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Kims Schwester gibt Pence einen Korb

US-Vizepräsident Mike Pence war für ein Treffen mit der nordkoreanischen Delegation während der Olympischen Spiele bereit, erhielt aber eine Absage.

Gemeinsames Treffen geplatzt: Kim Jong-uns Schwester sitzt bei der Eröffnungsfeier direkt hinter US-Vize Mike Pence. (9. Februar 2018)
Gemeinsames Treffen geplatzt: Kim Jong-uns Schwester sitzt bei der Eröffnungsfeier direkt hinter US-Vize Mike Pence. (9. Februar 2018)
Odd Andersen, AFP

Nordkorea hat ein geplantes Geheimtreffen der Schwester von Machthaber Kim Jong-un mit US-Vizepräsident Mike Pence am Rande der Olympischen Winterspiele in Südkorea in letzter Minute abgesagt.

Die Sprecherin des Washingtoner Aussenministeriums, Heather Nauert, bestätigte auf Twitter einen entsprechenden Bericht der «Washington Post» vom Mittwoch. Sie bedauerte, dass die Nordkoreaner die Gelegenheit nicht ergriffen hätten. Pence habe bei dem Treffen die Notwendigkeit unterstreichen wollen, dass Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm aufgeben müsse.

Das Treffen mit der einflussreichen Kim Yo-jong, die als enge Beraterin ihres Bruders gilt, sollte am Samstag, dem Tag nach der Eröffnungsfeier, im Regierungssitz in Seoul stattfinden, berichtete die Zeitung. Auch das protokollarische nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Yong-nam sollte teilnehmen. Am Morgen habe die nordkoreanische Seite die Pläne noch bestätigt, doch sei die Absage «weniger als zwei Stunden» vorher erfolgt.

Unmut über Ankündigung von Sanktionen

Die Nordkoreaner hätten bei der Absage ihren Unmut geäussert, dass Pence vorher neue scharfe Sanktionen angekündigt und sich bei seinem Besuch in Südkorea auch mit nordkoreanischen Überläufern getroffen hatte. Der US-Vizepräsident war der Kim-Schwester und der nordkoreanischen Olympia-Delegation bis dahin demonstrativ aus dem Weg gegangen oder hatte sie ignoriert. Bei der Eröffnungszeremonie am Vorabend hatten die beiden Nordkoreaner direkt hinter ihm gesessen.

Die US-Seite hatte dem geplanten Treffen aber schon vor der Abreise von Pence aus den USA am 5. Februar zugestimmt. Die Initiative dafür sei von südkoreanischer Seite ausgegangen, schrieb das Blatt. Details seien aber erst nach seiner Ankunft ausgearbeitet worden.

Nach Darstellung des Büros von Pence und Vertretern des Weissen Hauses wollte Pence in dem Gespräch nicht Verhandlungen aufnehmen, sondern vielmehr den Nordkoreanern persönlich die harte Haltung der USA übermitteln, schrieb die «Washington Post». Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump sollte ihnen klar gemacht werden, dass die US-Seite auch wirklich meine, was sie öffentlich sage.

Einladung an Südkorea

Nordkorea habe das Treffen hingegen als Köder benutzen wollen, in der Hoffnung, dass der Vize-Präsident seine Position abmildern würde, sagte Pence' Stabschef Nick Ayers laut «Washington Post». Dies wäre ein Propagandaerfolg für das kommunistische Land gewesen. Pence sei aber bei seiner harten Linie geblieben.

Bei dem Besuch der bisher ranghöchsten Delegation aus Nordkorea hatte die Kim-Schwester eine Einladung an Südkoreas Präsident Moon Jae-in nach Pyongyang übergeben. Nach eigenen Angaben will Moon aber erstmal warten, bis Nordkorea auch mit den USA ins Gespräch kommt. Washington hat sich wiederholt offen für Gespräche gezeigt, fordert aber als Ziel eine Beseitigung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms, worauf Machthaber Kim Jong-un bislang nicht eingehen will.

Nach seiner überraschenden Annäherungspolitik gegenüber Südkorea aus Anlass der Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang fürchten Beobachter, dass die Spannungen wieder aufflammen, wenn die Winterspiele am Sonntag und die anschliessenden Paralympischen Spiele am 18. März enden. Dann wollen die USA und Südkorea auch wieder Militärmanöver aufnehmen, die wegen Olympia verschoben worden waren.

SDA/chk

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