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Verkauf der StromnetzsparteMilliarden-Deal bei der ABB abgeschlossen

Der Schweizer Konzern hat den Verkauf des Stromnetzgeschäfts an die japanische Firma Hitachi abgeschlossen – und damit einen Nettoerlös von fast acht Milliarden Euro erzielt.

Der Stromkonzern ABB will 180 Millionen Aktien wieder zurückkaufen.
Der Stromkonzern ABB will 180 Millionen Aktien wieder zurückkaufen.
Foto: Reuters

Der von ABB Ende 2018 angekündigte Verkauf der Stromnetzsparte an die japanische Hitachi ist wie geplant abgeschlossen worden. Die Nettoerlöse aus dem Verkauf sollen wie angekündigt an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Demnächst wird deshalb ein neues Aktienrückkaufprogramm lanciert. Mit dem planmässigen Abschluss des Verkaufs von 80,1 Prozent des Stromnetze-Geschäfts an Hitachi, sei bei der Transformation zu einem dezentralisierten Technologieunternehmen ein wichtiger Meilenstein erreicht, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Man könne sich nun auf die Markttrends und die Bedürfnisse der Kunden fokussieren. ABB nennt den Verkauf einen «wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens».

Die Transaktion, die den Gesamtwert der verkauften Sparte auf 11 Milliarden US-Dollar fixierte, wurde Mitte Dezember 2018 angekündigt. ABB hatte davor unter Druck von Cevian und anderen wichtigen Aktionären lange mit diesem Entscheid gerungen, diesen letztlich aber als eigenständigen und zwingenden Schritt verkauft.

«Wir sind überzeugt, mit Hitachi den besten Eigentümer für den Geschäftsbereich und seine weitere Entwicklung gefunden zu haben», bestätigte Verwaltungsratspräsident Peter Voser laut Communiqué die schon früher geäusserte Haltung zum Verkauf.

Die Nettoerlöse aus dem Verkauf der Stromnetzsparte in Höhe von 7,6 bis 7,8 Milliarden US-Dollar für einen Anteil von 80,1 Prozent sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Dies geschehe in Übereinstimmung mit dem Programm zur Optimierung der Kapitalstruktur.

Neues Aktienrückkaufprogramm

Geplant sei, nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal 2020 (am 22. Juli) zunächst ein Programm zum Rückkauf von zehn Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals zu lancieren. Dies entspricht rund 180 Millionen Aktien nach Abzug der eigenen Aktien.

Das Aktienrückkaufprogramm soll über eine zweite Handelslinie an der Schweizer Börse SIX bis zur Generalversammlung vom März 2021 laufen. Die Aktien sollen vernichtet werden. Dannzumal will ABB auch weitere Details zum laufenden Programm zur Optimierung der Kapitalstruktur bekanntgeben.

ABB behält zunächst 19,9 Prozent der Anteile am Geschäftsbereich Stromnetze. Das Joint Venture mit Hauptsitz in der Schweiz wird unter dem Namen Hitachi ABB Power Grids firmieren. Es erzielt mit rund 36'000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 10 Milliarden US-Dollar.

Die mit Hitachi vereinbarten und im Dezember 2018 kommunizierten Konditionen bleiben unverändert. ABB kann drei Jahre nach Abschluss der Transaktion eine vereinbarte Option für den Verkauf ihrer restlichen 19,9 Prozent der Anteile ausüben

reuters/step

7 Kommentare
    Nick Schaefer

    Als ehemaliger ABB Mitarbeiter wurde mir 1999 bewusst, wie unfähig und unreformierbar der Konzern damals war. Die sogenannte "Matrixorganisation" war nichts anderes als das komplette Chaos, wo sich 1500 Firmen unter demselben Namen befanden, aber sich gegenseitig konkurrenzierten und bekriegten. Die Firma konnte historisch nur deshalb alle diese Firmen zusammenkaufen, weil in ihren Heimmärkten die Regierungen und staatlichen EW zu massiv überhöhten Preisen einkauften, und im Ausland mit gerichtlich belegter Bestechung masslos überteuerte Grossprojekte verkauft wurden - wo sich auch die Manager von der Bestechungssumme etwas in die eigene Tasche zurück holten.

    Wie bekannt ging ABB im 2001 faktisch Konkurs, und betrog Alstom beim Verkauf der Stromsparte - die Gasturbine GT26 funktionierte nicht, die Kunden hatten Vorkasse geleistet, Alstom musste geradestehen, wurde selbst bankrott, musste vom Staat F gerettet werden.

    Schon damals wusste jeder dass der Klimawandel kommt, trotzdem wurde weiter fossil investiert, was sich rächt.

    DIe ABB hat in den letzten 20 Jahren keine echten Renner mehr lanciert. Sie betreibt aktive Portfoliobewirtschaftung, sucht kramphaft nach wachsenden, technisch synergetischen Mittelständlern zum Kaufen und globalisieren; stösst ab, was andere wertvoller finden; tut das leidlich, aber nicht berauschend.

    Die grossen Player in den wachsenden Märkten sind längst die Chinesen; technisch fortschrittlicher, mit grösserem Heimmarkt und Dynamik.