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Kanadisches Unterhaus stimmt für umstrittenes Anti-Terror-Gesetz

Das Unterhaus des kanadischen Parlaments hat mit grosser Mehrheit für ein umstrittenes Anti-Terror-Gesetz gestimmt. Das neue Gesetz weitet die Befugnisse des Geheimdienstes erheblich aus.

Das Parlament in Ottawa erweitert die Befugnisse des Geheimdienstes
Das Parlament in Ottawa erweitert die Befugnisse des Geheimdienstes
Keystone

Für den Gesetzentwurf der Regierung stimmten am Mittwochabend (Ortszeit) in Ottawa 183 Abgeordnete, 96 stimmten dagegen. Nach dem Unterhaus muss auch die zweite Parlamentskammer, der Senat, dem Gesetz noch zustimmen. Das gilt jedoch als Formsache, da die Konservativen von Premierminister Stephen Harper auch dort über eine komfortable Mehrheit verfügen. Die Regierung hatte das neue Anti-Terror-Gesetz vor sechs Monaten angekündigt, nachdem im Oktober bei zwei islamistischen Angriffen zwei Soldaten getötet worden waren. Einer der Angreifer war zudem ins Parlament eingedrungen, wo ihn Sicherheitskräfte erschossen. Kanadas Minister für öffentliche Sicherheit, Steven Blanley, sagte am Mittwoch im Parlament, mit dem neuen Gesetz solle verhindert werden, "dass die Terroristen des internationalen Dschihadismus, die uns bedrohen, zur Tat schreiten". Das neue Gesetz weitet die Befugnisse des Geheimdienstes CSIS massiv aus. Bisher beschränken sich die Aufgaben des CSIS auf das Überwachen und Sammeln von Informationen. Um Terrorangriffe zu verhindern, soll er nun auch selbst aktiv werden dürfen - erstmals auch im Ausland. Ohne Anwalt Das Gesetz ermächtigt den Geheimdienst beispielsweise, gegen Verdächtige vorzugehen, die sich dschihadistischen Gruppen im Ausland anschliessen wollen. Dazu soll der CSIS künftig etwa den Onlinekauf von Flugtickets blockieren und verdächtige Finanztransaktionen stoppen können. Um Terrorangriffe zu verhindern, sind künftig auch Massnahmen wie Abhöraktionen erlaubt, wenn ein Verdacht besteht. Um Festnahmen zu erleichtern, sollen die Fälle künftig in Geheimanhörungen einem Richter vorgelegt werden können. Ein Anwalt, der die Interessen des Betroffenen vertritt, ist nicht vorgesehen. Starke Proteste Der Gesetzentwurf hatte in Kanada massive Proteste ausgelöst. Zu den Kritikern gehören vier ehemalige Premierminister, mehrere ranghohe Richter, der kanadische Datenschutzbeauftragte und die Schriftstellerin Margaret Atwood. Umfragen zufolge lehnen auch mehr als die Hälfte der Kanadierinnen und Kanadier das Gesetz ab. Die Kritiker monieren, das Gesetz verleihe den Geheimdiensten zu viel Macht und führe zu einer systematischen Überwachung des Internets. Die oppositionellen Sozialdemokraten von der Neuen Demokratischen Partei (NDP) sprachen von einem "verhängnisvollen" Gesetz. Tausende Menschen hätten gegen die Pläne demonstriert, "die unsere Rechte und Freiheiten aushöhlen werden", sagte der Abgeordnete Randall Garrison. "Diese Leute wollen nicht, dass die Angst über die Werte unserer Demokratie triumphiert."

(SDA)

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