Präsidentschaftskandidat mit Messer attackiert

Jair Bolsonaro, der Favorit bei der Präsidentenwahl und als «Trump Brasiliens» bekannt, wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung angegriffen.

Während er auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt getragen wird: Jair Bolsonaro während des Angriffs. (6. September 2018)

Während er auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt getragen wird: Jair Bolsonaro während des Angriffs. (6. September 2018) Bild: Raysa Leite/AFP

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Der brasilianische Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro ist bei einer Wahlkampfveranstaltung im Süden des Landes bei einem Messerangriff schwer verletzt worden.

Auf einem Video war zu sehen, wie Bolsonaro auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais getragen wird. Plötzlich zuckt der Politiker zusammen und krümmt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Es ist eine Klinge zu erkennen, die vom Körper weggezogen wird. Das Motiv für den Angriff war zunächst unklar.

Sein Sohn Flavio Bolsonaro, ebenfalls in der Politik tätig, schrieb erst auf Twitter, dass es seinem Vater gut gehe. Doch weniger als zwei Stunden später revidiert er die erste Einschätzung und meldet, dass die Verletzungen gravierender ausfielen als zuerst angenommen. Das Messer habe Teile von Bolsonaros Leber, Lunge sowie Darm verletzt und zu einem beträchtlichen Blutverlust geführt. Sein Vater sei knapp mit dem Leben davon gekommen, doch sein Zustand scheint nun stabilisiert.

Lula darf nicht kandidieren

Bolsonaro ist der Favorit bei der Präsidentenwahl am 7. Oktober, seit ein Gericht die Kandidatur des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva untersagt hat.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ibope wollen 22 Prozent der Wähler für den früheren Fallschirmjäger stimmen. Dass er aber auch in der erwarteten Stichwahl gewinnen könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Der Ex-Militär hetzt gegen Homosexuelle und Schwarze und verherrlicht die Militärdiktatur (1964-1985). Immer wieder schockiert er mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, «weil sie sehr hässlich ist». Die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten erschossen werden, sagte er ein anderes Mal.

Der «Trump Brasiliens» mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentiert sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Im Falle eines Wahlsiegs will er Ministerposten mit Militärs besetzen und angesichts der eskalierenden Kriminalität die Bevölkerung bewaffnen. (sep/sda)

Erstellt: 06.09.2018, 23:18 Uhr

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