Video zeigt Raketen-Angriff auf israelische Autobahn

Nach der Tötung eines ihrer Militärchefs schlagen militante Palästinenser mit Angriffen aus der Luft zurück. 40 Personen wurden verletzt.

Die Rakete schlägt auf einer stark befahrenen Schnellstrasse südlich von Tel Aviv ein. (Video: AP)

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Israel hat einen Militärchef der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Jihad bei einem nächtlichen Luftangriff gezielt getötet. Militante Palästinenser reagierten auf den Tod von Baha Abu al-Ata und dessen Ehefrau am Dienstag mit massiven Raketenangriffen auf israelische Gebiete.

Auch in Tel Aviv heulten mehrmals die Sirenen, Explosionen waren zu hören. Nach Angaben des israelischen Aussenministeriums wurden seit den Morgenstunden rund 190 Raketen abgefeuert. 60 davon seien vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Bei weiteren gezielten israelischen Luftangriffen im nördlichen Gazastreifen wurden fünf Jihad-Mitglieder getötet, die nach Armeeangaben Raketen auf Israel abfeuern wollten.

Der Jihad nannte den tödlichen Angriff auf seinen Militärchef eine «Kriegserklärung» Israels, es seien damit «alle roten Linien überschritten» worden. Nach syrischen Angaben wurden bei einem weiteren Angriff der israelischen Luftwaffe auf einen anderen Jihad-Führer in Damaskus, Akram Al-Adjuri, zwei Menschen getötet. Al-Adjuri selbst sei nur verletzt worden.

Netanyahu: «Tickende Bombe»

De israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu beschrieb Abu Al Ata als «den zentralen Verantwortlichen für Terrorattacken aus dem Gazastreifen». Nach Beratungen des Sicherheitskabinetts in Tel Aviv sagte Netanyahu, der Militärchef stehe hinter Angriffen mit hunderten von Raketen und sei dabei gewesen, neue Attacken zu planen. «Er war eine tickende Bombe.»

Gleichzeitig betonte Netanyahu, Israel sei nicht an einer weiteren Eskalation interessiert. Israels Armeechef Avi Kochavi sagte, notfalls sei das Militär zu weiteren gezielten Tötungen bereit.

Die Eskalation befeuerte die Furcht vor einem neuen Gaza-Krieg und löste international Besorgnis aus. Nach Medienberichten bemühen sich Ägypten und die Vereinten Nationen hinter den Kulissen intensiv um eine Beruhigung der Lage.

Angesichts der Eskalation berief die israelische Armee Reservisten ein. Es handle sich um mehrere Hundert Reservesoldaten, sagte ein Sprecher in Tel Aviv. Die Nachrichtenseite «ynet» berichtete, sie gehörten vor allem zur Luftwaffe, zum Militärgeheimdienst und zum Zivilschutz. Der neue israelische Verteidigungsminister Naftali Bennett habe zudem in Regionen mit einer Entfernung von bis zu 80 Kilometern vom Gazastreifen eine «Sonderlage» ausgerufen.

Mehrere Verletzte in Israel

Aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen schlugen nach israelischen Medienberichten direkt in Häusern in Netivot und Kerem Schalom im Süden Israels sowie auf einer stark befahrenen Schnellstrasse südlich von Tel Aviv ein. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom erlitten rund 40 Israelis bei Raketenangriffen Verletzungen.

In Israel blieben Schulen und Büros vom Süden bis zum Zentrum geschlossen. Der Zugverkehr nahe dem Gazastreifen wurde laut Medienberichten teilweise gestoppt. Die Armee verlegte nach eigenen Angaben verstärkt Truppen ins Grenzgebiet. Die beiden Grenzübergänge von Israel in den Gazastreifen blieben bis auf weiteres geschlossen.

Beruhigung der Lage gefordert

Die EU forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und eine rasche Beruhigung der Lage, um das Leben von Israelis und Palästinensern zu schützen. Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) äusserte sich in einer Mitteilung vom Dienstagabend beunruhigt über die jüngsten Gewaltausbrüche in Israel und im Gazastreifen. Es rief die Konfliktparteien auf, die Lage unverzüglich zu beruhigen.

Die am Konflikt beteiligten Parteien ermahnte das Aussendepartement, das Völkerrecht und besonders das humanitäre Völkerrecht zu respektieren. Die Bevölkerung und die zivilen Infrastrukturen in Israel und im Gazastreifen müssten geschützt werden. Das EDA stellte den Konfliktparteien entsprechende Botschaften zu. Auch die russische Regierung rief nach Angaben eines Sprechers «alle Konfliktparteien» zur Zurückhaltung auf.

Gezielte Tötung auch in Damaskus?

Abu al-Ata war ein Anführer der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms des Islamischen Jihad im Gazastreifen. Sie gilt als zweitstärkste Extremistenorganisation nach der islamistischen Hamas. In der Vergangenheit hatten beide Organisationen Terroranschläge in Israel verübt.

In der Vergangenheit hatte Israel immer wieder gezielt militante Palästinenser getötet, darunter auch Führungsmitglieder der Hamas. Nach dem Gaza-Krieg 2014 hatte das Militär im Rahmen einer Waffenruhe diese Praxis jedoch weitgehend unterlassen.

Israel hatte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Es hat vor zwölf Jahren eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Die Hamas wird von der Europäischen Union, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft – nicht aber von der Schweiz. Die Hamas hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. (fal/sda)

Erstellt: 12.11.2019, 19:52 Uhr

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