«Trump hat sich als Staatsmann bewiesen»

Als erster US-Präsident auf nordkoreanischem Boden schreibt Trump Geschichte – und gilt als grosser Gewinner des Kurz-Treffens mit Kim.

Ein historisches Treffen: Der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber in Panmunjom. (Video: Reuters)

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Es war sonntags 15.44 Uhr, als Donald Trump an die Granitplatte zwischen den hellblauen Verhandlungsbaracken im Waffenstillstandsdorf Panmunjom trat, die die Grenze markiert. Nordkoreas Machthaber kam auf ihn zu, er sagte auf Englisch: «Good to see you again.» Die beiden schüttelten sich die Hände, dann forderte Kim seinen Gast aus Washington auf, die Grenze zu überschreiten.

Trump legte seine rechte Hand auf Kims Schulter und ging mit ihm einige Meter nach Norden. Dann führte der US-Präsident Kim auf die südkoreanische Seite. Dort dankte er Kim, dass dieser auf seine so kurzfristige Aufforderung gekommen sei: «Das ist ein grosser Tag für die Welt und eine Ehre für mich», meinte Trump. Er ist der erste US-Präsident, der nordkoreanischen Boden betreten hat.

Small-Talk vor laufenden Kameras

Nun trat Südkoreas Präsident Moon Jae-in hinzu. Bedrängt von Kameraleuten machten die drei Smalltalk. Die Sicherheitsleute Trumps und Kims versuchten gemeinsam, aber mit wenig Erfolg, die Fotografen zurückzuhalten. Schliesslich gingen die drei Staatschefs in das «Haus des Friedens», wie das Verwaltungs- und Sitzungsgebäude auf der südkoreanischen Seite genannt wird.

Bilder: Trump und Kim treffen sich an Grenzlinie

Dort stand die amerikanische Delegation, Aussenminister Mike Pompeo, Sicherheitsberater John Bolton, Ivanka Trump und ihr Mann, Jared Kushner. Aber auch der nordkoreanische Aussenminister Ri Yong-ho. Selbst sie schienen überrascht, wie Trump einmal mehr Geschichte machte.

Südkoreas Präsident musste im Nebenraum warten

Kim und Trump führten ein Gespräch, das fast eine Stunde dauerte. Dabei hat Trump den nordkoreanischen Machthaber zu einem Besuch im Weissen Haus eingeladen. Zuerst wartete Moon in einem Nebenraum. Wer das veranlasst hat, war zunächst unklar. Nordkoreas Propaganda hat Südkorea in den letzten Tagen scharf kritisiert, weil es – zurückgehalten von Washington – die Entspannung zwischen den beiden Koreas bremse, insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Vor dem Treffen war Trump auf einen militärischen Beobachtungspunkt geklettert, um die Grenzanlagen zu inspizieren. Anschliessend sprach er zu einer Gruppe von südkoreanischen und amerikanischen Soldaten. Dabei behauptete er, die Idee, Kim ein spontanes Treffen vorzuschlagen, sei ihm erst auf der G20 in Osaka am Samstagmorgen gekommen. Nordkoreas Vize-Aussenministerin Cho Sun-hui beantwortete Trumps Tweet nach fünf Stunden. Allerdings gab es schon Mitte voriger Woche Gerüchte, dass die USA und Nordkorea einen solchen Mini-Gipfel vorbereiteten, den Trump bis zuletzt als «nur ein Handschlag» bezeichnete.

In einem Fach ist Trump ein Meister

Trump hat einmal mehr gezeigt, wie sehr er die Medien in der Hand hat. Seit seinem Tweet vom Samstagmorgen schürte er die Spannung mit Bemerkungen. Damit hat er es einmal mehr geschafft, die Aufmerksamkeit der Welt für einen News-Zyklus auf sich zu bannen.

Go Myong-hyun vom Asan-Institut für Politische Studien hält Trump für den grossen Gewinner dieses Impromptu-Gipfels, wie er im Arirang-Fernsehen sagte. Er zwang Kim zur Wahl, sich zum Friedens- und Denuklearisierungsprozess zu bekennen, indem er an der Grenze erschien. Kim habe mit seinem Kommen gezeigt, wie wichtig der Abbau der Sanktionen für Nordkorea ist. Zugleich, zeigte Trump China, dass es keine Chance habe, Nordkorea als Hebel in den Handelsgesprächen zu benützen, so Go.

Obwohl Trump und Kim Moon im Nebenraum warten liess, der Südkoreaner also Gesicht verlor, gehöre auch Seoul zu den Gewinnern. Es habe sich einmal mehr als Vermittler bewiesen. «Präsident Trump wird scharf kritisiert, zum Beispiel für seine Iran-Politik», sagte Go im südkoreanischen Fernsehen weiter. «Aber in der Nordkorea-Frage hat er sich als Staatsmann bewiesen.»

«Die Presse hat es anders gesehen»

Nach etwas mehr als einer Stunde begleiteten die Präsidenten aus den USA und aus Südkorea Kim zum Abschied an die Granitplatte zwischen den Baracken. Anschliessend lobte Trump Kim noch einmal, dass dieser so rasch reagiert hatte. Er wisse nicht, wie es weitergehe.

«Aber sie sehen ja, wie gut die Beziehungen sind. Präsident Moon sagte mir, er habe niemals geglaubt, dass das so lange friedlich gehe. Die Teams aus den USA und aus Nordkorea werden in den nächsten zwei bis drei Wochen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Und dann werden wir sehen. Ich sagte dem Vorsitzenden Kim, Hanoi war ein grosser Erfolg. Die Presse hat es anders gesehen, aber man braucht in Verhandlungen solche Momente.»

Erstellt: 30.06.2019, 12:12 Uhr

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