Zeit als Stadträtin hätten sich ihr viele Herausforderungen gestellt. «Ich denke etwa an die Phase um die ‹Tanz dich frei›-Demonstration, an mehrere Sparprogramme, an die Krisenzeit von Stadtwerk oder an sich plötzlich häufende Ausfälle von Kadern der Stadtpolizei.» Aus den acht Jahren als Stadträtin und Vorsteherin des Departementes Sicherheit und Umwelt nehme sie aber auch sehr viel Positives mit.

Organisationsentwicklung und Klimaschutz

Günthard-Maier erwähnte eine ganze Reihe von Errungenschaften ihrer Amtszeit: die Position Winterthurs als «sicherste Grossstadt der Schweiz», das Volks-Ja zum neuen Polizeigebäude, die Organisationsentwicklung bei der Stadtpolizei, die Überarbeitung der Klimaziele und die Massnahmenpläne für das Energieziel «Netto null bis 2050» sowie die Lancierung des Projektes zur Anpassung an den Klimawandel. Auch die Feuerwehr, den Zivilschutz, das Zivilstandsamt und die Unternehmenskultur im Departement habe sie weiterentwickelt. Alle diese Leistungen seien nur im Team möglich gewesen, unterstrich Günthard-Maier. «Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Departement und bei Stadtwerk für ihren grossen und wertvollen Beitrag.» Ebenso danke sie dem Stadtrat und ihrer Partei.

Immer schon sei es ihr wichtig gewesen, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, ihr Amt wieder abzugeben, schloss Günthard-Maier. «Ich bin überzeugt, dass auch andere diese Aufgaben hervorragend erfüllen können.» Bis zu ihrem Rücktritt werde sie ihre Arbeit mit dem üblichen Elan und Engagement ausfüllen. Inbesondere werde es darum gehen, die Pandemielage so gut wie möglich zu bewältigen.

«Sie hat nie gezögert, heisse Eisen anzupacken»

Im Anschluss an die Aussagen von Günthard-Maier lobte FDP-Parteipräsident Dieter Kläy die Arbeit seiner Parteikollegin und ihren Einsatz. Nie habe sie gezögert, heisse Eisen anzupacken und erfolgreich zu einem Ende zu bringen. «Sie ist immer hingestanden und hat erklärt, warum etwas so sein muss, wie es ist.» Diese Klarheit und Gradlinigkeit hätten die FDP Winterthur, aber auch die Bürgerinnen und Bürger Winterthurs beeindruckt.

dh