Demokraten wollen neue Beweise gegen Trump vorlegen

Der Beginn des Impeachment-Verfahrens gegen den US-Präsidenten steht unmittelbar bevor. Die Opposition fühlt sich wieder im Aufwind.

Der Druck auf den Präsidenten soll wieder wachsen: Die Demokraten Adam Schiff und Nancy Pelosi. (Reuters/Jonathan Ernst/Archiv)

Der Druck auf den Präsidenten soll wieder wachsen: Die Demokraten Adam Schiff und Nancy Pelosi. (Reuters/Jonathan Ernst/Archiv)

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Die Demokraten im amerikanischen Repräsentantenhaus haben nach eigenen Angaben weitere Beweise für das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump im Senat. In einer am Dienstagabend verbreiteten Mitteilung von vier demokratischen Ausschussvorsitzenden soll es sich um Telefondaten handeln. Da diese Daten «sensible persönliche Informationen» enthielten, würden sie nicht öffentlich gemacht. Ausserdem habe ein Mann namens Lev Parnas, der Verbindungen zu Trumps Anwalt Rudy Giuliani habe, dem Geheimdienstausschuss belastendes Material zur Verfügung gestellt.

Der Beginn des Impeachment-Verfahrens jedenfalls steht unmittelbar bevor: Die Demokraten im Repräsentantenhaus wollen heute die Übermittlung der Anklagepunkte an den Senat beschliessen.

Ausserdem wollen sie festlegen, welche Abgeordneten die Anklage des Repräsentantenhauses in der anderen Parlamentskammer vertreten. Beide Schritte sind Voraussetzung für den formellen Start des Impeachment-Verfahrens im Senat, mit dem der Mehrheitsführer der Republikaner in der Kammer, Mitch McConnell, in dieser Woche rechnet.

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, will bei einer Pressekonferenz in Washington um 10.00 Uhr (Ortszeit/16.00 Uhr MEZ) verkünden, welche Abgeordneten die Anklage im Senat vertreten sollen. Erwartet werde, dass die Vorsitzenden des Geheimdienst- und des Justizausschusses, Adam Schiff und Jerry Nadler, darunter sein werden. Eine Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Übermittlung der Anklagepunkte und zur Bestätigung der Anklagevertreter wird für den Nachmittag erwartet.

Geheime Anklagepunkte

Der Republikaner Trump muss sich als dritter Präsident in der Geschichte der USA einem Impeachment-Verfahren stellen. Ihm werden Amtsmissbrauch und Behinderung der Ermittlungen im US-Kongress vorgeworfen. Mit der Mehrheit der Demokraten hatte das Repräsentantenhaus bereits vor vier Wochen die offizielle Eröffnung eines Amtsenthebungsverfahrens beschlossen. Pelosi hielt die Anklagepunkte wegen Unstimmigkeiten mit den Republikanern über den Verlauf des Verfahrens im Senat aber bisher zurück.

Die Demokraten beschuldigen Trump, den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski zu Ermittlungen gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden gedrängt zu haben, um die US-Präsidentschaftswahl im November 2020 zu beeinflussen. Sie sehen es als erwiesen an, dass von der Ankündigung solcher Ermittlungen ein Treffen mit Selenski im Weissen Haus und die Freigabe von Militärhilfe für Kiew abhängig gemacht wurde. Trump weist die Vorwürfe zurück und verurteilt das Verfahren als parteipolitisch motivierte «Hexenjagd».

Viele formale Schritte

McConnell sagte, falls das Repräsentantenhaus wie geplant am Mittwoch beschliessen sollte, die Anklagepunkte an den Senat zu übermitteln, könnten noch in dieser Woche Schritte wie die Vereidigung des Vorsitzenden Richters am Supreme Court, John Roberts, erfolgen. «Das würde uns in die Lage versetzen, am nächsten Dienstag mit dem eigentlichen Prozess zu beginnen.» Der Oberste Richter der USA führt das Verfahren im Senat, das einem Gerichtsprozess ähnelt.

Die 100 Senatoren nehmen dabei die Rolle von Geschworenen ein, die über den Ausgang des Verfahrens entscheiden. Da die Republikaner im Senat mit 53 Sitzen die Mehrheit haben, wird erwartet, dass Trump freigesprochen wird. Für eine Amtsenthebung müsste eine Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren für mindestens einen der beiden Anklagepunkte stimmen. Das ist nicht absehbar.

(fal/sda)

Erstellt: 15.01.2020, 07:38 Uhr

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