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Hohe Margen auf Label-Eiern Am Freilandei verdienen Coop und Migros am besten

Der Schweizer Tierschutz kritisiert die Preispolitik der Grossverteiler – auf den Einstandspreis von Freilandeiern schlagen sie fast 80 Prozent drauf

Am beliebtesten bei den Schweizern ist das Ei aus Freilandhaltung.
Am beliebtesten bei den Schweizern ist das Ei aus Freilandhaltung.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Beim Eierkauf greifen viele Kunden von Coop und Migros zur blauen Packung: dem Freilandei. Es sind die beliebtesten Eier im Schweizer Detailhandel. Genau an ihnen verdienen die Grossverteiler am besten. Das zeigen Berechnungen des Schweizer Tierschutzes.

Vom durchschnittlichen Ladenpreis gehen rund 44 Prozent an die Grossverteiler. Beim Bio-Ei sind es rund 35 und bei der Produktion aus Bodenhaltung nur 25 Prozent. Stefan Flückiger, Geschäftsführer vom Schweizer Tierschutz, kritisiert die Preispolitik von Migros und Coop. Freiland- und Bio-Eier aus tierfreundlicher Haltung seien im Vergleich zu den Eiern aus Bodenhaltung zu teuer. «Die Detailhändler wissen genau, dass Kunden, die auf das Tierwohl achten, eine grössere Zahlungsbereitschaft haben. Deshalb verlangen sie dafür höhere Preise.»

Tiefere Preise im Laden sind gut für die Hühner

Flückiger hält den Betrag, den die Grossverteiler auf den Einstandspreis schlagen, für überrissen. Zum Vergleich: Beim Freilandei beträgt der Aufschlag im Durchschnitt rund 78 Prozent. Beim Produkt aus Bodenhaltung nur rund ein Drittel. Dabei erbringen die Detailhändler laut Flückiger bei beiden die praktisch gleiche Leistung.

Wären die Eier aus tierfreundlicher Produktion günstiger, würden sie wohl noch mehr Kunden kaufen – auch die, die auf den Preis achten. Das käme dem Wohl der Legehennen zugute. Bio und Freiland machen heute rund 50 Prozent der in Schweizer Läden verkauften Eier aus.

Migros verzichtet auf Eier aus Bodenhaltung

Coop verweist darauf, dass der Tierschutz mit Bruttomargen rechne. Nicht berücksichtigt seien dabei zusätzliche Kosten durch Zertifizierungen, Kontrollen und die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit, die bei Label-Eiern nötig sind. Bei der Migros heisst es, die in der Studie gezeigten Margen lägen «deutlich über den tatsächlichen Margen der Migros». Der Tierschutz bezieht sich auf einen Durchschnittswert von Coop und Migros.

Die Migros nimmt bis Ende 2020 sämtliche Bodenhaltungseier aus dem Sortiment. Auch die Importeier werden auf Freilandhaltung umgestellt. Konkurrent Coop zieht dabei nicht mit. Man wolle den Kunden die Wahlfreiheit bieten, sagt ein Sprecher.

Freiland ist vielen zu teuer

Nicht alle Kunden wollen oder können sich zu den derzeitigen Preisen Eier aus tierfreundlicher Haltung leisten. Dass die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten ihre Grenzen hat, zeigt auch die Tatsache, dass gar nicht alle Freilandeier unter diesem Label verkauft werden können. Laut dem Tierschutz müssen «grosse Mengen an Freilandeiern deklassiert werden». Bei zu geringer Nachfrage werden aus Freilandeiern solche aus Bodenhaltung.

7 Kommentare
    The Endy

    Die schweizer Durchschnittsfamilie verbraucht pro Woche wieviel Eier? 5, 10? Die echten Kostentreiber in den Haushalten sind hohe Mieten, Krankenkassen und Pensionskassen die die Bevölkerung aussaugen.

    Die paar Franken die ich für meiner Eier mehr bezahle sind sie mir wert. Hauptsche sie sind gesund und werden auch regelmässig gebraucht.