Er kämpft mit Trumps Methoden gegen den Präsidenten

Michael Avenatti, der hyperaktive Anwalt des Pornostars Stormy Daniels, ist einer der gefährlichsten Gegner Trumps.

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Er pflegt eine brachiale Rhetorik und liebt die Provokation - und er setzt Twitter und TV in raffinierter Manier in der Schlacht um die öffentliche Deutungshoheit ein. Michael Avenatti, der hyperaktive Anwalt des Pornostars Stormy Daniels, ist einer der geschicktesten und gefährlichsten Gegner Donald Trumps. Es ist ein Gegner, der den US-Präsidenten mit manchen seiner eigenen Methoden bekämpft.

Avenatti streitet dafür, seine Mandantin von einer Vereinbarung entbinden zu lassen, in der sie sich einst gegen eine Geldzahlung zum Stillhalten über ihr angebliches Sex-Abenteuer mit Trump verpflichtet hatte. Seinen Kampf vor Gericht begleitet der Anwalt mit einer massiven Medienoffensive.

Twitter und Talksendungen

Und zumindest in der PR-Schlacht liegt der telegene 47-Jährige mit den stahlblauen Augen, dem kantigen Kinn und kurzrasierten Schädel nach Punkten klar vorn. Während Trump und seine Anwälte sich in Ungereimtheiten über die Schweigevereinbarung verwickelten, hat Avenatti es geschafft, die Affäre um die Porno-Darstellerin zum Politikum zu machen. Der Stormy-Skandal werde Trump letztlich zwingen, vorzeitig sein Amt abzugeben, sagt der forsche Anwalt sogar voraus.

Der unermüdlich twitternde und durch die Talksendungen ziehende Avenatti pocht darauf, dass es in dem Fall noch um viel mehr gehe als die pikanten Details einer ausserehelichen Eskapade - tatsächlich gehe es um Trumps Haltung zu seinem Amt. Die angeblichen Vertuschungsversuche des Präsidenten und seines Teams prangert Avenatti als Wählertäuschung an: Die Bürger hätten das Recht, von ihren gewählten Vertretern «nicht belogen zu werden».

OP-Kittel nicht ausreichend gegen Ebola geschützt

Und die angeblichen Gewaltandrohungen und anderen Druckmethoden gegen seine Mandantin bezeichnet er als «gangsterhaftes Verhalten von Menschen an der Macht». Avenatti hat massiven Gegendruck aufgebaut - zuletzt per Veröffentlichung von Dokumenten über Beraterverträge von Trumps persönlichem Anwalt Michael Cohen mit Grossunternehmen und einem russischen Oligarchen. Gegen Cohen laufen Ermittlungen wegen seines Geschäftsgebarens.

Mit Hilfe des Pornostars ist Avenatti selber zum Star geworden. Doch ein Unbekannter war er vorher keineswegs. Erst vergangenes Jahr erzielte er seinen bislang spektakulärsten Erfolg - mit einer Sammelklage gegen Hersteller von OP-Kitteln, die nicht ausreichend gegen Ebola und andere Viren geschützt haben sollen. Eine Jury verurteilte zwei Firmen zu Zahlungen in der Rekordhöhe von 454 Millionen Dollar. Der Fall ist allerdings noch in der Berufung.

Nicht das erste Mal mit Trump im Ring

Auch einige Promi-Mandanten hatte Avenatti schon früher, darunter die Popsängerin Christina Aguilera und die Schauspielerin Zeta Graff, die er in einem Streit mit dem Partygirl Paris Hilton vertrat. Und auch mit Trump hatte Avenatti bereits zu tun: Er vertrat einst einen Mandanten, der anführte, die Idee zu Trumps TV-Show «The Apprentice» sei von ihm geklaut. Der Streit wurde 2006 aussergerichtlich beigelegt.

Avenatti wuchs grossteils im Mittelweststaat Missouri auf und studierte Politologie an der University of Pennsylvania sowie Jura an der George Washington University in Washington. Seine Studien finanzierte er sich unter anderem mit Jobs für Wahlkampagnen von Republikanern wie Demokraten, indem er Recherchen über die jeweiligen politischen Gegner anstellte.

«Adrenalin-Junkie» mit «aggressivem Stil»

Eine Karriere in der Politik strebte Avenatti aber nicht an. Nach dem Studium zog er nach Los Angeles, um als Anwalt zu arbeiten. Seit mehr als zehn Jahren hat er seine eigene Kanzlei. Neben dem Anwaltsberuf gibt es in seinem Leben übrigens noch eine zweite grosse Passion - die Rennfahrerei. Er ist unter anderem das 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans gefahren.

Von seinem ehemaligen Hochschullehrer Jonathan Turley wird Avenatti als «Adrenalin-Junkie» beschrieben. «In Rechtsstreitigkeiten wie im Leben zeigt er einen gewissen aggressiven Stil», sagte der Juraprofessor der «Washington Post». Trump und sein Team können davon bereits ein Lied singen. (sep/AFP)

Erstellt: 15.05.2018, 13:52 Uhr

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