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Kitt lässt grüssen

35 Jahre nach «Knight Rider» baut BMW mit dem 5er ein Auto, das selber fahren kann und mit sich reden lässt. Und das erst noch als Touring, der viel mehr Platz bietet als ein Pontiac Trans Am.

Wer seine Jugend in den Achtzigern zugebracht hat, der hat den Satz noch im Ohr: «Kumpel, ich brauch dich.» Oder: «I need ya Buddy», wie es im Original hiess. Steckte Michael Knight in Schwierigkeiten, was zuweilen vorkam, redete er in seine Uhr, und sein besserwisserisches Auto kam herbeigeeilt, um mit ihm gegen «das Böse» zu kämpfen – ein Böses, das in der in Farbe gedrehten und doch irgendwie schwarzweissen Serienwelt der Achtziger noch eindeutig erkennbar war.

Heute, fast vier Jahrzehnte später, ist die TV-Welt subtiler geworden, gleichzeitig haben es viele Ideen aus «Knight Rider», dieser infantilen Bubenfantasie, in die Realität geschafft: die Uhr, in die man reden kann, ebenso wie das Auto, das einem zuhört und bei Bedarf sogar entgegenfährt.

Der 5er-BMW ist so ein Auto, ein Blech gewordener Kitt sozusagen. Er springt zwar nicht über Hindernisse (nicht mehr als einmal zumindest), fährt nicht auf zwei Rädern (macht auch keinen Sinn bei Allradantrieb) und führt auch keine Diskussionen mit süffisantem Unterton (gottlob). Aber er hört zu. Und wie! Die Sprachsteuerung des neuen 5ers ist ausgereift. Ist zum Beispiel die Kartengrafik des Navis in Nordausrichtung organisiert, reicht ein «Karte in Fahrtrichtung ausrichten», und schon ändert die Darstellung. Der 5er reagiert zuverlässig auf organische Sätze, selbst dann noch, wenn einem eine Krone abbricht und man «Wo ist der nächste Zahnarzt?» murmelt. Und bei ganz versagender Stimme ist da immer noch die Gestensteuerung. Eine Spielerei freilich, aber keine spassfreie. Ein paar Pirouetten mit dem Zeigfinger in der Luft gedreht, und das Soundsystem (von Harman Kardon) dreht auf.

Das mit dem Selberfahren hat der 5er vom 7er geerbt, und noch ist diese Funktion eher bescheiden, wie an dieser Stelle schon zu lesen war. So fährt der 5er ohne Besatzung in gerade Parklücken hinein und heraus, solange man mit dem digitalen Schlüssel in der Hand dabei steht. Im Stau wiederum folgt der 5er wie viele andere Modelle mit Besatzung selbstständig dem Vordermann. Das Fantasieauto Kitt kann da freilich mehr, aber die Frage ist aufgeworfen: Wie lange noch?

Eine kindliche Freude verbreitet der 5er, den wir zwei Wochen lang in der Touring-Version fahren, nicht nur wegen der vielen möglichen «Knight Rider»-Assoziationen, sondern einfach auch, weil er ein rundum komplettes Auto ist. Die Testversion, ein 540d mit 319 PS zum Startpreis von 89‘400 und zum Endpreis von stolzen 134 ‘000 Franken, lässt wirklich keine Wünsche offen. Die Liste der verbauten Annehmlichkeiten ist so lang, dass ihre Aufzählung zur Bürde würde.

Wir beschränken uns deshalb auf die Highlights. Wie etwa das Fahrverhalten: Nur 4,9 Sekunden braucht der mit einem tadellosen Allradantrieb ausgerüstete Diesel bis Tempo 100. Im Sportmodus fühlt sich der 5er richtig agil an trotz fast fünf Metern Länge und über 2,2 Tonnen Gewicht. Das adaptive Fahrwerk hat eine weite Spreizung, von Komfort bis Sport, und hält den Kombi bei Bedarf satt auf der Strasse. Das digitale Cockpit, das hochwertige Leder, die Massagesitze und das Panoramadach schaffen einen Innenraum, in dem man sich erhaben fühlt. Dazu kommt das Gepäckraumvolumen von 570 bis 1700 Litern und ein nutzergerechtes Ladekonzept. Die Heckklappe öffnet per Fusskick elek­trisch, das Heckfenster separat und die hintere Sitzreihe fällt fernentriegelt um. Da kann Kitt nicht mithalten.

Kritikpunkte muss man im 5er lange suchen. Sicher, das Rangieren auf engen Strassen ist etwas umständlich, aber die vielen elektronischen Hilfen bewähren sich auch hier. Und der digitale Schlüssel, der wie ein Handy im Miniformat anmutet, dürfte ein Übergangsphänomen bleiben. Noch ein Gerät, das man laden muss, braucht eigentlich niemand, auch wenn das via Induktion kabellos im Auto passiert. Die Konkurrenz macht vor, dass man ein Auto auch gleich via Handy öffnen kann. Das ist aber Meckern auf höchstem Niveau.

Beim Verbrauch liegt der 540d im Test mit 8,5 Litern rund zwei Liter über der Werksangabe. 8 Liter, schätzen wir, sind bei völliger Selbstbeherrschung möglich. Über 10 werden es, wenn man den Diesel galoppieren lässt. Da ist der Pontiac Trans Am, der Kitt die Gestalt gibt, durstiger. Der Vergleich lässt letztlich nur einen Schluss zu: Hätte Michael Knight mit Bonnie Barstow ein Kind gezeugt und Devon Miles zum Grossvater erklärt, er würde den 5er bevorzugen.

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