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Zu hohes Tempo und kein Zugleitsystem

Ein jahrelanger Streit um das Budget der US-Bahngesellschaft Amtrak war möglicherweise mit Schuld am schweren Zugunglück mit sieben Toten und mehr als 200 Verletzten in Philadelphia.

Ein im Nordwesten der USA verbreitetes Zugleitsystem, das Entgleisungen wegen zu hoher Geschwindigkeiten verhindern soll, war an der Unfallstelle nicht installiert. Die als "Positive Train Control" (PTC) bekannte Technik hätte das Unglück verhindern können, sagte Robert Sumwalt von der Behörde für Transportsicherheit NTSB. Die Lokomotive samt sieben Waggons war vor der Entgleisung in der Nacht zum Mittwoch mit 170 Stundenkilometern unterwegs und laut NTSB damit mehr als doppelt so schnell wie in der scharfen Kurve zulässig. Das GPS-basierte System, das auch Kollisionen verhindern soll, muss laut einem Gesetz von 2008 bis Ende 2015 für Personenverkehr-Strecken im Fern- und Regionalverkehr der USA installiert werden. Parteienstreit um Amtrak-Budget Zwischen Republikanern und Demokraten tobt seit Mitte der 90er Jahre ein Streit um das Amtrak-Budget. Während die Menschen im Süden und Westen der USA, wo Republikaner vorherrschen, weniger auf die Bahn angewiesen sind, wird das Netz im von Demokraten kontrollierten Nordosten stärker genutzt. Deren Wähler verlassen sich bei Reisen zwischen Boston, New York, Philadelphia und Washington häufig auf Amtrak. Die Demokraten wollen das Budget der halbstaatlichen Bahngesellschaft deshalb erhöhen. Der demokratische Präsident Barack Obama hatte vom Kongress ein höheres Budget von knapp eine Milliarde Dollar gefordert. Nur Stunden nach dem Unfall stimmten die Republikaner im Budgetausschuss des Abgeordnetenhauses dagegen für eine Kürzung des Amtrak-Budgets um rund 270 Millionen Dollar (238 Mio Euro). Obama: Zugunglück eine "Tragödie" Dutzende der insgesamt 243 Insassen des Zuges, darunter fünf Mitglieder des Zugpersonals, wurden am Mittwoch (Ortszeit) noch im Krankenhaus behandelt. Andere konnten die Klinik laut CNN bald wieder verlassen. Sie hatten häufig Schnitt- und Schürfwunden, Prellungen und Knochenbrüche erlitten. Augenzeugen hatten von blutüberströmten Menschen berichtet, die durch Fenster ins Freie gezogen wurden. Obama sprach von einer "Tragödie" Wochenlange Ermittlungen Rund eine Woche sollen die Ermittler der NTSB vor Ort untersuchen, warum der Zug zu schnell in die Kurve raste. Der Lokführer müsse ein traumatisches Erlebnis verarbeiten, weshalb er noch nicht befragt worden sei, sagte NTSB-Ermittler Sumwalt. Auch die Gleise, Steuerung, Bremsmechanik und Daten des Ereignisschreibers sollen geprüft werden. Der Ostküstenkorridor zwischen Washington und Boston ist die meistbefahrene Bahnstrecke Nordamerikas.

(SDA)

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