Was die Welt von Donald Trump lernen kann

Nicht nur Klimaschützer wittern derzeit überall die drohende Apokalypse. Das ist nicht mehr auszuhalten – und völlig kontraproduktiv.

Illustration: Kornel Stadler

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Manchmal fühlt es sich gerade an wie früher bei den Fussball-Junioren, wenn es nach der ersten Halbzeit 0:2 stand. In der Pause kam der Coach in die Kabine und polterte los: Was spielt ihr da für einen Blödsinn zusammen! Nichts von dem, was ich gesagt habe, setzt ihr um – so gehen wir alle unter!

Der Effekt seiner Tirade: Am Ende stand es 0:6.

Ähnlich aufmunternd und genauso erfolgreich beklagen Politikerinnen und Meinungsmacher seit Monaten den Zustand unseres Planeten und das Versagen der Menschheit. Auch am WEF in Davos dominierte diese Woche die Apokalyptik: «Die Welt ist in einem katastrophalen Zustand», sagte Gründer Klaus Schwab in seiner Eröffnungsrede. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte nichts weniger als die «Überlebensfrage». «Die Welt brennt!», warnte unsere Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Tatsächlich kommt einem die Welt derzeit eher vor wie ein grosses Panikorchester – in dem es an schrillen und schiefen Tönen nicht mangelt. Und wie bei einer Fussballmannschaft, die es leid ist, ständig gesagt zu bekommen, wie schlecht es um sie steht, wie unfähig und unbelehrbar sie alle seien, mögen viele Menschen das ewige Lamento nicht mehr hören und flüchten, gleichgültig und müde, ins Private.

Die Lust am Weltuntergang wächst

Es ist paradox: Einerseits geht es uns so gut wie nie. Wohlstand und Lebenserwartung steigen, Gleichberechtigung und Menschenrechte sind weltweit auf dem Vormarsch; gleichzeitig gehen Krieg, Terror und Armut stetig zurück. Andererseits wird momentan so viel kritisiert, gejammert und gewarnt wie kaum je zuvor. Nicht nur beim Klimawandel, auch bei anderen Herausforderungen wie der Digitalisierung oder der künstlichen Intelligenz. Ganz zu schweigen vom «grassierenden Populismus», den Flüchtlingsströmen und der «Islamisierung», dem Brexit oder dem «drohenden Dritten Weltkrieg» im Nahen Osten.

Die Lust an der Apokalypse wird immer grösser. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass sich die Gegenwartsdeuter fast darin überbieten wollen, wer die mahnendsten, vorwurfsvollsten und furchteinflössendsten Worte finden kann. Sie stehen damit zwar als ­engagiert da und dürfen sich bedeutend fühlen, aber die Wirkung der Reden bleibt gering – ausser dass die Polarisierung der Gesellschaft weiter zunimmt, der Hass in den sozialen Medien stetig wächst und so mancher die Debatten lieber lässt.

Es braucht mehr ansteckenden Positivismus und mehr kluge Zuversicht.

Zweifellos wäre die spektakuläre Erfolgsgeschichte der Menschheit unmöglich gewesen, ohne dass Missstände und Fehlentwicklungen regelmässig kritisiert und angeprangert worden wären. Aber um die Menschen zu überzeugen, zu ­motivieren und ins eigene Boot zu holen – wie es gerade beim Klimawandel besonders wichtig wäre –, braucht es mehr, als momentan auf allen Kanälen so niederschmetternd oft zu hören ist.

Der einzige Politiker, der Optimismus versprühen und Menschen bewegen kann, scheint derzeit Donald Trump zu sein. Seine Rede am WEF wirkte nach all dem Wehklagen seiner Vorredner geradezu erfrischend. Endlich einer, der an die Zukunft glaubt. Endlich einer, der voller Selbstbewusstsein und Entschlossenheit nach vorne blickt. In diesem Punkt könnten seine Gegner von Trump einiges lernen.

Es braucht mehr ansteckenden Positivismus und mehr kluge Zuversicht. Es braucht Menschen, die mitreissen, die Chancen sehen und Hoffnung schöpfen. Wer immer auf die Idee gekommen war, dass Pessimismus und Angstmacherei die Welt zu einem besseren Ort machen, hatte sowohl in Geschichte als auch Pädagogik einen Fensterplatz.



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Erstellt: 25.01.2020, 22:49 Uhr

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