Freigelassener Demokratie-Aktivist fordert Rücktritt von Lam

Der Anführer der Hongkonger Regenschirm-Bewegung hat seine Haftstrafe abgesessen. Nun greift er die Regierungschefin an.

Wird aus dem Gefängnis begleitet: Joshua Wong. (17. Juni 2019)

Wird aus dem Gefängnis begleitet: Joshua Wong. (17. Juni 2019) Bild: Jerome Favre/Keystone

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In Hongkong ist der bekannte inhaftierte Demokratie-Aktivist Joshua Wong am Montag freigelassen worden. Der Anführer der «Regenschirm»-Bewegung des Jahres 2014 verliess am Montag das Gefängnis Lai Chi Kok, wo er eine zweimonatige Haftstrafe absass, weil er vor fünf Jahren die Auflösung eines Protestlagers behindert haben soll.

Er kam wegen guter Führung einen Monat vorzeitig aus dem Gefängnis. Die Demonstrationen für mehr Demokratie hatten vor fünf Jahren wochenlang Teile der chinesischen Sonderverwaltungsregion lahmgelegt. Sie bekamen ihren Namen von den Regenschirmen, die gegen die Sonne und das Pfefferspray der Polizei eingesetzt worden waren. Seither hat die kommunistische Führung in Peking aber die Zügel enger angezogen.

Die Haftentlassung erfolgte unabhängig von den Massenprotesten der vergangenen Tage gegen das Gesetz für Auslieferungen an China, das Regierungschefin Carrie Lam am Samstag auf Eis gelegt hatte. Dennoch waren am Sonntag fast zwei Millionen Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Strasse gegangen.

Regierungschefin scharf kritisiert

Der freigelassene 22-Jährige forderte unmittelbar nach seiner Freilassung einen Rücktritt der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, die durch die Proteste gegen ein umstrittenes Auslieferungsgesetz unter Druck geraten ist.

Die Peking-nahe Politikerin sei «nicht mehr qualifiziert» als Regierungschefin, sagte Wong vor dem Gefängnis. «Sie muss Verantwortung übernehmen und zurücktreten.» Auch müsse sie das umstrittene Gesetzesvorhaben, das Auslieferungen an das chinesische Festland vorsieht, «vollständig zurückziehen».

Wong war eines der prominentesten Gesichter der «Regenschirm»-Bewegung, die 2014 für politische Reformen in Hongkong kämpfte. Bei den Protesten hatten zeitweise zehntausende Menschen mehr Demokratie und freie Wahlen gefordert.

Demonstranten ziehen von Strasse ab

Zuletzt gab es in Hongkong wegen des Gesetzesvorhabens zu Auslieferungen erneut Massenproteste. Am Wochenende machte Regierungschefin Lam zwar angesichts der Proteste einen Rückzieher und legte das Gesetzesvorhaben auf Eis. Die Demonstranten fordern aber, dass die Pläne vollständig aufgegeben werden.

Am Sonntag gingen erneut hunderttausende Demonstranten in Hongkong auf die Strasse. Die Organisatoren sprach von fast zwei Millionen Teilnehmern. Für Montag ist ein Streik geplant.

Am Montagmorgen blockierten hunderte Demonstranten zunächst eine Schnellstrasse nahe des Parlaments von Hongkong. Die Aktivisten beendeten die Blockade dann aber nach Verhandlungen mit der Polizei. Die meisten Demonstranten zogen sich in einen nahegelegenen Park zurück. (red/sda)

Erstellt: 17.06.2019, 09:48 Uhr

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