Handball

Am oberen statt am unteren Ende der Tabelle

Seit seinem Wechsel aus Zürich erlebt Kreisläufer Luigj Quni in Winterthur eine neue Dimension im Schweizer Handball, und mit Kosovos Nationalmannschaft gelangen dem 23-jährigen Thalwiler zwei Premieren.

Unbändiger Einsatz zeichnet Pfadis Luigj Quni aus, wie hier im Playoff-Viertelfinal gegen Kriens-Luzern.

Unbändiger Einsatz zeichnet Pfadis Luigj Quni aus, wie hier im Playoff-Viertelfinal gegen Kriens-Luzern. Bild: Martin Deuring

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Zwischen seinen Einsätzen im Playoff-Halbfinal mit Pfadi Winterthur machte Luigj Quni einen Ausflug in die Vergangenheit, besuchte das Playout der beiden schwächsten Mannschaften dieser NLA-Saison. Als Zuschauer sass er in der Zürcher Saalsporthalle, wo seine ehemaligen Teamkollegen von GC Amicitia gegen Fortitudo Gossau antraten. Die Zürcher setzten sich in der Best-of-5-Serie 3:1 durch und schafften damit den Ligaerhalt.

Die Saalsporthalle passt einigermassen ins Revier, das der 23-Jährige seit letztem Sommer im ÖV regelmässig abfährt: In die Axa-Arena für Trainings und Spiele mit Pfadi, in den benachbarten Deutweg für seinen 60-Prozent-Job als Hochbauzeichner, nach Oerlikon für den Abendkurs der Berufsmittelschule und nach Thalwil, wo Luigj Quni aufgewachsen ist und wo er bei den Eltern lebt.

Perfektes Debüt in Pristina

Sein Handballerleben führt den Kreisläufer auch weiter weg. Nach Tel Aviv beispielsweise. Nur zwei Tage, bevor in der Schweiz das Playoff begann, bestritt er dort mit Kosovos Nationalteam ein Spiel der EM-Qualifikation. Gegen Israel setzte es eine 24:30-Niederlage ab. Vier Tage zuvor hatte man den gleichen Gegner in Pristina 27:24 bezwungen und damit Kosovos ersten Sieg in einer EM- oder WM-Qualifikation fertiggebracht.

Quni ist einer von drei Schweizern, die für Kosovo antreten. Die anderen: Rechtsaussen Sharr Ramadani, seit drei Jahren bei den Seen Tigers, sowie Spielmacher Valon Dedaj, dessen HSC Kreuzlingen in der laufenden Erstliga-Saison erst einen Punkt abgegeben hat. Die übrigen Handballer dieses seit 2016 existierenden Nationalteams spielen in der Heimat, in Deutschland und Schweden. Ursprünglich hatte Quni einzig den Schweizer Pass, nicht auch jenen von Kosovo. Als der Handballverband an ihm Interesse zeigte, sei es «sehr schnell gegangen», erzählt Quni. «In drei Tagen war der Pass da.»

«Ich werde viel mehr gefordert. Das verschafft mir grössere Chancen, besser zu werden.»Luigj Quni, Der Thalwiler ist Kreisläufer bei Playoff-Halbfinalist Pfadi Winterthur.

Er war gegen Israel bei Kosovos erstem Sieg dabei – und auch beim ersten Punktgewinn in einer Qualifikation. Im November 2016 geschah das im Heimspiel gegen die Türkei. Sechs Tore aus sechs Würfen gelangen dem Kreisläufer da beim 24:24 vor 1300 Zuschauern in Pristina, in seinem ersten Heimspiel für Kosovo. «Es lief so, wie man es sich wünscht. Das hat gut getan», sagt Quni. Die Länderspiele seien für seine persönliche Entwicklung wichtig. «Ich kann eine Leaderrolle übernehmen.»

Die hat er bei Pfadi noch nicht. «Handballerisch ist das Niveau höher», vergleicht er seinen Club mit Kosovos Nationalteam. Auch gegenüber GC Amicitia bewegt er sich seit dem Transfer letzten Sommer auf einer anderen Stufe. «Den Unterschied merkt man schon im Training», erklärt der Playoff-Neuling. Drei Einheiten wöchentlich stehen an, dreimal wird zweimal täglich trainiert. «Ich werde viel mehr gefordert. Das verschafft mir grössere Chancen, besser zu werden.»

Kampfgeist und Biss

In Winterthur bildet er zusammen mit dem Bayer Markus Dangers das neue Duo am Kreis. Dangers, der offensiv beste Kreisläufer der Liga, ist die Nummer 1. Dies anerkennt Quni und sagt: «Er macht einen Superjob.» Er selbst sieht sich als Entlastung: «Sicher ist er froh, wenn ich komme und er ein paar Minuten Pause machen kann.»

Adrian Brüngger schätzt Quni: «Viel war neu für ihn, auch taktisch. Als frische Kraft und zusätzliche Energie brauchen wir ihn auf dem Feld», erklärt der Trainer. «Seine grosse Stärke ist sein unbändiger Kampfgeist. Mittlerweile ist er auch körperlich eine rechte Kante.» Und einer, der auf die Zähne beissen kann. Am 9. Februar bei einem seiner vier NLB-Einsätze mit der SG Yellow/Pfadi Espoirs riss das linke Aussenband im Knöchel, dennoch spielte er tags darauf bereits wieder im NLA-Team. Am 3. März beim Heimsieg über St. Otmar erwischte es das rechte Aussenband. «Mit zwei gerissenen Bändern habe ich mir gedacht, dass ich mal eine Pause machen sollte», sagt Quni. 17 Tage liess er bis zum nächsten Einsatz verstreichen.

In die Falle getappt

Luigj Quni weiss, wie der Abstiegskampf läuft. Bei GC Amicitia war er, der via Thalwil und Horgen zum Zürcher Stadtclub gestossen war und dort die Elite-Juniorenzeit verbracht hatte, oft genug damit beschäftigt. «Vor einem Jahr war es recht knapp», sagt er rückblickend, und untertreibt ein wenig. Denn gegen den TV Endingen brauchte es die nicht alltägliche Wende vom 0:2-Rückstand zum 3:2, um sich ein weiteres Jahr NLA-Handball zu sichern. Zu jenem Zeitpunkt im Mai stand schon länger fest, dass Quni seine handballerische Zukunft in Winterthur – und damit potenziell am oberen Ende der Tabelle – verbringen würde.Statt Playout folgt für ihn nun also die Fortsetzung im Playoff-Halbfinal. Qunis nächste Reise führt am Donnerstag nach Thun. Dorthin, wo er bei Pfadis 33:20-Sieg im Februar, Lehrgeld bezahlen musste. Nach einem Revanchefoul wurde er, zu hart, mit einem Platzverweis bestraft. Als sich anschliessend Jonas Dähler bemüssigt fühlte, sich vor ihm aufzupflanzen, tappte er in die Falle und stiess den Thuner zu Boden. Auf die rote Karte folgte die blaue und damit eine Spielsperre. «Auf Provokationen darf ich mich nicht einlassen», ist Qunis Lehre daraus.

Ein kühler Kopf wird auch am Donnerstag im vierten Spiel der Halbfinal-Serie, in welcher Winterthur 2:1 führt, ein taugliches Mittel sein, um in der Lachenhalle erfolgreich zu bestehen. Denn dort wird die Stimmung einiges aufgeheizter sein als im Kühlschrank namens Saalsporthalle.

Erstellt: 07.05.2019, 13:57 Uhr

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