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Mamablog: ErnährungswocheAuf Nimmerwiedersehen, Zucker?

Unsere zwei Gastautorinnen leben mit ihren Kindern tatsächlich zuckerfrei und berichten, wie sie dabei vorgehen.

Von wegen reine Wunschvorstellung: Zucker ganz vom Speiseplan verschwinden zu lassen, ist möglich.
Von wegen reine Wunschvorstellung: Zucker ganz vom Speiseplan verschwinden zu lassen, ist möglich.
Foto: Getty Images

Eine Kindheit ohne Schokoriegel, Glace vom Kiosk oder die obligatorischen Gummibärchen bei Oma, kaum vorstellbar, oder? Aber warum eigentlich? Warum ist es in unserer Gesellschaft das Normalste der Welt, dass Kinder Unmengen an Süssigkeiten essen, Tag für Tag und nach Empfehlungen der WHO viel zu viel? Denn diese liegt bei Kindern bei höchstens sechs Teelöffeln Zucker am Tag. Nur zum Vergleich: Eine Dose vom geliebten Softdrink hat bereits 10 Teelöffel Zucker.

Zuckerfallen lauern überall

Immer mehr Menschen möchten sich ausgewogen, natürlich und gesund ernähren und auch wenn wir alle irgendwie wissen, dass die Ernährung von unseren Kleinsten doch am wichtigsten ist, sind es gerade sie, die im Alltag an jeder Ecke mit Süssigkeiten und Zucker konfrontiert werden. Ob im Restaurant, im Zoo, im Kino… wir könnten ewig so weitermachen.

Und selbst da könnte man sagen, das sind besondere Ereignisse, wo es etwas Besonderes sein darf. Aber selbst der tägliche Gang durch Supermärkte wird für Eltern zu einer Geduldsprobe und grossen Herausforderung. An jeder Ecke stehen bunte Zuckerbomben, die mit Helden aus der Kindheit werben. Und spätestens an der Kasse, wartend in der Schlange und beobachtet von allen, knickt man dann doch schnell ein.

Verbote bringen nichts

Und dennoch: Wir sagen, es geht. Wir sind selbst Mamas und kennen all das. Aber wir nehmen diese Herausforderung an, jeden Tag aufs Neue. Ihr fragt euch jetzt vielleicht, wie genau so ein Alltag bei uns aussieht? Zuallererst einmal verbieten wir unseren Kindern keinerlei Lebensmittel. Einen erhobenen Zeigefinger und eine zu dogmatische Herangehensweise halten wir ganz klar für den falschen Weg. Es ist weder praktikabel noch umsetzbar und vermittelt dem Kind für uns das falsche Gefühl. Wir möchten nicht, dass unsere Kinder in dem Glauben aufwachsen, sie dürften bestimmte Dinge gar nicht essen, sondern viel mehr, dass wir ihnen im Handumdrehen eine gute und gesunde Alternative anbieten können.

Deshalb auch unser erster Tipp an euch: Wenn ihr dem Zucker den Kampf ansagen möchtet, startet Schritt für Schritt. Gesünder leben zu wollen, ist ein tolles Vorhaben, aber seid nicht zu streng mit euch und eurer Familie. Startet doch zum Beispiel bei euren Getränken und geht erst dann zu euren Mahlzeiten über.

Ein weiterer wichtiger Tipp von uns: Seid vorbereitet. Denn Zuckerfallen lauern eben überall, auch da, wo ihr sie vielleicht gar nicht erwartet. Es lohnt sich also, eine gesunde und trotzdem süsse Alternative in der Tasche zu haben. So vermeidet ihr in vielen Fällen grosse Diskussionen.

Ausnahmen erlaubt

Und auch bei uns sind Ausnahmen erlaubt. Es gibt immer Ereignisse, wie zum Beispiel Kindergeburtstage, Familienfeste oder Feiertage, bei denen auch wir sagen, es ist hier und heute völlig ok. Damit aber natürlich nicht jeder Besuch bei Oma, Freunden oder Bekannten zu einer solchen Ausnahme wird, ist es unheimlich wichtig, dass ihr euch einmal erklärt. Denn die Menschen in eurem Umfeld sollten wissen, dass ihr den Zucker reduzieren möchtet. Vielleicht macht es gerade bei den Grosseltern auch Sinn, etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Gefahren von Zuckerüberkonsum zu erklären und ihnen bewusst zu machen, dass Enkelkinder nicht nur mit Süssigkeiten verwöhnt werden können. Gemeinsame Zeit oder auch das Testen von zuckerfreien Rezepten ist doch mindestens genauso gut.

Aber und das ist ein ebenso wichtiger Tipp von uns, versucht nicht euer gesamtes Umfeld zu belehren. Bleibt eurer Überzeugung treu, aber lasst auch andere Meinungen zu. Und denkt viel mehr daran, dass ihr es seid, die das grösste Vorbild für eure Kinder darstellen. Kinder lernen durch Nachahmung und die eigenen Eltern werden nun mal am allermeisten beobachtet und kopiert.

Also, geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, wie lecker und süss eine Welt ohne Zucker sein kann. Bei dieser Entdeckungsreise könnt ihr eure Kinder auch super integrieren. Wir erleben es leider oft, dass Kinder doch das ein oder andere Mal unterschätzt werden. Meist können sie bereits früh verstehen, welche Lebensmittel Ihnen guttun und welche eben auch nicht. Durch kindliche Veranschaulichung wie zum Beispiel, dass sie mit gesunder Ernährung oder mit bestimmten Nahrungsmitteln besser klettern oder mehr Ausdauer beim Fussball haben, lernen unsere Kinder sehr schnell, was ihr Körper benötigt, um stark und fit zu sein.

Aller Anfang ist schwer

Und trotzdem, es bleibt natürlich ein neuer Weg, der am Anfang vielleicht etwas holprig sein kann. Anfangs kann es auch sein, dass euch zuckerreduzierte Rezepte noch nicht ganz so gut schmecken. Doch es dauert tatsächlich nur etwa zwei bis drei Wochen und euer Geschmackssinn wird sich verändern. Manche Gerichte werden euch ganz automatisch auf einmal viel zu süss erscheinen und ihr lernt im Handumdrehen die natürliche Süsse von Lebensmitteln neu kennen. Und wir können aus eigener Erfahrung sagen: Es lohnt sich, den Zucker im Leben zu reduzieren. Ihr werdet die Veränderungen merken, bei euch, aber auch bei euren Kindern.

Unabhängig davon, dass ihr euren Körper langfristig gesund haltet, bemerkt ihr sicher auch zahlreiche andere positive Veränderungen: Ausgeglichenheit, ein besserer Schlaf und höhere Konzentrationsfähigkeit waren bei uns nur einige von zahlreichen Nebenwirkungen eines zuckerfreien Lebens. Auch kleinere Erkältungen oder ähnliches sind bei uns mittlerweile eine absolute Seltenheit geworden. Und ist es nicht das, was wir uns für uns selbst, aber, noch viel wichtiger, für unsere Kinder wünschen? Einen gesunden, starken Körper, mit dem sie spielen, lachen und unbeschwert ihre Kindheit geniessen können?

Bereits erschienener Beitrag aus der Mamablog-Ernährungwoche:
Menüplan – gute Erfindung oder Quatsch?

17 Kommentare
    Markus Grieder

    Wenn mal selber kocht, dann ist man schon fast zuckerfrei. Und dann verträgt es auch den zuckrigen Dessert (sic).