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35 Tote bei Angriff auf libysches Flüchtlingslager

In einem Hangar untergebrachte Flüchtlinge sind im Osten von Tripolis bombardiert worden.

Die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar sollen verantwortlich sein: Die Rettungskräfte in Tripolis tragen Leichen ins Freie. (3. Juli 2019)
Die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar sollen verantwortlich sein: Die Rettungskräfte in Tripolis tragen Leichen ins Freie. (3. Juli 2019)
Mahmud Turkia, AFP
Im Vorort Tajoura, wo das betroffene Lager steht, gibt es Militärstützpunkte der libyschen Regierung.
Im Vorort Tajoura, wo das betroffene Lager steht, gibt es Militärstützpunkte der libyschen Regierung.
Mahmud Turkia, AFP
Die Behörden und Rettungskräfte rechnen mit dutzenden Toten und Verletzten.
Die Behörden und Rettungskräfte rechnen mit dutzenden Toten und Verletzten.
Mahmud Turkia, AFP
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Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem Vorort der libyschen Hauptstatt Tripolis sind einem Behördenvertreter zufolge am Dienstag mindestens 35 Menschen getötet und 70 verletzt worden. Das Lager liegt im Stadtteil Tadschura in der Nähe eines Militärstützpunktes. Es ist der tödlichste Angriff, seit Haftar im April eine Offensive auf Tripolis angeordnet hatte. In dem Lager seien insgesamt mehr als 600 Migranten unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht, hiess es.

Libyen: Viele Tote nach Luftangriff auf Flüchtlingslager. Video: Tamedia

Die international anerkannte Regierung in Tripolis teilte mit, dass bei dem Angriff am Abend Dutzende getötet worden seien, die Schuld trage der «Kriegsverbrecher Chalifa Haftar». Dieser führt die Rebellengruppe Libysche Nationalarmee (LNA) an, die ihre Machtbasis im Osten des Landes hat.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erklärte auf Twitter, es sei «äusserst besorgt» über Berichte zu getöteten Flüchtlingen und Migranten. Details nannte das Hilfswerk nicht.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah in dem Auffanglager mehrere Körper am Boden liegen. Ambulanzen eilten zu dem Hangar, in dem die Flüchtlinge untergebracht waren.

Migranten aus Sudan, Eritrea und Somalia

In dem Lager seien rund 120 Migranten aus Sudan, Eritrea und Somalia untergebracht gewesen, sagte ein Reporter des arabischen Senders Al-Jazeera. Die Migranten waren auf ihrem Weg nach Europa in Libyen aufgegriffen worden. Tausende sitzen in diesen Lagern, die von der libyschen Regierung im Westen des Landes betrieben werden fest, die Zustände dort bezeichnen Menschenrechtsgruppen und die Vereinten Nationen häufig als unmenschlich.

Am Montag hatte die Libysche Nationalarmee (LNA) aus dem Osten des Landes schwere Luftangriffe auf Tripolis angekündigt, nachdem andere kriegerische Massnahmen erfolglos gewesen seien. Die LNA bestritt, den Luftangriff verübt zu haben.

Chaos im Land

Acht Jahre nach dem mit westlicher Hilfe erreichten Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen Chaos. General Haftar hat weite Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht und im April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet. Regierungstreue Truppen und Einheiten Haftars liefern sich seither erbitterte Kämpfe um die Kontrolle der Hauptstadt. Nach Uno-Angaben wurden bisher mehr als 650 Menschen getötet.

Die Aussichten auf eine politische Lösung des Konflikts stehen derzeit sehr schlecht. Haftar wird vom libyschen Parlament im Osten des Landes unterstützt. Es beansprucht ebenso wie die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch die Macht für sich. Die Regierung von al-Sarradsch hat kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus.

SDA/chk

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