Sanders: Bloomberg darf sich US-Wahl nicht «kaufen»

Milliardär Michael Bloomberg will US-Präsident Trump herausfordern. Sein Einstieg ins Rennen wird auch in der eigenen Partei kritisiert.

Bernie Sanders bezieht immer wieder Position gegen Superreiche. (24. November 2019) Foto: Brian Snyder/Reuters

Bernie Sanders bezieht immer wieder Position gegen Superreiche. (24. November 2019) Foto: Brian Snyder/Reuters

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Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders kritisierte seinen neuen innerparteilichen Konkurrenten Michael Bloomberg scharf. «Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich Wahlen zu kaufen», schrieb der linke Senator am Sonntag auf Twitter mit Blick auf die US-Wahl in knapp einem Jahr. «Deswegen werden Multi-Milliardäre wie Michael Bloomberg bei dieser Wahl nicht sehr weit kommen.» Bloomberg gilt als einer der reichsten Männer der Welt und hatte zuvor seine offizielle Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten verkündet.

Der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister teilte am Sonntag mit: «Ich bewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wieder aufzubauen. Wir können uns vier weitere Jahre mit Präsident Trumps rücksichtslosem und unethischem Handeln nicht leisten.» Der 77-jährige Demokrat, der einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gründete, kann erhebliche Finanzmittel in einen Wahlkampf gegen den Republikaner Trump (73) einbringen.

Neue Regeln für eigene Medien

Fragen warf der Einfluss Bloombergs auf sein Medienimperium auf. Der CNN-Journalist Oliver Darcy verbreitete am Sonntag ein internes Schreiben von Chefredakteur John Micklethwait an Mitarbeiter der Bloomberg-Nachrichtenagentur. Darin hiess es, Leitartikel der Agentur hätten bislang Bloombergs Meinung gespiegelt. Künftig werde es nur noch namentlich gezeichnete Meinungsbeiträge geben. Man werde die «Tradition» fortsetzen, keine investigativen Recherchen zu Bloomberg zu betreiben. Das gelte nun auch für demokratische Mitbewerber um die Kandidatur. Weiterhin werde aber zur Trump-Regierung recherchiert.

Bloomberg gilt als moderater Demokrat. Er macht damit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vor allem dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden Konkurrenz, der in Umfragen bislang vorne liegt. Zuletzt schwächelte Biden allerdings. Die interne Konkurrenz schloss in Umfragen zu ihm auf, beim Spendensammeln überholte sie ihn zum Teil. Biden äusserte sich zunächst nicht zur Kandidatur Bloombergs.

Im März hatte Bloomberg noch öffentlich erklärt, er wolle nicht Präsidentschaftskandidat werden. Berichten zufolge verzichtete er damals bewusst auf eine Kandidatur, um Biden nicht in die Quere zu kommen. Bidens Auftreten scheint Bloomberg aber enttäuscht zu haben.

Für Klimaschutz und strengere Waffengesetze

Bloomberg kündigte nun an, im Laufe seines Wahlkampfs Pläne für eine Vielzahl drängender Themen vorzulegen: unter anderem zur Schaffung gut bezahlter Jobs, zur medizinischen Versorgung aller Amerikaner, für ein Ende der Gewalt durch Schusswaffen-Missbrauch, zum Kampf gegen den Klimawandel und für eine Reform der Migrationsgesetzgebung. Er versprach auch, «Steuern auf vermögende Personen wie mich» zu erhöhen. Die USA wolle er wieder zu «einer Kraft für Frieden und Stabilität» in der Welt machen.

Trump äusserte sich zunächst nicht zu Bloombergs Kandidatur. Allerdings hatte der Präsident bereits vor Tagen mit Spott auf Berichte über eine mögliche Bewerbung Bloombergs reagiert. Dem «kleinen Michael» fehle die für einen Wahlsieg nötige «Magie», stichelte Trump. «Er wird nicht gut abschneiden.» Bloomberg warf Trump am Sonntag «Engstirnigkeit und Hass und falsche Politik» vor. Er sei nie besorgter um die Zukunft Amerikas gewesen als heute. «Trump zu besiegen - und Amerika wieder aufzubauen - ist der dringendste und wichtigste Kampf unseres Lebens.»

Spät im Rennen

Bloomberg reiht sich extrem spät in das ohnehin schon übervolle Bewerberfeld bei den Demokraten ein. Obwohl bereits zahlreiche Parteikollegen ausgestiegen sind, bewerben sich noch immer fast 20 Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Die meisten von ihnen machen bereits seit Monaten Wahlkampf. Die Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November 2020 endgültig bestimmen, beginnen Anfang Februar in Iowa.

Prominente Anwärter auf die Kandidatur hatten sich in den vergangenen Tagen angesichts der Spekulationen über Bloombergs Kandidatur bereits gegen den neuen Konkurrenten in Stellung gebracht. Insbesondere Sanders und die ebenfalls linke Senatorin Elizabeth Warren, die in Umfragen bislang mit an der Spitze liegen und immer wieder Position gegen Superreiche beziehen, zielten auf Bloombergs Reichtum ab.


Podcast: «USA: Entscheidung 2020» Hören Sie sich die neuste Folge vom Podcast «Entscheidung 2020» mit USA-Korrespondent Martin Kilian und Auslandchef Christof Münger auch auf Spotify oder auf iTunes an.


(sda)

Erstellt: 25.11.2019, 10:08 Uhr

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