16 Tote durch israelische Luftschläge

Die Tötung eines palästinensischen Militärchefs zog einen massiven Raketenbeschuss auf Israel nach sich. Die Luftwaffe bombardierte darauf gezielt Ortschaften im Gazastreifen.

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Wieder heulten die Sirenen in Israel: Aus Vergeltung für die Tötung eines ihrer Anführer feuerten militante Palästinenser am Mittwoch erneut Dutzende Raketen nach Israel ab. Die israelische Luftwaffe bombardierte derweil im Palästinensergebiet des Gazastreifens pausenlos Ziele der Extremistengruppe Islamischer Jihad.

Die Organisation hat schon viele Todesopfer zu beklagen. Doch eine Waffenruhe lehnte die Gruppierung nach der gezielten Tötung ihres Militärchefs Bahaa Abu al-Ata vorerst ab. «Es kann keine Gespräche über Ruhe geben, während die Straftaten israelischen Besatzung weitergehen», sagte Ahmad al-Mudallal, führender Vertreter der Organisation.

Am Mittwoch wurden bei israelischen Angriffen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 16 Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Quellen handelte es sich bei den Toten um drei Zivilisten und 13 Mitglieder des Islamischen Jihad. Damit steigt die Zahl der seit Beginn der neuen Gewaltwelle getöteten Palästinenser auf 26. Die meisten wurden nach israelischen Angaben bei dem Versuch getötet, Raketen auf Israel abzufeuern. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden zudem rund 80 weitere Palästinenser verletzt.

Am Mittwoch kam es erneut zu starkem Raketenbeschuss auf israelische Ortschaften. Im Grenzgebiet sowie in der Küstenstadt Aschkelon heulten am Morgen Warnsirenen, wie die israelische Armee mitteilte. Die Nachrichtenseite ynet berichtete, die Armee habe zusätzliche Einheiten auch mit schwerem Geschütz ins Grenzgebiet verlegt.

Massiver Raketenbeschuss

Am Mittwoch kam es zudem erneut zu massivem Raketenbeschuss auf israelische Ortschaften. Im Grenzgebiet sowie in der Küstenstadt Aschkelon heulten am Morgen Warnsirenen, wie die israelische Armee mitteilte. Die Nachrichtenseite ynet berichtete, die Armee habe zusätzliche Einheiten auch mit schwerem Geschütz ins Grenzgebiet verlegt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte: «Wir greifen weiter den Islamischen Jihad an, nachdem wir den führenden Jihad-Kommandanten im Gazastreifen unschädlich gemacht haben.»

Der Extremistengruppe sei klar, «dass wir sie weiter gnadenlos angreifen werden». Er schwor die Bürger auf eine längere Auseinandersetzung ein. «Wir wollen keine Eskalation, aber wir reagieren hart auf jeden Angriff.»

Die US-Regierung verteidigte das Vorgehen Israels. «Israel hat jedes Recht, sich und seine Bürger zu verteidigen», erklärte die Sprecherin des Aussenministeriums, Morgan Ortagus, auf Twitter.

Seit Dienstagmorgen haben militante Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee mehr als 360 Raketen auf Israel abgefeuert. Dutzende davon seien von der Raketenabwehr Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden.

Reaktion auf Tötung von Militärchef

Die militanten Palästinenser reagierten damit auf die gezielte Tötung eines Militärchefs des Islamischen Jihad im Gazastreifen, Baha Abu al-Ata, durch die israelische Luftwaffe. Auch seine Frau kam bei dem nächtlichen Überraschungsangriff ums Leben.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden am Dienstag zehn Palästinenser bei gezielten israelischen Luftangriffen getötet. Acht von ihnen hatten nach Angaben der israelischen Armee versucht, Raketen auf Israel abzufeuern.

UNO fordert sofortiges Ende

Der UNO-Nahostgesandte Nikolai Mladenov forderte ein sofortiges Ende des Beschusses israelischer Ortschaften. «Das wahllose Abfeuern von Raketen und Mörsergranaten auf Bevölkerungszentren ist absolut inakzeptabel», sagte er laut einer Mitteilung. Die Vereinten Nationen bemühten sich um eine Deeskalation der Situation.

Aus Sicht israelischer Sicherheitskreise ist die Kernfrage nun, ob die im Gazastreifen herrschende Hamas sich den Attacken anschliessen wird. Dann wäre eine noch deutlich grössere Eskalation zu befürchten. Der Islamische Jihad gilt zwar ideologisch als noch radikaler als die Hamas, militärisch aber als schwächer. Die Extremistengruppe wird als gefährlicher und destabilisierender Faktor gesehen.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu beschrieb den gezielt getöteten Abu al-Ata als zentralen Drahtzieher vieler Raketenangriffe und Anschläge aus dem Gazastreifen seit vergangenem Jahr. Dabei agiert der Islamische Jihad nach Einschätzung Israels häufig auch gegen klare Vorgaben der Hamas.

Auch Ägypten bemüht sich nach israelischen Medienberichten, die Lage zu beruhigen und vermittelt intensiv hinter den Kulissen.

Vom Iran finanziert

Der Islamische Jihad wurde Ende der 1970er Jahre durch palästinensische Studenten in Ägypten gegründet. Die Organisation wird von Israels Erzfeind Iran finanziert und hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Ebenso wie die Hamas hat sie schon mehrfach blutige Terroranschläge in Israel verübt.

Der Islamische Jihad verfügt laut der Nahost-Expertin Dikla Cohen von der Hebräischen Universität in Jerusalem über rund 10'000 Kämpfer im Gazastreifen. Damit ist sie die zweitstärkste Extremistenorganisation nach der Hamas in dem Küstengebiet.

(step/fal/sda)

Erstellt: 13.11.2019, 21:00 Uhr

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