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Samuel Koch auf der Wiesn aus Rollstuhl geschubst

Der bei der Sendung «Wetten dass...?» schwer verunglückte Samuel Koch hat mit seiner Frau das Oktoberfest besucht. Dort erlebte er nicht nur Erfreuliches.

Am Oktoberfest aus dem Rollstuhl geschubst: Samuel Koch, hier als Gastredner in Niedersachsen. (Archivbild)
Am Oktoberfest aus dem Rollstuhl geschubst: Samuel Koch, hier als Gastredner in Niedersachsen. (Archivbild)
Keystone
Es gab aber auch gute Momente auf den Wiesn, wie dieses Instagram-Bild zeigt.
Es gab aber auch gute Momente auf den Wiesn, wie dieses Instagram-Bild zeigt.
Screenshot: Instagram
Hier ist Samuel Koch einquartiert: Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil.
Hier ist Samuel Koch einquartiert: Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil.
Keystone
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Samuel Koch besuchte vor einigen Tagen mit seiner Frau Sarah Elena das Münchner Oktoberfest. Die beiden waren beim alljährlichen Almauftrieb in der Käfer-Wiesn-Schänke eingeladen.

Der seit 2010 im Rollstuhl sitzende 30-Jährige kam auf dem Festivalgelände allerdings nur langsam voran, wie die «Bunte» schreibt. Eineinhalb Stunden hätte das Paar bis zur Schänke gebraucht, weil sie ständig angehalten und fotografiert worden seien. Man habe ihn umarmt und gedrückt und einmal sogar aus dem Rollstuhl geschubst, erzählt Koch dem Onlineportal. Es ist offenbar nicht klar, ob es sich dabei um Absicht gehandelt hat.

Bilder auf Instagram zeigen jedoch, dass das Paar den Wiesn-Besuch durchaus auch genossen hat.

Am 4. Dezember 2010 hat Samuel Koch versucht, ein fahrendes Auto auf Sprungfedern zu überspringen – live in der ZDF-Show «Wetten, dass..?». Ein tragischer Sturz führte dazu, dass er seither im Rollstuhl sitzt. Am 28. September feiert der Schauspieler seinen 30. Geburtstag – und er hegt die stille Hoffnung, wieder gesund zu werden.

Fast sieben Jahre nach dem Sturz hat Samuel Koch mit dem Unfall ein bisschen Frieden gemacht. «Ich glaube zwar erst mal nicht, dass die Zeit alle Wunden heilen kann», sagt er. «Aber ein Stück weit ist da schon etwas dran. Ich kann heute etwas gelassener und ruhiger auf damals zurückschauen.»

Alles habe er aber noch nicht verarbeitet oder gar überwunden. «Nach wie vor ärgert es mich natürlich manchmal, dass ich bei der Wett-Aktion zugesagt habe. Ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich sagen kann, der Unfall hat diesen oder jenen Sinn.»

Koch denkt an Heilung

Ohne Hilfe kommt Koch praktisch nicht aus, ob Zuhause oder unterwegs. «Wenn ich im Bett liege und schlafe, dann schon», sagt er mit einem Lachen. «Wenn ich auf der Bühne bin und in den Automatismen eingebaut bin, dann auch. Aber vor und nach solchen Phasen brauche ich schon Hilfe.»

Doch Samuel Koch denkt an Heilung. Ein «heimliches, stilles, unterbewusstes Hoffen» nennt er es, «sei es auf die Forschung, die rasend voranschreitet oder auf irgendwas, was ausserhalb der Schulmedizin liegt, was nicht erklärbar ist.»

Als Schauspieler gefragt

Seine Schauspiel-Ausbildung schloss Samuel Koch in Hannover ab, seit September 2014 gehört er zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt. '«Faust» von Goethe, der «Prinz von Homburg», Roller in Schillers «Räubern?, Sam in »Der Ruf der Wildnis? – Samuel Koch spielt in jeder Spielzeit tolle Rollen', teilten Intendant Karsten Wiegand und Schauspieldirektor Oliver Brunner mit. «Er schafft es auf der Bühne, dass seine Figuren zugleich eine ungeheure Klugheit und ein dunkles Geheimnis haben. Das macht Theater spannend und aufregend.»

Der Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA/Hamburg), Jörg Löwer meinte: «Diversität in Bezug auf Menschen mit Behinderung, Geschlecht, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sollte eine Selbstverständlichkeit werden. Das Ziel kann nur sein, dass Samuel Kochs Arbeit als Schauspieler relevant ist und nicht seine Arbeit als Schauspieler im Rollstuhl.»

Dass sein Körper auf der Bühne nicht mitspielt, versucht Koch zu kompensieren, wie er erzählt. «Natürlich. Manchmal habe ich es da leichter als die anderen Schauspieler. Weil ich nicht ablenke, wild gestikuliere. Ich habe den Fokus, was der Gedanke eigentlich will. Da bin ich nach wie vor im positiven Sinne reduziert.» Er konzentriere sich auf «die Stimme, die gedankliche Klarheit.»

Projekt für andere Betroffene

Die Schauspielerei sei für ihn ein wesentlicher Lebensinhalt, sagt Samuel Koch. «Zwischendurch hatte ich gesagt, es gibt wohl kaum etwas Naiveres oder Dümmeres, als in meinem Zustand das Schauspielstudium fortzuführen. Mittlerweile muss ich sagen: Das war das Beste, was ich machen konnte. Wo sonst kann man in einem Beruf arbeiten nur mit Hilfe von seinen Gedanken, seiner Fantasie und seiner Stimme. »

Als ein grösseres Projekt hat Koch, der seit August 2016 mit Schauspielkollegin Sarah Elena Timpe verheiratet ist, einen gemeinnützigen Verein geplant. «Dabei geht es um die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen, die Ähnliches erlitten», beschreibt er das Vorhaben auf seiner Internet-Seite.

Das Ganze gehe peu à peu voran. «Mit einem anderem Tempo, als wenn andere Leute hauptberuflich daran arbeiten würden. Wir wollen das auf ein gutes Fundament gebaut wissen. Da lassen wir uns lieber mehr Zeit, als es zu schnell zu machen.»

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