Abschuss-«Irrtum» – Iran bringt neue These ins Spiel

Haben die USA über der Strasse von Hormuz gar eine eigene Drohne abgeschossen?

Im Einsatz: Das US-Kriegsschiff USS Boxer hält sich in der Krisenregion auf. Foto: Ahmed Jadallah (Reuters)

Im Einsatz: Das US-Kriegsschiff USS Boxer hält sich in der Krisenregion auf. Foto: Ahmed Jadallah (Reuters)

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Die USA könnten nach Angaben von Irans Vize-Aussenminister Abbas Araghschi «irrtümlich» eine eigene Drohne über der Strasse von Hormuz abgeschossen haben. Der Iran habe keine Drohne verloren, begründete Araghschi seine Einschätzung am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. US-Präsident Donald Trump hatte dagegen gesagt, die «USS Boxer» habe am Donnerstag eine iranische Drohne abgeschossen, die dem US-Kriegsschiff «sehr, sehr nahe» gekommen sei.

Die Golfregion kommt nicht zur Ruhe: Die Mannschaft eines US-Marineschiffs hat nach Angaben von Präsident Donald Trump in der Strasse von Hormuz eine iranische Drohne abgeschossen. Die USS Boxer habe eine «verteidigende Massnahme gegen eine iranische Drohne ergriffen», die dem Kriegsschiff «sehr, sehr nahe» gekommen sei, erklärte Trump am Donnerstag in Washington. Die Drohne sei sofort zerstört worden.

Der iranische Aussenminister Jawad Sarif sagte vor einem Treffen mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in New York, er habe «keine Information über den Verlust einer Drohne am heutigen Tag». Weitere Angaben machte er nicht.

Dem US-Präsidenten zufolge war die Drohne nur etwa 1000 Yard (914 Meter) von dem US-Schiff entfernt und habe die Sicherheit des Schiffes und seiner Crew bedroht. Mehrere Aufrufe, sich zurückzuziehen, seien ignoriert worden. Laut einem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums ereignete sich der Vorfall am Donnerstagvormittag (Ortszeit), als die USS Boxer dabei war, in die Strasse von Hormuz einzufahren. Das Ministerium wollte sich nicht dazu äussern, wie die Drohne zerstört worden sei. Das US-Militär wollte auch keine Angaben dazu machen, ob es sich um eine bewaffnete Drohne gehandelt habe.

Trump appellierte an «andere Länder, ihre Schiffe bei der Durchfahrt der Meerenge zu beschützen und künftig mit uns zusammenzuarbeiten». Es sei die jüngste von vielen provozierenden und feindlichen Aktionen des Irans gegen Schiffe, die in internationalen Gewässern operierten, erklärte der Republikaner. Die USA behielten sich das Recht vor, ihre Interessen, Einrichtungen und Mitarbeiter zu verteidigen. Er forderte andere Länder auf, Irans Vorgehen zu verurteilen.

Die Lage in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist extrem angespannt. In den vergangenen Wochen war es zu mehreren Zwischenfällen mit Tankern rund um die Strasse von Hormuz gekommen. Im Juni waren zwei Tanker waren bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden.

Mehrere Scharmützel

Die «Front Altair» einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der «Kokuka Courageous» berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar. Die Amerikaner machten den Iran für die Attacken verantwortlich. Teheran wies die Anschuldigungen zurück.

Kurz nach dem Zwischenfall hatte das US-Militär mitgeteilt, eine iranische Rakete habe versucht, eine US-Drohne im betroffenen Seegebiet im Golf von Oman abzuschiessen. Ziel der Aktion sei offensichtlich gewesen, eine Beobachtung der Tanker-Attacke zu verhindern. Der Abschussversuch sei aber erfolglos gewesen, die Rakete habe die Drohne um etwa einen Kilometer verfehlt. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Die Strasse von Hormuz im Persischen Golf spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen den beiden Ländern. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im September vergangenen Jahres drohte der iranische Präsident Hassan Rohani sogar mit einer Blockade.

Sanktionen gegen internationale Firmen?

Das US-Finanzministerium kündigte unterdessen Sanktionen gegen eine Reihe internationaler Unternehmen wegen ihrer Verbindung zum iranischen Atomprogramm an. Unternehmen aus dem Iran, Belgien und China seien auf die schwarze Liste gesetzt worden, hiess es. Sie würden als Beschaffungsnetzwerk für das iranische Unternehmen Tesa dienen, das die Anreicherungszentrifugen für die iranische Atomorganisation AEOI liefere.

Bei den chinesischen und belgischen Unternehmen handele es sich um Tarnfirmen, «um wichtige nukleare Materialien zu bekommen», erklärte Finanzminister Steven Mnuchin.

Verhandlungsbereitschaft

Inmitten der verschärften Spannungen zwischen den USA und dem Iran gibt es auch Anzeichen für Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten. Der britische «Guardian» berichtete am Donnerstag, der iranische Aussenminister Mohammed Jawad Sarif habe in Aussicht gestellt, striktere Kontrollen des iranischen Atomprogramms zuzulassen. Im Gegenzug wolle der Iran eine Aufhebung von US-Sanktionen.

US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten, der Druck auf Teheran habe Wirkung gezeigt und die Verhandlungsbereitschaft der iranischen Führung wachsen lassen. «Alles, was wir wollen, ist ein fairer Deal.» Das mit dem Iran ausgehandelte internationale Atomabkommen sei ein «schlechter Deal» gewesen. «Wir können schnell etwas machen, oder wir können uns Zeit lassen», sagte Trump. «Ich habe keine Eile.» (fal/afp/sda)

Erstellt: 18.07.2019, 23:56 Uhr

Update folgt...

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