Globale Militärausgaben sind erneut gestiegen

Der Konflikt zwischen China und den USA spiegelt sich im jüngsten Rüstungsbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri wider.

Die chinesischen Militärausgaben stiegen zum 24. Mal in Folge: eine chinesische Frauentruppe marschiert vor dem Plakat ihres Präsidenten Xi Jinping. (Archiv)

Die chinesischen Militärausgaben stiegen zum 24. Mal in Folge: eine chinesische Frauentruppe marschiert vor dem Plakat ihres Präsidenten Xi Jinping. (Archiv) Bild: Ng Han Guan/Keystone

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Die Länder der Erde haben 2018 erneut mehr Geld ins Militär gesteckt als im Jahr zuvor. Die weltweiten Militärausgaben stiegen im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf schätzungsweise rund 1,82 Billionen Dollar und damit zum zweiten Mal in Folge, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht mitteilte.

Das bedeutet einen neuen Höchststand seit 1988, als Sipri erstmals einheitliche globale Vergleichsdaten zur Verfügung hatte. Besonders die USA und China investierten 2018 deutlich mehr ins Militär, wie der Sipri-Forscher Nan Tian erklärte.

Während Russland nach einem weiteren Rückgang erstmals seit zwölf Jahren aus den Top Fünf herausrutschte, überholte Deutschland mit einem Anstieg um 1,8 Prozent auf 49,5 Milliarden Dollar Japan und liegt damit nun an weltweit achter Stelle. Die Schweiz liegt wie im Vorjahr auf Rang 38. Sie gab laut Bericht 4,8 Milliarden Dollar für Rüstung aus.

Mehr als ein Drittel der weltweiten Ausgaben

Unangefochtener Spitzenreiter bleiben die USA. Unter der Ägide von US-Präsident Donald Trump gaben die Vereinigten Staaten 2018 knapp 649 Milliarden Dollar für ihre Verteidigung aus – das entspricht mehr als einem Drittel (36 Prozent) der weltweiten Militärausgaben und damit beinahe der Investitionen der acht darauffolgenden Länder zusammen.

Ein Hauptgrund für den Anstieg um 4,6 Prozent sei, dass von der Trump-Regierung beschlossene Waffenbeschaffungsprogramme umgesetzt worden seien, erklärte Sipri-Expertin Aude Fleurant.

Die chinesischen Militärausgaben stiegen derweil um 5,0 Prozent und damit zum 24. Mal in Folge. Die zehn vordersten Plätze komplettieren Saudiarabien, Indien, die drei Uno-Vetomächte Frankreich, Russland und Grossbritannien sowie Deutschland, Japan und Südkorea.

Die Militärausgaben Asiens und Ozeaniens sind nach Sipri-Angaben seit 1988 jährlich gestiegen. Mittlerweile machen sie 28 Prozent der weltweiten Investitionen ins Militär aus – nach nur 9 Prozent vor 30 Jahren.

Als Grund für den kontinuierlichen Anstieg sieht Sipri nicht nur die Spannungen zwischen asiatischen Staaten, sondern auch den Konflikt zwischen China und den USA. In Afrika sanken die Ausgaben fürs Militär 2018 dagegen deutlich, im Nahen Osten zumindest leicht.

Russland und Saudiarabien sparen

Die russischen Militärausgaben gehen ebenfalls zurück. Das liegt unter anderem an Wirtschaftsproblemen. Trotzdem werde Russland in der Region weiter stark als Bedrohung wahrgenommen, sagte Sigri-Fachmann Pieter Wezeman. Das Resultat: deutlich höhere Verteidigungsausgaben in Polen, der Ukraine, Bulgarien, Lettland, Litauen und Rumänien.

In absoluten Zahlen am stärksten zurück gingen die Militärausgaben in Saudiarabien, das 2018 rund 4,6 Milliarden Dollar weniger in sein Militär steckte als 2017.

Die US-Militärausgaben betrugen Sipri zufolge 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im Durchschnitt werden 2,1 Prozent vom globalen BIP in Rüstungsgüter investiert. Das entspricht – so die Forscher – 239 Dollar pro Person. Die Militärausgaben der Schweiz machen 0,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus.

Ausgaben kontinuierlich gestiegen

Von 1999 bis 2011 sind die weltweiten Militärausgaben kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2012 und 2016 blieben sie einigermassen konstant, ehe die Zahlen 2017 wieder leicht zunahmen. Im Falle der USA sanken sie seit 2010 sogar jahrelang. Diesen Abwärtstrend erklärten die Sipri-Forscher aber bereits in ihrem Vorjahresbericht für beendet.

Sipri wertete Daten von 155 Ländern aus. Das Institut stützt sich in dem jährlichen Bericht nicht nur auf offizielle Regierungsangaben zum Verteidigungsbudget, sondern berücksichtigt auch weitere Quellen wie Statistiken von Zentralbanken und der Nato sowie Regierungsantworten auf Umfragen etwa der Vereinten Nationen. (nag/sda)

Erstellt: 29.04.2019, 00:31 Uhr

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