Opfikon

50 Millionen Franken für simulierte Flüge

Das modernste Trainingscenter der Lufthansa-Gruppe wird ab 2019 in Opfikon stehen. Am Donnerstag wurde der Grundstein gelegt für das Mammutprojekt, in welchem in Zukunft täglich 200 bis 400 Crewmitglieder und Piloten ausgebildet werden. Das Center ersetzt den bisherigen Standort am Balsberg.

Bei der Grundsteinlegung wurde eine Kiste mit den Bauplänen des Projekts im Boden versenkt.

Bei der Grundsteinlegung wurde eine Kiste mit den Bauplänen des Projekts im Boden versenkt. Bild: Balz Murer

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Wer in der Schweiz eine Ausbildung zum Linienflugpilot absolviert, wird dies ab Ende 2019 voraussichtlich in Opfikon tun. Denn dort baut die Lufthansa Aviation Training Switzerland AG (LAT), ein Unternehmen der Lufthansa-Gruppe, derzeit das schweizweit grösste und innerhalb der Unternehmensgruppe auch modernste Trainingszentrum.

Am Donnerstag wurde an der Cherstrasse nahe der Glattalbahn-Haltestelle Bäuler der Grundstein gelegt. Während den nächsten zwei Jahre soll dort auf einer Fläche von 11 000 Quadratmetern ein regelrechter Komplex aus dem Boden gestampft werden. Rund 50 Millionen Franken investiert die LAT in das 120 Meter lange und 19 Meter hohe Gebäude. In ihm ausgebildet werden sowohl Piloten als auch Crewmitglieder der verschiedenen Airlines, die zur Lufthansa-Gruppe gehören.

Tückischer Boden erfordert modernes Pfahlbauen

«Wir haben über ein Dutzend Standorte geprüft», sagte David Birrer, Geschäftsführer von LAT anlässlich der Grundsteinlegung. Schliesslich habe man sich für Opfikon entschieden, weil hier die Anbindung an den öffentlichen Verkehr optimal sei. Und weil sich in der Nähe viele Hotels befinden, wodurch genügend Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Diese Vorteile machten einen erheblichen Nachteil des Standorts wett: «Dieses Gebiet war vor Tausenden von Jahren ein Seebecken», erklärte Projektleiter Claudio Sigrist. Das hat zur Folge, dass der Boden des Gebiets aus verschiedenen Sedimentschichten besteht. Problematisch ist dies, weil im Trainingscenter dereinst acht Flugsimulatoren stehen werden, die jeweils 15 bis 20 Tonnen schwer sind. Diese Simulatoren sind teuer, ein einzelnes Gerät kostet zwischen 10 bis 15 Millionen Franken. Ein Grossteil dieser Kosten machen dabei die benötigten Lizenzen und die Software aus. Eine Fluggesellschaft, die nun die Software und Lizenz für einen Simulator erwerben will, muss dazu einen zweistelligen Millionen Franken bezahlen.

Selbst in einem grossen Trainingscenter wie demjenigen der Lufthansa stehen deshalb «nur» acht Simulatoren. Und damit diese möglichst kosteneffizient genutzt werden, müssen sie quasi rund um die Uhr ausgelastet sein, 40 000 Simulatorstunden sind laut LAT pro Jahr vorgesehen. Das stellte die Projektplaner vor eine technische Herausforderung. Die Simulatoren setzen durch ihre Bewegung während des Betriebs erhebliche Kräfte frei, die in den Boden abgeleitet werden. «Durch die lockere Sedimentschicht könnten diese Energien über einen längeren Zeitraum hinweg das Gebäude deformieren», erklärte Sigrist.

Also greifen die Bauherren zu einem Kniff. Sie bohren nun 140 Pfeiler rund 30 Meter tief in den Boden. In dieser Tiefe weicht die Sedimentschicht solidem Fels. Dadurch werden die Kräfte nicht in die Sedimentschicht, sondern auf das genügend solide Gestein abgeleitet.

Bei jedem neuen Simulator Wände demontiert

Bis das neue Trainingscenter fertig gebaut ist, wird das Luftfahrttraining weiterhin im ehemaligen Swiss Aviation Training-Center am Balsberg durchgeführt. Das neue Gebäude wird bei den Simulatoren noch eine weitere Verbesserung bringen. «Im alten Gebäude mussten wir jeweils die Wände entfernen, wenn wir einen neuen Simulator installieren wollten», führte Geschäftsführer Birrer aus. Im neuen Center werden grosse Tore dafür sorgen, dass nicht immer wieder Mauern demontiert werden müssen.

Nebst den Simulatoren für die Piloten werden in Opfikon künftig auch die Crewmitglieder geschult. Fünf Rumpfattrappen sind vorgesehen. In diesen kann etwa geübt werden, wie ein Flugzeug notfalls evakuiert werden muss. Möglich sei laut Birrer auch, dass dereinst auch ein beweglicher Rumpf – ähnlich den Simulatoren für die Piloten – eingebaut wird. So liesse sich zum Beispiel noch realitätsnaher demonstrieren, wie viel Kraft es benötigt, eine Tür aufzustemmen, wenn das Fahrwehrk auf der einen Seite des Flugzeugs eingebrochen ist.

Daneben wird das Gebäude über zahlreiche Briefing-, Schulungs- und Aufenthaltsräume verfügen. Dazu gehören auch Nachbildungen für das Trainieren des Services an Bord sowie ein Coiffeur- und Beautyraum. Insgesamt sind im neuen Center rund 170 Arbeitsplätze vorgesehen, die vom bisherigen Standort am Balsberg umziehen.

Erstellt: 14.12.2017, 16:39 Uhr

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