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Lawrow: Russische Spione waren «Spezialisten auf Routine-Reise»

Zur Festnahme der vier Russen kam es wegen eines Missverständnisses, erklärt der russische Aussenminister.

Wurden auf dem Flughafen Schiphol von einem Mitarbeiter der russischen Botschaft empfangen: Vier Agenten des russischen Geheimdiensts GRU.
Wurden auf dem Flughafen Schiphol von einem Mitarbeiter der russischen Botschaft empfangen: Vier Agenten des russischen Geheimdiensts GRU.
Niederländisches Verteidigungsministerium
Die Niederlande machen Russland für einen vereitelten Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag verantwortlich.
Die Niederlande machen Russland für einen vereitelten Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag verantwortlich.
Evert-Jan Daniels, Keystone
Kurz vor einem Einsatz in Lausanne begab sich Evgenii Serebriakov zu den Olympischen Spielen 2016 nach Rio, wo er sich mit einer russischen Sportlerin ablichten liess.
Kurz vor einem Einsatz in Lausanne begab sich Evgenii Serebriakov zu den Olympischen Spielen 2016 nach Rio, wo er sich mit einer russischen Sportlerin ablichten liess.
Dutch Ministry of Defence
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Die Ausweisung von vier Spionen aus den Niederlanden beruht nach Angaben des russischen Aussenministers Sergei Lawrow auf einem «Missverständnis». Die vier Russen seien auf einer «Routinereise» in den Niederlanden gewesen, sagte Lawrow am Montag bei einem Treffen mit seinem italienischen Kollegen Enzo Moavero Milanesi in Moskau. An der Reise der russischen «Spezialisten» sei auch «nichts Geheimes» gewesen. Sie hätten sich weder im Hotel noch am Flughafen noch auf dem Weg zur russischen Botschaft «versteckt».

Die vier Russen seien von den niederländischen Behörden schliesslich «ohne Erklärungen» festgenommen worden. «Das sieht nach einem Missverständnis aus», sagte Lawrow. Er sagte allerdings nicht, um welche Art von Spezialisten es sich handelte und was genau er unter einer Routinereise versteht.

Hackerangriff auf OPCW geplant

Die Niederlande hatten die Ausweisung der vier Russen am Donnerstag bekannt gegeben. Nach Angaben der niederländischen Regierung handelt es sich um Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU, die einen Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag verüben sollten. Den Haag präsentierte als Beleg unter anderem die Diplomatenausweise der mutmasslichen Agenten.

Bei den Ermittlungen war dabei die Schweiz zentral, wie Redaktion Tamedia berichtete. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bestätigt damals auf Anfrage, dass den Schweizer Behörden «der Fall der in Den Haag entdeckten und dann weggeschafften russischen Spione bekannt» ist. Weiter schreibt NDB-Kommunikationschefin Isabelle Graber: «Der NDB hat aktiv an dieser Operation teilgenommen, zusammen mit seinen holländischen und britischen Partnern.» Damit habe man beigetragen zur «Verhinderung illegaler Aktionen gegen eine kritische Schweizer Infrastruktur».

Auch das Labor in Spiez war vorgesehen

Holländische und britische Behörden gehen wie der Schweizer Nachrichtendienst davon aus, dass die vier Agenten auch das Labor Spiez ausspionieren wollten und dass Angehörige der gleichen Agentengruppe auch die Anti-Doping-Konferenz der Wada in Lausanne mit Cyber-Equipment attackiert hatten. Sie werden dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet. Beim Auffliegen in Holland hatte das Quartett Zugbillette von Utrecht in die Schweiz bei sich. Bevor sich die Männer auf den Weg nach Basel machen konnten, wurden sie in Den Haag verhaftet, aber nach relativ kurzer Zeit ins Flugzeug nach Moskau gesetzt.

Im Dezember 2016 und Januar 2017 konnten gemäss US-Staatsanwälten Russen auch erfolgreich ins Netzwerk des Weltfussballverbandes Fifa eindringen und Zugangsdaten sowie Laborergebnisse, Ärzteverträge, Informationen über medizinische Tests und Strategiepapiere zur Anti-Doping-Politik stehlen. Das amerikanische Justizministerium hat nun eine Anklage gegen sieben Russen publiziert, darunter die vier Männer, die in Den Haag gestoppt wurden.

Der Kreml will wegen der Anschuldigungen am Montag den niederländischen Botschafter einbestellen, wie Lawrow bestätigte. Moskau hatte die Vorwürfe der Niederlande zuvor als unbegründet zurückgewiesen. Die niederländische Regierung habe keine ausreichenden Belege für ihre Anschuldigung präsentiert, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

AFP/sep/fal

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