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Heute vor 60 JahrenAls Halbstarke die Bevölkerung von Hombrechtikon verunsicherten

Mit saftigen Polizeibussen wollte der Hombrechtiker Gemeinderat gegen pöbelnde Bewohner vorgehen. Am linken Seeufer fand ein Schiessanlass grosse Beachtung, wie der Blick ins Zeitungsarchiv zeigt.

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Lärmklagen im Sommer: kein Phänomen der Neuzeit, wie ein Blick in die rechtsufrige «Zürichsee-Zeitung» aus dem Jahr 1960 zeigt. Im Hombrechtiker Dörfli machte sich damals «eine Art Halbstarkentum bemerkbar», wie dem Verhandlungsbericht der Gemeinde zu entnehmen ist. Vor den Wirtschaften werde oft bis nach Mitternacht gelärmt, «und wenn jemand sein Recht auf Nachtruhe geltend macht, wird er noch angepöbelt», heisst es. Herr Müller, Kantonspolizist, sei angewiesen, «gegen solche Krakeeler vorzugehen und sie zu verzeigen». Solche Störenfriede würden in Zukunft mit saftigen, ernüchternd wirkenden Polizeibussen bestraft. Wie hoch diese ausfielen, wird im Bericht nicht erwähnt. Dafür macht der Gemeinderat auf eine weitere Verfehlung aufmerksam. In der Kramenwiese sei ohne Bewilligung eine Baracke oder ein Schopf aufgestellt worden. «Auf erfolgte Anzeige hin wird der Fall untersucht», hält der Rat fest.

Der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» widmet dem Standschiessen Wädenswil einen grossen Bericht. «Ausländische Feriengäste mustern immer wieder erstaunt die waffentragenden Schweizer, welche am Wochenende allerorts in grosser Zahl den Schiessständen zustreben. Die Weltenbummler haben Ähnliches sonst nie gesehen, und sie beneiden uns darum. Ihre Landesregierung schenkt ihnen kein so grosses Vertrauen; sie gestattet es nicht, Armeewaffe und Munition zu Hause zu verwahren. Für uns Schweizer ist aber diese grosszügige Haltung der Behörden seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit», heisst es. Der Schütze sei das Sinnbild der wehrhaften Eidgenossenschaft. Man hoffe sehr, «dass ein paar warme Sonnentage unser Land überstrahlen werden, damit die Schützen von nah und fern unsere schöne Gegend am Zürichsee in ihrer ganzen sommerlichen Herrlichkeit erleben können». Der Anlass war mit fast 2000 Schützen tatsächlich ein Erfolg. Besondere Erwähnung fand der 40-jährige Coiffeur Erwin Bruderer von der Schützengesellschaft Meilen. Im Militärstich (4 Schüsse auf die 100er-Scheibe) schoss er mit seinem Karabiner 387 Punkte (97, 97, 100, 93) und erzielte damit unter 1011 Schützen in dieser Kategorie das beste Ergebnis.