Zum Hauptinhalt springen

Beinahe ein Perpetuum mobile

Die neue Generation des Toyota Prius Plug-in-Hybrid kommt rein elektrisch doppelt so weit wie der Vorgänger, sie fährt sich ausgewogen und komfortabel und ist selbst dann noch sparsam, wenn der Batteriestand mal tief ist. Ja, dieses Auto fährt sogar mit Lichtnahrung.

Erinnern Sie sich noch? Als 1987 die erste World Solar Challenge stattfand, waren die futuristisch anmutenden Leichtbau-Solarautos eine weltweite Sensation. Die Hoffnung, bald würden normale Alltagsautos allein durch Sonnenenergie angetrieben durch die Strassen fahren, war geweckt und beflügelte die Fantasie.

In Erfüllung ging der fromme Ökowunsch dann aber nicht. Zu schwer sind normale Autos und zu gering die Erträge kleinformatiger Solaranlagen, lautete die Erkenntnis. Sie hat sich bis heute gehalten wie auch das Rennen in Australien, wo nach wie vor jedes Jahr solarbetriebene Kabinenfahrzeuge um die Wette fahren.

Derweil allerdings hat die Solartechnik tatsächlich den Sprung in den Massenmarkt geschafft, und zwar bei Toyota. Die Japaner bieten die jüngste Version des Prius Plug-in-Hybrid in einer Version mit einem Solardach an. Das hat zwar nicht die Power, die Limousine permanent anzutreiben, bei weitem nicht. Und auch die Ladung erfolgt nicht direkt, sondern über eine zwischengeschaltete Batterie, die als Akkumulator dient. Aber der Tagesertrag reicht immerhin für bis zu 5 Kilometer. In sonnenverwöhnten Ländern fahren Prius-Eigner laut Berechnungen des Herstellers um die 1000 Kilometer jährlich mit Sonnenstrom.

Und wie weit kommt man mit der Wintersonne im Mittelland? Diese Frage müssen wir leider offenlassen. Nicht wegen der Nebeldecke, nein. Aber weil es noch eine zweite Version des Prius Plug-in-Hybrid gibt und sich der Importeur bei der Wahl des Testwagens dafür entschieden hat. Warum, das bleibt schleierhaft, auch über diesen Prius aber gibt es einiges zu erzählen.

Die neue Batterie fasst jetzt 8,8 Kilowattstunden. Das reicht für eine Normreichweite von 63 oder für zwischen 30 und 40 Kilometern Reichweite in der Praxis. Nachgeladen hat der Plug-in-Hybrid an einer Haushaltsteckdose in 3,5 Stunden, mit einer Wallbox oder an öffentlichen Stationen geht es auch schneller. Die Höchstgeschwindigkeit im E-Modus liegt jetzt bei 135 km/h, wobei sich der elektrische Temporausch nicht eben lohnt, die Batterie entlädt nur schneller.

Kombiniert ist der E-Antrieb mit einem 1,8-Liter-Vierzylinder, der im sparsamen Atkinson-Zyklus arbeitet. Die Systemleistung beträgt 122 PS. Den Sprint auf 100 schafft der Prius in 11,1 Sekunden. Allerdings wirkt er deutlich präsenter, als es diese Zahlen vermuten lassen, der E-Motor mit seinem permanent anliegenden Drehmoment wirkt wie ein Booster. Da kommt sogar etwas Fahrfreude auf. Überhaupt, der Prius ist nicht mehr die dröge Ökobüchse von einst, sondern ein ordentlich fahraktives Auto, das gut einlenkt, auch in Kurven nicht aus dem Konzept gerät und einen Abrollkomfort bietet, den man ohne Übertreibung als ausgezeichnet loben kann.

Das stufenlose Getriebe, das gelegentliche Aufheulen des Motors, wenn man mal zu viel von ihm verlangt – geschenkt. Wenn eine vollwertige, 4,65 Meter lange Limousine sich selbst mit leerer Batterie noch mit 4,5 Litern Benzin pro 100 Kilometer bewegen lässt, kann man sich mit solchen Details schlicht nicht aufhalten.

Zum Grundpreis von 46‘990 Franken ist die Testversion mit dem Beisatz Premium nicht eben günstig – und beinahe gleich teuer wie die ab 47‘600 Franken verkaufte Solardachversion. Aber Toyota bietet dafür ein All-inclusive-Progamm, unter anderem mit Head-up-Display, adaptivem LED-Matrix-Licht, einem modernen Infotainmentsystem und den gängigen Fahrhilfen, vom Notbremsassistenten bis zum Querverkehrswarner. Extra kosten nur die Metallic-Lackierung und die Ledersitze, auf die im Testwagen leider verzichtet wurde.

Optisch legt der Plug-in-Hybrid mit den zusammengekniffenen Frontleuchten noch einmal eine Schippe Eigenwilligkeit drauf. Im Interieur fällt die mittig unter der Windschutzscheibe platzierte Digitalanzeige auf. Für den Fahrer gibt es statt einen Tacho ein Head-up-Display. Das Platzangebot auf den vier Einzelsitzen ist gut, eine durchgehende Rückbank wäre aber vielseitiger. Auch beim Kofferraum muss der Prius-Fahrer Abstriche machen, das Gepäckfach fällt reichlich flach aus, auch wenn 360 Liter im Alltag meistens genügen.

Fast vergisst man beim Fahren, dass es sich beim Prius noch immer um den einzigen Plug-in-Hybrid bei Toyota handelt. Japaner waren zwar Pioniere beim kombinierten Antrieb, mit der Elektrifizierung aber haben sie sich lange schwergetan, weil sie die Brennstoffzelle favorisierten. Spätestens 2020 will Toyota nun ein eigenes Elektromobil lancieren, der Prius ist so gesehen einmal mehr die Speerspitze der Innovation bei Toyota. Ob sich auch das Solardach durchsetzt? Die Hoffnung ist einmal mehr geweckt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch