Notre-Dame-Brand: Landeskirchen wollen Glocken läuten lassen

Nach dem verheerenden Feuer in Paris ist die internationale Solidarität gross.

Höchsteinsatz: Der Pariser Feuerwehrbefehlshaber Jean-Claude Gallet stellt sich den Medien zur Vefügung. (16. April 2019)

Höchsteinsatz: Der Pariser Feuerwehrbefehlshaber Jean-Claude Gallet stellt sich den Medien zur Vefügung. (16. April 2019) Bild: Ludovic Marin (AP)/Keystone

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In der Kathedrale von Strassburg läutete am Dienstagmorgen die Heiliggeist-Glocke, die nur bei besonderen Anlässen erklingt. Auch mehrere deutsche Kirchen, darunter der Kölner und der Mainzer Dom, liessen am Mittag als Zeichen der Solidarität ihre Glocken läuten.

Auch in der Schweiz ist eine solche Aktion geplant. Allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. «Die Landeskirchen planen keine koordinierte Gedenkaktion», sagt Patrick Hess, Betriebsleiter des Grossen Münsters in Zürich. Allerdings sei man im Gespräch. «Ich kann mir vorstellen, dass wir etwas am Karfreitag machen oder am Ostermontag, eine Woche nach dem Brand», sagt Hess. Kommt es zu einer Aktion, würde diese auch mit der katholischen Kirche geplant. Diese bestätigte dies auf Anfrage jedoch nicht.

Video: Überblick zum Grossbrand in der Notre-Dame

Das Video gibt einen Überblick der Ereignisse rund um den Brand in der gotischen Kathedrale Notre-Dame in Paris. (Video: AFP/Twitter/Tamedia)

Basler Münster liess die Glocken läuten

Aus Betroffenheit über den Vollbrand im Herzen von Paris liess man im Basler Münster am Dienstag um 12 Uhr die Glocken bereits läuten. Der Grund: Die Dombaumeister nahmen am Vormittag untereinander Kontakt auf. Der Vorstand der Vereinigung der europäischen Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenbaumeister erliess anschliessend einen Aufruf an 130 Dombaumeister in ganz Europa, aus Betroffenheit und Solidarität um Mittag die Glocken läuten zu lassen.

Aus zahlreichen Ländern trafen am Dienstag weitere Botschaften der Anteilnahme ein. Der Vatikan twitterte, Papst Franziskus bete «für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris». Queen Elizabeth II erklärte, sie sei «tiefbetrübt».

In vielen deutschen Gotteshäusern kamen Menschen zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Die Deutsche Bischofskonferenz sprach dem Erzbischof von Paris, Michel Aupteit, ihre «tief empfundene Anteilnahme» aus. Berlins Erzbischof Heiner Koch zeigte sich zutiefst erschüttert. Die Bilder der brennenden Kathedrale schmerzten ihn, erklärte Koch. Er fühle sich Paris und seinem Erzbischof «in diesen Stunden im Gebet verbunden». Berlin und Paris verbindet eine jahrzehntelange Städtepartnerschaft.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland äusserte sich entsetzt über die Brandkatastrophe von Paris. Die Kathedrale Notre-Dame sei «die Seele von Paris», erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Grosszügige Spenden

Auf die weltweite Anteilnahme nach dem Grossbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame folgen grosszügige Spendenangebote für den Wiederaufbau: Der Brand war am Dienstagmorgen gerade gelöscht, da beliefen sie sich die Offerten bereits auf hunderte Millionen Euro. Das ganze Ausmass der Schäden wird erst nach und nach deutlich. Die Staatsanwaltschaft schloss unterdessen Brandstiftung weitgehend aus.

«Die ganze Nacht lang habe ich hier Menschen mit Tränen in den Augen gesehen», sagte Generalvikar Philippe Marsset. Zwar herrsche «totales Chaos», man dürfe sich davon aber nicht niederschmettern lassen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sagte einen Wiederaufbau der Kathedrale zu, die Regierung in Paris beriet am Dienstagvormittag über das Vorgehen. Mehrere französische Parteien setzten kurzzeitig ihren Europawahlkampf aus.

Der Brand war am Montagabend im Dachstuhl ausgebrochen und hatte sich nach Angaben eines Feuerwehrsprechers rasend schnell über das gesamte Dach ausgebreitet. Rund 400 Feuerwehrleute kämpften die gesamte Nacht über gegen die Flammen, am Dienstag kurz vor zehn Uhr waren sie dann vollständig gelöscht.

Das Dach und ein Spitzturm wurden zerstört, mehrere kostbare Reliquien und das Hauptkreuz der Kirche aber konnten gerettet werden. Auch die beiden Glockentürme seien gerettet worden, berichtete der Feuerwehrsprecher. Allerdings sei «ein Teil des Gewölbes in das Mittelschiff gestürzt». Den Dienstag über sollten demnach rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz bleiben, um nach Brandnestern zu suchen und die Baustruktur zu überwachen.

Brandursache noch unklar

Unklar war zunächst die Brandursache. Der Brand könnte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft mit Arbeiten am Dach der Kathedrale im Zusammenhang stehen, wo Baugerüste installiert waren. Sie leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung ein und befragte noch in der Nacht Bauarbeiter.

Die beiden grössten Luxusgüterkonzerne des Landes kündigten wenige Stunden nach dem Brand Millionenspenden an: LVHM (Moët Hennessy - Louis Vuitton) will demnach 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen, der Luxusmodekonzern Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) will 100 Millionen Euro spenden. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifussballclubs versprach finanzielle Unterstützung.

(oli/fal/afp)

Erstellt: 16.04.2019, 14:21 Uhr

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