«Sie machen mich krank, gehen Sie weg von mir»

Nicht Fake News oder die Demokraten sind Donald Trumps schlimmste Feinde. Keime und Bakterien ängstigen ihn weit mehr.

Händeschütteln als «barbarischer» Akt: Donald Trump mit Nordkoreas Kim Jong-un. Foto: Keystone

Händeschütteln als «barbarischer» Akt: Donald Trump mit Nordkoreas Kim Jong-un. Foto: Keystone

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Es ist in seiner Umgebung so allgegenwärtig wie der geheimnisumwitterte Attaché-Koffer mit den Codes für den Abschuss amerikanischer Atomraketen: Das Händedesinfektionsmittel Purell ist Donald Trumps steter Begleiter, eine letzte Barriere, die den bekennenden Hygienefanatiker vor der gefürchteten Ansteckung schützen soll.

Seine Mysophobie, so der Fachausdruck für die Angst vor Keimen, Bakterien und Viren, «könnte ein psychologisches Problem sein», gestand Trump schon 1993 in einem Radiointerview. Sein Zustand ist unverändert, seine Lebensumstände aber sind gefährlicher geworden: Händeschütteln ist Teil des Jobs, der Präsident drückt mal hier, mal dort eine Pranke – ein Arbeitsvorgang, den Trump inständig hasst.

Als «barbarisch» empfindet er den Händedruck, zu Recht: Wer Hände schüttelt, setzt sich allerhand Keimen aus, eine Ghettofaust zur Begrüssung ist weitaus gesünder.

Das Webportal «Politico» befasste sich mit Trumps Mysophobie und schilderte sein Entsetzen, als Landwirtschaftsminister Sonny Perdue in Gegenwart des Präsidenten hustete. «Sie machen mich krank, bewegen Sie sich weg von mir», berichtete einer der Anwesenden. Wer schnieft, hustet oder anderweitig erkennbar infiziert ist, sollte Trump meiden: Der Präsident verlangt unverzüglich Abstand.

Händeschütteln als Fluch

Als sein amtierender Stabschef Mike Mulvaney im Juni während eines TV-Interviews des Präsidenten zu husten begann, reagierte Trump entrüstet: «Ich mag das nicht, wissen Sie, das mag ich nicht, bitte verlassen Sie das Zimmer, wenn Sie husten.» Die Angst vor Ansteckung treibt Trump derart um, dass er das Händeschütteln in seinem Buch «Die Kunst des Erfolges» als einen «Fluch der amerikanischen Gesellschaft» geisselte: «Je erfolgreicher und berühmter man wird, desto schrecklicher scheint diese Sitte zu werden.»

Um sich zu wappnen, reinigt Trump seine Hände «so oft wie möglich». Mit der Präsidentschaft kamen indes nicht nur viele Ehren, auch die winzigen Feinde multiplizierten sich: Täglich setzt sich Trump bei offiziellen Anlässen den Attacken bösartiger Mikroorganismen aus, die er mit Purell bekämpft. Oft lässt sich Trump von seinem Assistenten die Hände bespritzen, um potenzielle Invasoren abzuwehren.

Sein Waschzwang beschert dem Präsidenten einen Platz in erlauchter Gesellschaft: Der serbisch-amerikanische Erfinder Nikola Tesla litt ebenso an Mysophobie wie der Hollywood-Mogul und Flugzeugkonstrukteur Howard Hughes. Auch Barack Obama griff zu Purell, wenn er mal wieder massenweise Hände schütteln musste.

Kein Mann für Schweinereien

Trump freilich praktiziert nicht nur selber oftmaliges Händewaschen, er verlangt es auch von Besuchern, weshalb im Vorzimmer zum Oval Office ein Vorrat von Purell auf Ankommende wartet. Dass die im Dossier des ehemaligen britischen MI6-Agenten Christopher Steele enthaltene Behauptung über Trumps schmutzige Sex-Eskapaden in einem Moskauer Hotel erstunken und erlogen sei, begründete Trump ebenfalls mit seiner Phobie gegen Keime: Er sei ein Hygienefanatiker, der derartige Schweinigeleien meide, erklärte der Präsident.

Verliert er die Präsidentschaftswahl 2020, darf sich Trump freuen: Vorbei wäre der Horror der Menschenschlangen, die gierig auf den Händedruck mit einem Präsidenten warten, der sie als Bakterienschleudern verabscheut und ihre Keime und Viren fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Erstellt: 10.07.2019, 20:30 Uhr

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