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«Sie können Muellers Dateien lesen. Viel Spass»

Dokumente aus den Russland-Ermittlungen von US-Sonderermittler Robert Mueller sind im Internet gelandet.

1000 Dateien aus Robert Muellers Russland-Ermittlungen wurden auf eine Filesharing-Website hochgeladen.
1000 Dateien aus Robert Muellers Russland-Ermittlungen wurden auf eine Filesharing-Website hochgeladen.
AP Photo/J. Scott Applewhite, Keystone

Materialien, die US-Sonderermittler Robert Mueller im Zuge der Russland-Ermittlungen gesammelt hat, sollen im Internet verbreitet worden sein. Das gab sein Büro am Mittwoch bekannt. Damit soll versucht worden sein, Muellers Untersuchung zur Beeinflussung der Präsidentschaftswahlen 2016 durch Russland zu diskreditieren.

Über 1000 Dateien wurden laut einem Gerichtsdokument auf eine Filesharing-Website hochgeladen und über einen Twitter-Account verbreitet. «Wir haben Zugriff auf die Datenbank von Sonderermittler Robert Mueller», hiess es in einem Tweet. Und weiter, man habe einen russischen Server mit Informationen über russische Trolle gehackt. «Sie können alle Dateien sehen, die Mueller über die IRA und die russische Einflussnahme hat. Viel Spass beim Lesen.» Die IRA ist die berühmt-berüchtigte Troll-Fabrik im Dienste des Kremls. Die Agentur wird unter anderem beschuldigt, sich 2016 in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt zu haben. Die Dateien enthielten Bilder von politschen Memes, die von Social-Media-Accounts der IRA stammten.

Der Tweet war im Oktober 2018 auf dem Account @HackingRedstone veröffentlicht worden, wie die Ermittler bekannt gaben. Am gleichen Tag sei das Material einem Reporter direkt angeboten worden. Der Account wurde mittlerweile entfernt.

FBI schliesst aus, dass US-Server gehackt wurden

US-Ermittler hatten die Dateien der US-Anwaltsfirma Reed Smith zur Verfügung gestellt. Diese vertritt das russische Unternehmen Concord Management und Consulting, das Aktionen der IRA finanziert haben soll. Die auf der Filesharing-Website aufgetauchten Dateien sollen mit dem Material übereinstimmen, das Reed Smith erhalten hatte.

Die USA ermitteln gegen Concord und dessen Chef Yevgeny Prigozhin seit Februar 2018. Die Firma steht im Verdacht zusammen mit der IRA eine Social-Media-Kampagne geplant zu haben, die US-Wähler dazu bringen sollte, Donald Trump zu wählen, berichtet die «Washington Post». Prigozhin ist wegen seiner Catering-Firma und der engen Verbindung zum russischen Präsidenten auch als «Putins Koch» bekannt.

Gemäss einer ersten Einschätzung aus Muellers Umfeld sollen die Dateien über Concord ins Internet gelangt sein – und zwar vorsätzlich, so der Verdacht. Man habe den Anschein erwecken wollen, die Datei enthalte alle Beweise, die die US-Strafverfolgungsbehörden gegen die IRA in der Hand hätten. So sei versucht worden, die laufenden Ermittlungen über die russische Einmischung in die US-Politik zu diskreditieren. «Bestimmte Materialien im Besitz der Verteidiger scheinen im Rahmen einer Desinformationskampagne verändert und verbreitet worden zu sein», heisst es im Gerichtsdokument weiter.

Das FBI schliesst aus, dass US-Server gehackt wurden. Die Materialien wurden von einem Konto mit einer in Russland registrierten IP-Adresse hochgeladen.

Einsicht in belastendes Material

Da die Anwälte des Concord-Besitzers Prigozhin nun Einsicht in weitere Beweise verlangt haben, machte Muellers Team das Datenleck öffentlich. Dieses spreche dagegen, sensible Beweise nach Russland weiterzugeben, so Mueller. Das gefährde die nationalen Sicherheitsinteressen der USA.

Mueller will verhindern, dass von den insgesamt 3,2 Millionen sensiblen Dokumenten weiteres Material über die Kanzlei an Concord gelangt. Nach Ansicht des US-Geheimdienstes liess Concord sich nur auf das Strafverfahren ein, um Einsicht in belastendes Material zu erhalten. Die Kanzlei Reed Smith wurde vom Gericht bereits zurechtgewiesen, weil sie Muellers Untersuchung schlecht machte.

Die Russland-Ermittlungen von Mueller stehen nach Angaben von US-Justizminister Matthew Whitaker kurz vor dem Abschluss. Mueller untersucht eine mögliche Verwicklung des Wahlkampfteams von Donald Trump in die Wahlbeeinflussung. Sechs frühere Mitarbeiter Trumps wurden bereits angeklagt oder verurteilt. Zuletzt geriet Trump-Berater Roger Stone ins Visier der Ermittlungen.

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