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DorfgeflüsterAusflug zu Tina Turner

Eine Kolumne über die neue Spezies von Wassersportlern, die bei Seeanstössern ungefragt vorfahren.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Illustration: Olivier Samter

Wer eine Villa am Zürichsee sein Eigen nennen darf, mit fürstlicher Gartenanlage und Bootshaus, ja der ist heutzutage beileibe nicht zu beneiden. Man muss es fast schon so sagen: Grossgrundbesitzer mit Seeanstoss können einem richtig leidtun. Und dies nicht etwa wegen politischer Vorstösse wie jenem zur Realisierung eines durchgehenden Seeuferwegs.

Die viel realere Bedrohung für das Wohlergehen Hunderter Seeanstösser ist längst da. Sie tritt seit einigen Jahren jeweils mit Beginn der Sommersaison auf. Und es scheint, als würde die Plage Jahr für Jahr schlimmer und zahlreicher. Man nennt sie: Stand-up-Paddler.

Letztes Wochenende haben sie wieder zugeschlagen: Im Uferbereich rund um den See paddelten sie vor den Privatgrundstücken hoch und runter. Anders als Motorbootfahrer oder Fahrgäste der ZSG-Schiffe bewegen sich die Stand-up-Paddler, stehend auf ihren aufblasbaren Brettern, in nächster Blickdistanz zu den Villenbesitzern. Nackt in der Gartenanlage sünnelen? Das war einmal. Die Privatsphäre – des Schweizers höchstes Gut – ist den Seeanstössern abhandengekommen.

Unter ihnen dürfte das Problem gehörig zu reden geben. Betroffen sind natürlich vor allem auch Promis wie etwa Tina Turner. Ihr Wohnsitz am See in Küsnacht dient gwundrigen Paddlern als besonders reizvolles Ausflugsziel, wie in Küsnachter Kreisen bestätigt wird. Sitzt sie im Garten oder schaut sie wenigstens aus dem Fenster? Um die ungewollten Blicke und ungebetenen Gäste könnte sich die Polizei kümmern. Mit der Durchsetzung von Abstandsregeln hat sie ja jetzt Erfahrung. Und sonst wird man sich in der Seeanstösser-Szene vielleicht selber zu helfen wissen: mit einer Initiative, die hiesse dann nicht «Seeuferweg für alle», sondern «Alle weg vom Seeufer!».