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US-Polizei feuerte Warnschuss bei Gülens Haus ab

Am US-Wohnsitz des Erdogan-Gegners hat es laut US-Medien einen Polizeieinsatz gegeben. Verletzt wurde niemand, die Hintergründe sind unklar.

Polizeieinsatz in Saylorsburg, Pennsylvania: Ein Mann versuchte offenbar ins Haus von Gethullah Gülen einzudringen. (3. Oktober 2018)

Am US-Wohnsitz des islamischen Predigers Fethullah Gülen hat es am Mittwoch laut US-Medien einen Polizeieinsatz gegeben. Bilder auf Twitter von Lokalreportern zeigten Polizeiautos, die vor dem Anwesen Gülens in Saylorsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania standen.

Wie der Gülen nahestehende Verband Alliance for Shared Values ASV berichtete, soll ein Wachmann am Morgen einen Warnschuss in die Luft abgegeben und einen wahrscheinlich bewaffneten Einbrecher damit aus dem Anwesen vertrieben haben. Nach dem Mann werde gesucht. Verletzte gebe es keine. Offizielle Polizeiangaben zum Hintergrund des Einsatzes gab es zunächst nicht. Jedoch zitierte ein Sender einen Polizeibeamten, es gebe Ermittlungen wegen eines «Zwischenfalls».

Nachbarn des Grundstücks seien nach eigenen Worten von der Polizei dazu aufgefordert worden, in ihren Häusern zu bleiben, twitterte eine Journalistin des Senders BRC News13.

Ohne die türkische Regierung direkt zu beschuldigen, vermutet der ASV einen Zusammenhang mit dem jüngst angekündigten Vorhaben Ankaras, weiterhin gegen Staatskritiker vorzugehen.

Ibrahim Kalin, der Sprecher des türkischen Präsidialamts, gab letzte Woche bei einer Pressekonferenz bekannt, dass auch in Zukunft weitere geflüchtete Gülen-Anhänger anhand von Operationen («foreign operations») in die Türkei geholt werden: «Egal, ob es in den USA ist oder in irgendeinem anderen Land, in denen die FETÖ sich eingenistet hat: Die Operationen unserer zuständigen Abteilungen werden pausenlos fortgesetzt werden», so Kalin.

Bruder von Gülen zu langer Haftstrafe verurteilt

Die türkische Regierung macht die Bewegung von Fethullah Gülen für den gescheiterten Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Seitdem wurden mehr als 77'000 mutmassliche Gülen-Anhänger festgenommen, darunter neben Soldaten auch Lehrer und Richter. 140'000 weitere wurden aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert. Der seit dem Putschversuch geltende Ausnahmezustand wurde erst im Juli aufgehoben.

Auch der Bruder von Fethullah Gülen ist zu langjähriger Haft verurteilt worden. Das Gericht verurteilte Kutbettin Gülen zu zehn Jahren und sechs Monaten Gefängnis, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Das Urteil erfolgte am Montag in Izmir. Kutbettin Gülen war wegen der «Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrorgruppe» angeklagt worden. Er war im Oktober 2016 festgenommen worden und befindet sich in einem Gefängnis in der Provinz Denizli im Westen der Türkei.

Nach früheren türkischen Medienberichten hat Fethullah Gülen noch drei lebende Brüder sowie zwei Schwestern. Ihre derzeitigen Aufenthaltsorte sind unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass Kutbettin Gülen der einzige von ihnen ist, der während der auf den Putschversuch folgenden Verhaftungswellen festgenommen wurde. Mindestens zwei Neffen Gülens wurden jedoch inhaftiert.

sda/afp/nag

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