Die Wurzel des Übels bleibt unangetastet

Der Missbrauchsgipfel genügt nicht. Der Papst ist total überfordert, seine Bischöfe sind uneinsichtig.

Papst und Bischöfe berieten unter sich und waren nicht bereit, sich und das System zu hinterfragen. Foto: AFP/Giuseppe Lami

Papst und Bischöfe berieten unter sich und waren nicht bereit, sich und das System zu hinterfragen. Foto: AFP/Giuseppe Lami

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Der Missbrauch bedroht die Kirche von innen her. So war es unabdingbar, dass Papst und Bischöfe an diesem Gipfel in Rom demonstrierten, sich der existentiellen Krise bewusst zu sein und das Übel bekämpfen zu wollen.

Sie debattierten über Prävention, Transparenz und Öffnung der Archive, über Sanktionen gegen Missbrauchspriester, Statistiken der nachlässigen Bischöfe oder über zu schaffende Verwaltungsgerichte. Das war richtig und nötig, genügt aber nicht.

Das System bleibt unbefleckt, die Wurzel des Übels unangetastet. Denn die Bischöfe sind nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Vertuschung des Missbrauchs von den Kirchenspitzen ausgeht, dass Bischöfe Täter geschützt, sie bestenfalls versetzt haben.

Ohne die systemischen Ursachen des Missbrauchs anzugehen, bleibt es bei der Symptombekämpfung

Wenn es um Bischöfe geht - es sind dies weltweit über 3000 – so kann diese bisher nur der Papst allein sanktionieren oder absetzten. Eine totale Überforderung. Darum stellte Franziskus 2015 eine unabhängige Gerichtsinstanz für Bischöfe und Kardinäle in Aussicht. Die US-Bischöfe haben ihrerseits eine unabhängige, von Laien geführte Instanz für fehlbare Bischöfe verlangt. Doch daraus wird leider nichts.

Stattdessen will der Papst, dass sich die Bischöfe selber kontrollieren. Die obersten Bischöfe einer Provinz werden mit den Verfahren betraut, die zur Absetzung von Bischöfen führen können, sofern diese einer Anzeige nicht nachgegangen sind oder überführte Missbrauchspriester nicht entlassen haben.

Das ist das grosse Manko des Gipfels: er ist selbstreferenziell geblieben. Papst und Bischöfe berieten unter sich und waren nicht bereit, sich und das System zu hinterfragen. Ohne aber die systemischen Ursachen des Missbrauchs anzugehen, bleibt es bei der Symptombekämpfung.

Völlig selbstverständlich haben die Bischöfe an ihrem von Gott gestifteten Heiligen Stand aus zölibatär lebenden Männern festgehalten. Diesen Mythos halten sie wider besseres Wissen aufrecht, dass Sexualverzicht für die wenigsten lebbar und der Zölibat ein Risikofaktor für Missbrauch ist.

Sexualverzicht ist für die wenigsten lebbar und der Zölibat ein Risikofaktor für Missbrauch

Selbst der so aufgeschlossene und viel zitierte Jesuit Hans Zollner, Leiter des römischen Kinderschutzzentrums und Mitorganisator des Gipfels, behauptet: «Die Ansicht, die zölibatäre Lebensform sei Ursache für Missbrauch, .... ist einfach nicht wahr.»

Stattdessen hat er Tools entwickelt, um Priester- und Ordenskandidaten auf ihre Eignung für die zölibatäre Lebensform zu prüfen. Mit Persönlichkeits-Assessments will er herausfinden «ob jemand in der Beziehungsfähigkeit Schwierigkeiten hat oder in seinem Umgang mit Emotionen und seiner Sexualität».

Wie bitte soll man sich das vorstellen, als akademische Trockenübung? Wie will man die psychosexuelle Reife von zu Abstinenz verpflichteten angehenden Priestern messen? Die Kirche hat nicht verstanden, dass der abgespaltene Trieb der Geistlichen seine Rechnung in Form des massenhaften Missbrauchs präsentiert.

Bezeichnenderweise war der Missbrauch an Frauen und Nonnen am Gipfel Thema nur am Rande

Solange Papst und Bischöfe am Ideal enthaltsamer Geistlichen und damit gekoppelt am Ausschluss der Frau von Weihe- und Leitungsämtern festhalten, bleiben die Ursachen für Missbrauch bestehen.

Bezeichnenderweise war der Missbrauch an Frauen und Nonnen am Gipfel Thema nur am Rande. Auch da fehlt bei den Klerikern einfach die Einsicht, dass sie die Frau mit der Verbannung von Bett, Altar und Leitungsamt zu einem missbrauchbaren, subjektlosen Wesen degradieren.

Erstellt: 24.02.2019, 18:15 Uhr

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