Berichte: Iran reichert Uran auf über 4,5 Prozent an

Bereits vor einem Monat hat Teheran die zulässige Menge überschritten. Die aktuelle Uranerhöhung kommt mit einer Drohung – in Richtung Europa.

Der iranische Präsident Hassan Rohani inspiziert Nukleartechnologie in Teheran im April 2019. (EPA/Iranian Presidency Office Handout)

Der iranische Präsident Hassan Rohani inspiziert Nukleartechnologie in Teheran im April 2019. (EPA/Iranian Presidency Office Handout)

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Der Iran hat am Montag Uran auf über 4,5 Prozent angereichert und damit erneut gegen das internationale Atomabkommen verstossen. Am Vormittag habe der Iran die Schwelle von 4,5 Prozent bei der Urananreicherung überschritten, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die iranische Atomenergiebehörde.

Gemäss dem Atomabkommen von 2015 darf der Iran Uran maximal auf 3,67 Prozent anreichern. Mit dem schrittweisen Rückzug aus dem Atomabkommen erhöht der Iran nun den Druck auf die Europäer.

Anfang Juni überschritt der Iran zunächst die zulässige Menge gering angereicherten Urans. Am Sonntag bekräftigte er seinen Willen, den Anreicherungsgrad über das erlaubte Mass zu erhöhen. Die Europäer riefen den Iran zur Einhaltung des Atomabkommens auf und drohten mit Konsequenzen, wenn er nicht seine Verpflichtungen erfülle.

Die iranische Regierung warnte die Europäer am Montag vor einer Eskalation im Streit um das internationale Atomabkommen. Sollten gewisse Vertragsparteien «seltsame Schritte» ergreifen, werde der Iran «alle weiteren Etappen überspringen» bei seinem Plan zur Ausweitung des Atomprogramms und direkt zur «letzten Etappe» übergehen, warnte der iranische Aussenamtssprecher Abbas Moussavi. Was dies bedeutet, führte er aber nicht aus.

EU besorgt

Die EU äusserte sich «äusserst besorgt» über Irans Ankündigungen zur Anreicherung von Uran. Die EU fordere den Iran «nachdrücklich» auf, «alle Aktivitäten zu stoppen und rückgängig zu machen», die im Widerspruch zum internationalen Atomabkommen stünden, sagte eine Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini am Montag.

Für eine genaue Bewertung wolle sie aber noch einen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) abwarten. Die EU-Sprecherin sagte, Brüssel sei in Kontakt mit den anderen Partnern des Atomabkommens, um «über die nächsten Schritte» zu beraten.

Der Iran hatte Anfang Mai in Reaktion auf den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen ein Jahr zuvor eine Reihe von Massnahmen angekündigt, sollten die verbliebenen Vertragsparteien ihm nicht bei der Umsetzung der Vereinbarung entgegenkommen. Teheran beklagt seit Monaten, dass Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Russland und China zu wenig tun, um die Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten.

China macht USA verantwortlich

China machte derweil die «Schikane» der USA für die Zunahme der Spannungen verantwortlich. «Der von den USA auf den Iran ausgeübte maximale Druck ist die Grundursache für die iranische Atomkrise», sagte Aussenamtssprecher Geng Shuang. Russland nannte die Situation «besorgniserregend» und sprach sich für die Fortsetzung des Dialogs aus. Moskau halte am Atomabkommen fest, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Moussavi warnte, «alle Optionen» seien auf dem Tisch einschliesslich der Aufkündigung des Atomabkommens und des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags. Es sei aber «noch keine Entscheidung getroffen» worden, sagte der iranische Aussenamtssprecher. Der Iran hat angekündigt, rasch zum Atomabkommen zurückkehren zu können, wenn die Vertragspartner ihm helfen, die Wirtschaftsblockade der USA zu umgehen. (sep/sda)

Erstellt: 08.07.2019, 15:10 Uhr

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