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«Ich wurde auf das Bett gestossen, und Kavanaugh legte sich auf mich»

Christiane Blasey Ford sagt vor dem US-Senat gegen Donald Trumps Richterkandidaten aus. Der erste Teil ihrer Erklärung ist bereits bekannt.

Er soll vor Jahrzehnten unter Alkoholeinfluss eine junge Frau genötigt haben: Richterkandidat Brett Kavanaugh. (Archivbild)
Er soll vor Jahrzehnten unter Alkoholeinfluss eine junge Frau genötigt haben: Richterkandidat Brett Kavanaugh. (Archivbild)
Keystone
Der neue Richter am Obersten Gericht soll als 17-Jähriger versucht haben, die 15-jährige Christine Ford zu vergewaltigen.
Der neue Richter am Obersten Gericht soll als 17-Jähriger versucht haben, die 15-jährige Christine Ford zu vergewaltigen.
AP Photo/J. Scott Applewhite
Kavanaugh steht auch wegen seiner konservativen Haltung zum Abtreibungsrecht in der Kritik: Seine erste Senatsanhörung wurde von Protesten begleitet.
Kavanaugh steht auch wegen seiner konservativen Haltung zum Abtreibungsrecht in der Kritik: Seine erste Senatsanhörung wurde von Protesten begleitet.
Michael Reynolds, Keystone
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Professorin Christiane Blasey Ford tritt am Donnerstagnachmittag vor den Justizausschuss des US-Senats – und äussert erstmals vor laufenden Kameras ihre Anschuldigung gegen Donald Trumps Richterkandidaten für den Supreme Court, Brett Kavanaugh. Der Jurist wird mittlerweile von mindestens drei Frauen der sexuellen Übergriffe beschuldigt. Ford bezichtigt Kavanaugh, er habe versucht, sie während einer Schülerparty in den 80er-Jahren zu vergewaltigen. Ford wird ab 16 Uhr (Schweizer Zeit) unter Eid aussagen, und Kavanaugh wird ihre Anschuldigung anschliessend ebenfalls unter Eid bestreiten.

Der Fall ist für die US-Politik aus zwei Gründen wichtig: Erstens werden Supreme-Court-Richter auf Lebzeiten ernannt – mit Kavanaugh könnte Trump dem konservativen Lager am mächtigsten US-Gericht auf lange Sicht eine solide Mehrheit verschaffen. Die Republikaner halten im Senat zwar eine knappe Mehrheit von 51 zu 49 Sitzen. Doch ein zweiter Aspekt könnte Kavanaugh in die Quere kommen: Einen klar unpopulären Kandidaten in den Supreme Court zu hieven, könnte aber ihren Kandidaten in den wichtigen Zwischenwahlen Anfang November schaden.

Lügendetektortest und zwei Aussagen

Die vorbereiteten Eröffnungserklärungen Fords und Kavanaughs sind bereits veröffentlicht worden. Beide werden nach ihren Eröffnungserklärungen von den Senatoren befragt.

Ford schildert ihre Vorwürfe erneut im Detail. Wichtig wird sein, ob sie neue Dokumente oder Indizien liefern kann, um ihre Anschuldigung zu untermauern. Bislang korroboriert ein Lügendetektortest ihre Aussagen. Zudem hat Ford ihrem Mann und einer Bekannten gemäss deren Aussagen vor Jahren bereits vom Übergriff erzählt.

In der Erklärung stellt Ford zunächst klar, dass sie nicht vor den Ausschuss trete, weil sie das so wolle. Ganz im Gegenteil: «Ich habe Angst.» Sie sage aus, weil sie es als ihre Bürgerpflicht erachte. Sie entschuldigt sich, dass sie sich nicht mehr genau erinnern könne, wann die Feier stattfand – sie glaubt, der Übergriff habe sich im Sommer 1982 zugetragen, wie sie zur «Washington Post» sagte. «Aber die Details der Nacht, die mich heute hierherführen, werde ich nie vergessen. Sie sind in mein Gedächtnis eingebrannt worden und haben mich auch als Erwachsene immer wieder verfolgt.»

«Ich schrie, in der Hoffnung, dass mich jemand hören könnte»

Am besagten Abend habe sie ein Bier getrunken. Kavanaugh und der von ihr ebenfalls beschuldigte Mark Judge seien «sichtbar betrunken» gewesen. Als Ford einen Stock höher auf die Toilette gehen wollte, sei sie am Ende der Treppe von hinten ins Schlafzimmer gestossen worden. «Ich konnte nicht sehen, wer mich gestossen hat. Brett (Kavanaugh) und Mark (Judge) kamen ins Schlafzimmer und schlossen die Tür hinter ihnen ab.» Einer der beiden habe die Musik lauter gedreht.

«Ich wurde auf das Bett gestossen, und Brett legte sich auf mich. Er fing an, mit den Händen über meinen Körper zu fahren und seine Hüften an mir zu reiben. Ich schrie, in der Hoffnung, dass mich unten jemand hören könnte, und versuchte, von ihm wegzukommen, aber er war schwer. Brett begrapschte mich und versuchte, mich auszuziehen.»

Das sei Kavanaugh allerdings schwergefallen, weil er sehr betrunken gewesen sei und weil Ford vom Schwimmtraining kommend unter den Kleidern noch immer einen einteiligen Schwimmanzug anhatte.

«Ich glaubte, dass er mich vergewaltigen würde. Ich versuchte, um Hilfe zu rufen. Als ich es tat, legte Brett seine Hand auf meinen Mund, um mich vom Schreien abzuhalten. Das war es, was mich am meisten erschreckt und was mein Leben am nachhaltigsten beeinflusst hat. Es war schwer für mich, zu atmen, und ich dachte, dass Brett mich aus Versehen töten würde. Sowohl Brett als auch Mark lachten während des Angriffs betrunken. Sie schienen beide eine gute Zeit zu haben.»

Schliesslich sei sie entkommen, weil auch Judge auf das Bett gesprungen sei und alle vom Bett gestürzt seien. Dann habe sie fliehen können und sich im Badezimmer eingeschlossen. Sie habe gehört, wie die zwei das Schlafzimmer lachend verlassen hätten und laut die Treppe hinuntergegangen seien. «Als ich sie nicht die Treppe hochkommen hörte, verliess ich das Badezimmer, lief die Treppe hinunter, durch das Wohnzimmer und verliess das Haus», so Ford. Sie erinnere sich noch an das «enorme Gefühl der Erleichterung», als sie endlich im Freien gewesen sei.

«Bretts Angriff hat mein Leben drastisch verändert. Für eine sehr lange Zeit hatte ich zu viel Angst und schämte mich, irgendjemandem die Details zu erzählen. Ich wollte meinen Eltern nicht sagen, dass ich im Alter von 15 Jahren in einem Haus ohne Elternaufsicht war und mit Buben Bier trank. Ich versuchte, mich selbst davon zu überzeugen, dass weil Brett mich nicht vergewaltigt hatte, ich in der Lage sein sollte, weiterzumachen und einfach so zu tun, als wäre es nie passiert.»

«Eine groteske Rufmordkampagne»

Kavanaugh weist in seiner Eröffnungserklärung Fords Schilderungen sowie die Anschuldigungen weiterer Frauen entschieden zurück.

«Es gibt ein fieberhaftes Bemühen (orig. ‹frenzy›), sich etwas auszudenken – irgendetwas, egal, wie weit hergeholt oder abscheulich –, das eine Abstimmung über meine Nominierung blockieren würde. Das sind schlicht und einfach Verleumdungen in letzter Minute. Sie verderben unsere öffentliche Debatte. Eine solch groteske und offensichtliche Rufmordkampagne – wenn sie zum Erfolg führt – wird kompetente und gute Menschen aller politischen Überzeugungen davon abhalten, unserem Land zu dienen.»

Kavanaugh stellt einen Zusammenhang mit der nötigen richterlichen Unabhängigkeit her. Ein Bundesrichter dürfe nicht durch «öffentlichen oder politischen Druck» beeinflusst werden. Er spricht auch von «abscheulichen Gewaltandrohnungen» gegen seine Familie. Der Richterkandidat lehnt die Vorwürfe kategorisch ab.

«Ich bin heute hier, um auf diese Vorwürfe zu antworten und die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist, dass ich noch nie jemanden sexuell angegriffen habe – nicht in der High School, nicht am College, niemals. Sexuelle Übergriffe sind schrecklich. Sie sind moralisch falsch und illegal. Sie stehen im Widerspruch zu meinem religiösen Glauben. Und sie widersprechen dem Kernversprechen dieser Nation, dass alle Menschen gleich sind und das Recht haben, mit Würde und Respekt behandelt zu werden.»

Vorwürfe sexueller Gewalt müssten ernst genommen werden, so Kavanaugh weiter. Diejenigen, die Anschuldigungen vorbrächten, verdienten es, gehört zu werden. Dann räumt Kavanaugh erneut ein, dass er in der High School zum Teil zu viel getrunken habe. Doch er habe nie etwas getan, das «im Entferntesten dem ähnelt, was Dr. Ford beschreibt».

«Ich weise die Behauptung von Dr. Ford gegen mich kategorisch und unmissverständlich zurück. Ich hatte mit Dr. Ford noch nie eine sexuelle oder körperliche Interaktion jedweder Art. Ich stelle nicht infrage, dass Dr. Ford von einer Person an irgendeinem Ort und zu irgendeiner Zeit sexuell missbraucht worden sein könnte. Aber ich habe das noch nie mit ihr oder irgendjemandem gemacht. Ich bin dieser Beschuldigungen unschuldig.»

Bereits bekannt ist, dass der Richter den Senatoren zusätzlich einen Kalender aus dem Sommer 1982 vorlegen wird, der beweisen soll, dass er in der fraglichen Zeit meist nicht in der Stadt war, und keinen Hinweis auf die fragliche Party enthält.

Kavanaugh Summer 1982 Calen... by on Scribd

Am Mittwochabend hat eine dritte Frau Kavanaugh sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Sie sei Zeugin von sexueller Belästigung durch Kavanaugh bei Schülerpartys in den 80er Jahren gewesen, erklärte Julie Swetnick am Mittwoch. Ihren Angaben zufolge sollen Kavanaugh und seine Freunde bei den Partys versucht haben, einzelne Mädchen betrunken und gefügig zu machen, um sie zu missbrauchen. «Ich erinnere mich deutlich daran, wie bei vielen Partys die Jungen Schlange standen vor einem Zimmer, in dem sich ein Mädchen befand, und warteten, bis sie ‹dran waren›», erklärte Swetnick. Unter den Wartenden seien auch Kavanaugh und Judge gewesen. Kavanaugh wies diese Anschuldigungen ebenfalls zurück.

Eine weitere Frau, Deborah Ramirez, hatte sich im «New Yorker» mit dem Vorwurf gemeldet, Kavanaugh habe ihr während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in den 80er Jahren sein Geschlechtsteil ins Gesicht gedrückt. Kavanaugh bestreitet die Anschuldigung.

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