Zum Hauptinhalt springen

Terroranschläge in Frankreich und Tunesien fordern viele Opfer

Nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf eine Gasfabrik in der Nähe der französischen Stadt Lyon richteten in Tunesien Angreifer ein Blutbad unter Touristen an.

Beamte arbeiten nach dem Anschlag auf die Fabrik in Saint-Quentin-Fallavier am Tatort.
Beamte arbeiten nach dem Anschlag auf die Fabrik in Saint-Quentin-Fallavier am Tatort.
Keystone
1 / 1

Bei mutmasslich islamistisch motivierten Anschlägen hat es heute in Frankreich und Tunesien Todesopfer gegeben.

Die erste Attacke ereignete sich am Freitagmorgen im Südosten Frankreichs. Dabei sind nach offiziellen Angaben ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden. Ein Mann rammte am Freitag ein Fahrzeug in eine US-Gasfabrik in Saint-Quentin-Fallavier und löste dort eine Explosion aus. Der abgetrennte Kopf seines Arbeitgebers sei am Fabrikeingang hängend zurückgelassen worden, ebenso wie Banner mit arabischen Inschriften, erklärten Beamte. DerHauptverdächtige und drei weitere Personen wurde festgenommen.

Frankreich leitete umgehend Terrorermittlungen ein. «Islamistischer Terrorismus hat erneut Frankreich heimgesucht», sagte Premierminister Manuel Valls. Der Pariser Staatsanwalt François Molins teilte mit, vier Personen befänden sich in Gewahrsam - neben dem Angreifer dessen Frau, Schwester und eine weitere verdächtige Person. Ermittler versuchten herauszufinden, ob es Komplizen gegeben habe.

Der Angriff in der Fabrik ereignete sich kurz vor zehn Uhr morgens, als das Fahrzeug es durch das Tor der Anlage in dem Ort südöstlich von Lyon schaffte. Es fuhr dann in Gaskanister, wodurch die Explosion ausgelöst wurde, wie Präsident François Hollande sagte. Es gebe «keinen Zweifel über die Absicht - eine Explosion zu verursachen», erklärte Hollande. Der Staatschef ordnete in Folge desAnschlags die höchste Sicherheitsalarmstufe für die südöstliche Region an.

Getöteter war der Arbeitgeber

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Der abgetrennte menschliche Kopf am Eingang zur Fabrik schien aber die Praxis der Terrormiliz Islamischer Staat zu imitieren, ihre Gefangenen zu köpfen und ihre Häupter dann für jedermann sichtbar zu zeigen. Bei dem Toten bei der Attacke in Frankreich handele es sich um den Chef einer örtlichen Transportfirma, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Der getötete Mann war der Arbeitgeber des Hauptverdächtigen. Er sei vermutlich vor dem Angriff auf die Fabrik getötet worden, hiess es. Der mutmassliche Täter wohnt in dem Lyoner Vorort Saint-Priest, wie ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AP sagte.

Der Hauptverdächtige sei von einem aufmerksamen Feuerwehrmann gefasst worden, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. Er sei den Geheimdiensten bekannt gewesen, die ihn von 2006 bis 2008 beobachtet hätten. Demnach wurde der Mann der Verbindungen zu radikalen Salafisten verdächtigt.

Molins sagte, der Angreifer habe regelmässig Lieferungen in die Fabrik gebracht. Er sei in einem Lieferwagen auf das Fabrikgelände gefahren und dann gegen eine Halle gekracht, wodurch es zur Explosion gekommen sei. In derNähe des zertrümmerten Wagens seien ein Messer und ein enthaupteter Leichnam gefunden worden.

Anlage in amerikanischem Besitz

Die Industrieanlage gehört dem amerikanischen Chemieunternehmen Air Products mit Sitz im US-Staat Pennsylvania. Die Firma teilte mit, ihre Mitarbeiter seien vom Gelände in Sicherheit gebracht worden.

Frankreich war nach einer Serie von Terroranschlägen im Januar in der Region Paris in höchster Alarmbereitschaft. Bei den Angriffen auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo», einen koscheren Supermarkt und eine Polizistin kamen insgesamt 20 Menschen ums Leben, darunter drei islamische Angreifer.

Terrorexperte Albert A. Stahel geht davon aus, dass der neue Terroranschlag in Grenoble die Handschrift des IS trägt. Er meint es gibt Parallelen zum Attentat von Charlie Hebdo.

37 Tote in Tunesien

Ebenfalls am Freitag hat ein Bewaffneter in einer Hotelanlage an der tunesischen Küste mindestens 37 Menschen getötet. 36 weitere seien bei dem schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte Tunesiens verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AP. Zwei seien in kritischem Zustand. Der Täter wurde in einem Feuergefecht mit der Polizei erschossen. Die Opfer waren Tunesier, Briten, Deutsche und Belgier, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Unmittelbar zuvor war es auch in Frankreich und Kuwait zu blutigen Attacken gekommen. In der Hauptstadt des Golfstaates sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in die Luft und riss 25 Menschen mit in den Tod. In Frankreich rammte ein Mann mit Verbindungen zu Extremisten ein Auto in eine Gasfabrik. Am Tor zum Gelände wurde ein abgetrennter Kopf gefunden.

Ob die Taten zusammenhingen, war unklar. Es sei noch zu früh, um das zu beurteilen, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Erst vor wenigen Tagen hatte aber die Terrormiliz Islamischer Staat zu blutigen Anschlägen während des Fastenmonats Ramadan aufgerufen. Ein Ableger der Gruppe bekannte sich zu dem Anschlag in Kuwait-Stadt.

Täter wird getötet

In Tunesien ereignete sich die Attacke nur etwas mehr als drei Monate nach dem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis mit 22 Toten - die meisten ausländische Touristen. Auch bei dem Angriff in Sousse, rund 150 Kilometer von Tunis, waren vor allem Ausländer unter den Opfern. Denn während des Ramadan halten sich üblicherweise nur wenige Tunesier an Stränden auf. Das Gesundheitsministerium nannte aber keine genauen Zahlen, woher die einzelnen Opfer kamen. Der britische Aussenminister Philip Hammond berichtete von mindestens fünf toten Briten.

Der Angreifer sei an den Strand gekommen, habe eine Kalaschnikow aus einem mitgebrachten Sonnenschirm gezogen und das Feuer eröffnet, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Rafik Chelli, der Nachrichtenagentur AP. Der Täter habe erst am Strand auf Touristen gefeuert und sei dann weiter zum Pool und ins Innere des Hotels Imperial Marhaba gegangen und habe auf jeden geschossen, der ihm begegnet sei, sagte Chelli. Anschliessend kam er in einem Schusswechsel mit der Polizei selbst ums Leben. Chelli betonte, dass es keinen zweiten Angreifer gegeben habe, wie anfangs berichtet worden war.

Der Täter habe aber sicherlich Kontakt zu anderen Extremisten gehabt, sagte Chelli weiter. Bei ihm handele es sich um einen jungen Studenten, der den Behörden zuvor nicht bekannt gewesen sei.

Schlag gegen den Tourismus

Der britische Tourist Gary Pine sagte der AP, er sei am Strand gewesen, als er laute Knallgeräusche wie von Feuerwerkskörpern gehört habe. Sein Sohn habe gesehen, dass am Strand jemand erschossen worden sei. Im Hotel sei alles «schiere Panik» gewesen, sagte er. Die Irin Elizabeth O'Brien war mit ihren beiden Söhnen am Strand, als sie die Schüsse hörte. «Ich bin einfach nur ans Wasser zu meinen Kindern gerannt und habe unsere Sachen geschnappt», sagte sie. Dann habe sie sich im Hotel versteckt.

Tourismus ist für die tunesische Wirtschaft ein sehr wichtiger Faktor, besonders für Küstenorte wie Sousse. Das Land war auf dem Weg zurück zu Stabilität und erholte sich langsam - bis zu dem Terrorangriff auf das Bardo-Museum. Dieser hatte auch Auswirkungen auf das Tourismusgeschäft: In den ersten fünf Monaten lagen die Einnahmen um 15 Prozent unter denen des Vergleichszeitraums 2014.

SDA/mst

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch