17-Jähriger schiesst in Klasse um sich – mindestens 10 Tote

In einem Vorort von Houston in Texas hat ein Schüler an einer High School das Feuer eröffnet. Die Polizei fand zudem Sprengsätze auf dem Gelände.

Bei einer Schiesserei an einer Schule im US-Bundesstaat Texas sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden.
Video: Tamedia/AFP

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In einer High School in Texas wurden mindestens zehn Personen von einem Schüler getötet. Am frühen Morgen eröffnete ein Schütze das Feuer während einer Kunststunde in der Stadt Santa Fe rund 50 Kilometer südöstlich von Houston.

Bei dem Schützen handelte es sich mehreren US-Medien zufolge um den 17 Jahre alten Dimitrios P. Laut der Zeitung «Houston Chronicle» war er mit einem halbautomatischen Gewehr AR-15, einem Revolver, einer Pump Gun und Sprengsätzen bewaffnet. Er hatte am Morgen an der der Santa Fe High School in der gleichnamigen Stadt in einer Kunstklasse das Feuer auf seine Mitschüler eröffnet.

Auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei angeschossen worden, berichtet der «Houston Chronicle ». Er sei nicht schwer verletzt.

Der Schütze konnte nach seinem Amoklauf verhaftet werden. Nach Angaben des Sheriffs ist er ein Schüler der Santa Fe High School. Ebenso soll ein zweiter Verdächtiger festgenommen worden sein.

Molotow-Cocktail gefunden

Einsatzkräfte haben auf dem Gelände Sprengsätze gefunden. Darunter seien Rohrbomben und Dampfkochtöpfe.

Die meisten der Toten seien Schüler gewesen, sagte Sheriff Ed Gonzalez am Freitag. Unter den Verletzten sei auch ein Polizist. Ein Schütze sei in Haft, eine zweite Person sei festgenommen worden. Dabei habe es sich um eine «Person von Interesse» gehandelt, sagte Gonzalez.

Der republikanische Gouverneur Abbott sprach von «einem der bösartigsten Verbrechen in der Geschichte von Texas». Der Vater des Schützen habe die Tatwaffen legal erworben, fügte er hinzu. Bei Durchsuchungen in zwei Häusern seien «verschiedene Sprengsätze» sichergestellt worden, unter ihnen ein Molotow-Cocktail.

Suizid-Gedanken in Tagebuch

Was genau den 17-Jährigen zu seiner Tat bewogen hat, war unklar. In Tagebucheintragungen habe dieser über Suizid nachgedacht, sagte Gouverneur Abbott. Vor der Tat habe es aber «keine Warnsignale» gegeben. Im Zusammenhang mit der Bluttat würden zwei Menschen befragt - einer von ihnen könnte in die Tat «verstrickt» gewesen sein, sagte der Gouverneur.

Ein Mitschüler berichtete im Lokalfernsehen, der Schütze sei oft gehänselt worden und habe nicht viele Freunde an der Schule gehabt.

Eine Schülerin, die den Amoklauf überlebte, schilderte weinend vor Journalisten, was sie erlebt hat. «Ein Freund wurde im Kunstraum erschossen», sagte sie. «So etwas sollte niemand erleben. Das ist meine Schule, mein Alltag. Ich habe Angst zurückzugehen.» Die Schule habe Alarm ausgelöst, «und dann ist jeder rausgerannt», berichtete Shrader. «Man hörte einfach 'bumm, bumm, bumm', und dann bin ich so schnell wie möglich in den Wald gerannt und habe meine Mutter angerufen.»

Sheriff Ed Gonzalez erklärte, die Polizei sei mit grossem Aufgebot zur Schule ausgerückt. Passanten rief er auf, die Gegend um das Schulgebäude zu meiden.

Ein Vater sagte dem Sender KTRK, bei seinem Eintreffen an der Schule hätten Krankenwagen mehrere Opfer abtransportiert. Die Polizei schickte zahlreiche Einsatzkräfte zur Schule. Fernsehbilder zeigten, wie Schüler aus dem Gebäude geführt wurden.

Trump: «Das geht nun schon zu lange so»

US-Präsident Donald Trump hat sich auf Twitter zu den Schüssen gemeldet. Nach ersten Berichten sehe es nicht gut aus, schreibt er. Später erklärte er, er empfinde «Traurigkeit und Kummer» angesichts der «absolut erschreckenden» Tat.

«Das geht nun schon zu lange so in unserem Land», sagte Trump. Seine Regierung sei «entschlossen, alles in ihrer Macht liegende zu unternehmen, um unsere Schüler zu schützen, unsere Schulen zu sichern, und Waffen von denen fernzuhalten, die eine Gefahr für sich selbst und andere sind».

Mitte Februar hatte ein 19-Jähriger ein Massaker an einer Schule im Bundesstaat Florida angerichtet. Der inzwischen wegen Mordes angeklagte junge Mann hatte in Parkland an der Marjory Stoneman Douglas High School 17 Menschen mit einem Schnellfeuergewehr erschossen und 17 weitere verletzt.

Überlebende des Massakers starteten eine Kampagne zur Einschränkung des laxen US-Waffenrechts. Im April hatten bei rund 2500 Veranstaltungen in den gesamten USA Schüler gegen die Waffengewalt protestiert, vielerorts wurde die Schule bestreikt.

Im Internet äussern sich Kritiker der US-Waffengesetze. Gyl Switzer etwa, Geschäftsführer von Texas Gun Sense, einer Präventionsstelle für Waffengewalt schreibt: «Unser Herz geht an diejenigen, die von den heutigen Dreharbeiten an der Santa Fe Highschool in Santa Fe Texas betroffen sind. Wir Texaner lieben unsere Kinder. Wir müssen es besser machen Es gibt bewährte Strategien, sinnlose Waffengewalt zu reduzieren.»

Trump hatte erst vor wenigen Wochen ungeachtet dieser Proteste der mächtigen Waffenlobby seine Unterstützung zugesichert. »Eure Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz stehen unter Beschuss, aber sie werden niemals unter Beschuss stehen, solange ich Euer Präsident bin", hatte Trump auf der Jahresversammlung der Waffenlobby NRA (National Rifle Association) in Dallas erklärt.

Die Santa Fe High School ist eine grosse Schule mit fast 1500 Schülern und rund eine Autostunde von Houston entfernt gelegen.

«Aus dem Leben gerissen»

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag mitteilte, sandte die Kanzlerin ein Kondolenztelegramm an Donald Trump, in der sie erklärte, dass sie «mit grosser Bestürzung» von der «Tragödie an der Santa Fe High School» erfahren habe.

«Erneut sind Menschen in einem schrecklichen Akt der Gewalt mitten aus dem Leben gerissen worden», erklärte Merkel. Die Gewalttat habe sich «ausgerechnet an einer Schule, einem Ort, der eigentlich den Weg in das Leben ebnen soll», ereignet. «Das Mitgefühl und die Anteilnahme aller Deutschen gelten den Angehörigen und Familien der Opfer», schrieb die Kanzlerin.

(ft/sda/afp)

Erstellt: 18.05.2018, 16:42 Uhr

Blutbad in Texas weckt schreckliche Erinnerungen

Die schlimmsten Amokläufe in den USA in den vergangenen 20 Jahren

14. Februar
Ein 19-jähriger Ex-Schüler dringt am Valentinstag in in die Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland ein und eröffnet das Feuer: 17 Menschen sterben.

5. November 2017
Während des Sonntagsgottesdienstes in einer Baptistenkirche in Sutherland Springs im Bundesstaat Texas tötet ein Angreifer 26 Menschen und verletzt rund 20 weitere.

1. Oktober 2017
In Las Vegas feuert ein Heckenschütze aus einem Fenster im 32. Stockwerk eines Hotels auf Besucher eines Countrymusik-Festivals. Der 64-jährige Stephen Paddock tötet 58 Menschen und verletzt rund 550 weitere, bevor er sich selbst erschiesst. Es ist das schlimmste Blutbad in der jüngeren US-Geschichte.

12. Juni 2016
Der 29-jährige Omar Mateen eröffnet im Juni 2016 das Feuer auf die Gäste des Homosexuellen-Clubs «Pulse» in Orlando im Bundesstaat Florida. Er tötet 49 Menschen und verletzt 68 weitere, bevor die Polizei ihn erschiesst. Während der dreistündigen Geiselnahme bekannte sich der Täter in Anrufen bei der Polizei zum IS, dieser reklamierte anschliessend die Tat für sich.

2. Dezember 2015
Ein US-Bürger pakistanischer Abstammung und seine Frau erschiessen im Dezember 2015 während einer Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers in einem Behindertenzentrum im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen, 22 weitere werden verletzt. Stunden später erschiesst die Polizei die beiden Muslime. Sie hatten sich zuvor im Internet radikalisiert.

16. September 2013
In einem Kommandozentrum der US-Marine in der Hauptstadt Washington erschiesst ein ehemaliger Reservist zwölf Menschen, ehe er bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wird. Er war wegen psychischer Probleme schon vorher aufgefallen.

20. Juli 2012
In einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado eröffnet ein 24-jähriger Mann während der Premiere des neuen «Batman»-Films das Feuer. Zwölf Menschen werden getötet und 70 verletzt. Der Amokläufer wird festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

14. Dezember 2012
Ein 20-jähriger Mann mit schweren psychischen Problemen schiesst in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown um sich, er tötet 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene. Zuvor hatte er bereits seine Mutter getötet. Nach den Bluttaten nimmt er sich das Leben.

5. November 2009
Ein Militärpsychiater schiesst auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas um sich. Der Mann mit palästinensischen Wurzeln tötet 13 Menschen und verletzt 42, bevor er festgenommen wird.

3. April 2009
Ein vietnamesischer Immigrant erschiesst in einem Zentrum für Einwanderer der Stadt Binghamton im Bundesstaat New York 13 Menschen, bevor er sich selbst tötet.

16. April 2007
Bei einem Amoklauf an der US-Hochschule Virginia Tech in Blacksburg erschiesst ein 23-jähriger Student 27 Studenten und fünf Lehrer, dann tötet er sich selbst.

20. April 1999
An der Columbine High School in Littleton im Bundesstaat Colorado erschiessen zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach begehen sie Suizid. (AFP)

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